In 80 Minuten durch Renaissance und Barock

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Weltstars der klassischen Musik auf der Bühne im Ostertag in Aalen: Valer Sabadus (stehend) mit L'Arpeggiata, links Christina Pluhar.

Christina Pluhar, Valer Sabadus und das Ensemble L'Arpeggiato – Weltstars zeigen beim Festival für Alte Musik in Aalen ihr Können.

Das "Ostertag" am Samstagnachmittag: ein geräumiges Foyer im Clubstil mit Bar und Häppchen, der lang gestreckte Konzertsaal luftig bestuhlt, die Bühne bestens ausgestattet mit Licht und Ton, der SWR ist zum Mitschnitt da, links auf der ganzen Länge Einblick in die Oldtimerhalle, dahinter die unhörbare Eisenbahn. Das Festival für Alte Musik Aalen (FAMA) ist umgezogen aus der Villa Stützel in das Ostertag-Ambiente. Um 19 Uhr begrüßen Sandra Röddiger und Ralf Kurek als Veranstalter das spürbar gut gelaunte Publikum. Ein Großkonzert wie "La Serenissima" ist eine wohltuende Rarität in der Pandemie; dass der Abend auch qualitativ ein Höhepunkt ist, wird sich in den folgenden 80 Minuten Renaissance- und Barockmusik ohne Unterlass und Pause zeigen.

Valer Sabadus singt gut die Hälfte der Programmnummern, die italienische Komponisten von Monteverdi bis Rossi, von Strozzi bis Kapsberger und Francesco Cavalli bis Barbara Strozzi präsentieren. Sabadus singt mit klarem, beweglichen Countertenor, die Mimik und Gestik ist lebhaft wie seine textnahen Interpretationen. Er kann schimpfen und weinen, in verliebter Sehnsucht innig sein und tobend klagen und einfach betörend singen.

Die meist kleineren Arien und Balladen sind ganzeitliche Inszenierungen des Ensembles L'Arpeggiata um Christina Pluhar mit Sabadus, der an diesem Abend nicht den Weltstar gibt, sondern als integrierter Teil des Ensembles musiziert. Die kleine Truppe ist international und bestens besetzt in den Instrumenten der Zeit: Zink (sensationell Doron D. Sherwin), Barockgeige (hinreißend Lathika Vithanage), alte Posaune (mit dezenter Eleganz Simen van Lechelen), Barockgitarre und Erzlaute (stabil und sensibel Eero Palviainen), perfekte Perkussionen von Sergey Saprychev und das Continuo-Fundament mit Olga Watts (Cembalo und Orgel) sowie Leonard Teruggi am Kontrabass. Das Zentrum des Ensembles ist Christina Pluhar, Barockspezialistin und künstlerische Leiterin von L'Arpeggiato, das sie vor 20 Jahren gegründet hat.

Pluhar setzt auf emotional belebtes und zugleich unbedingt perfektes Musizieren, das Ensemble spielt wie ein eingeschworener Klangkörper. Die Interpretationen spüren die Spezialitäten der Komponisten auf und in manchen Stücken klingen Tonalitäten an wie sie in der Romantik üblich waren, ja bis ins Rockige unserer Zeit reichen die visionären Zitate. 18 Stücke werden gespielt, keines klingt wie das andere. Das Programm ist auf Abwechslung aus, zeigt aber auch Entwicklungslinien der venezianischen Musik im 17. Jahrhundert.

Mit zwei Zugaben bedankt sich das Ensemble für einen herzlichen, begeisterten Applaus und schenkt mit dem letzten Monteverdi-Lied den wohl schönsten Gruß der Serenissima.

Rainer Wiese

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