In der Werkstatt eines echten Tüftlers

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Der "Messerschmitt Tiger" nimmt Gestalt an. Karosserie und viele Technikteile entstehen bei Harald Fiedler in der heimischen Werkstatt. Viel Fachkenntnis hilft weiter.

Der Gmünder Harald Fiedler arbeitet am Nachbau eines Messerschmitt "Tiger" aus den 1950er-Jahren. Es ist mehr als ein Winterprojekt. Der Spaß steht im Vordergrund.

Schwäbisch Gmünd

Ein echter schwäbischer Tüftler sieht seinem Traum nicht hinterher, er verwirklicht ihn. Harald Fiedler aus Schwäbisch Gmünd ist einer von ihnen. Liebhaber der Kleinstautomobile der Nachkriegszeit, Mitglied im Verein Freunde Historischer Fahrkultur und immer aufgeschlossen, wenn eine automobile Rarität restauriert werden muss.

Was aber, wenn gar keine Rarität auf die liebevolle Behandlung wartet? Harald Fiedler baut sie einfach neu. "Es ist ein Winterprojekt", sagt er und weiß, dass ein einziger Winter dazu nicht ausreicht: Es geht um den Nachbau eines winzigen Autos aus den 1950er-Jahren. Manche erinnern sich noch an den Messerschmitt-Kabinenroller. Nur wenige an die Sonderausführung TG 500, besser als "Tiger" bekannt. Ein sportlicher Winzling, in dem Fahrer und Mitfahrer hintereinander sitzen. Der Ableger des Kabinenrollers wird nur rund 300 Mal gebaut, der Markt für die noch vorhandenen Fahrzeuge ist leer gefegt. Selber bauen ist deshalb eine Option.

Dabei ist er nicht allein. Fiedler ist Mitglied im Messerschmitt Club Deutschland, dem rund 900 Interessierte angehören. Viele leben im Südwesten und einige haben die gleiche Idee. "Zurzeit entstehen fünf Nachbauten des TG 500", sagt er. In der Szene tauscht man sich aus, mit Wissen, aber gelegentlich auch mit Teilen. Lange Zeit war Harald Fiedler auf der Suche nach den verchromten Lampenringen, dann konnte er gleich mehrere an Land ziehen. Andere profitieren davon. Bis zur Montage der Leuchten ist es aber noch weit.

So geht's

Mein Ziel ist die Fertigstellung Ende 2021.

Harald Fiedler Oldtimerliebhaber

Die Werkstatt ist aufgeräumt. Jedes Werkzeug hängt an seinem Platz, die Drehbank ist fein säuberlich abgedeckt und in Regalen warten Einzelteile des Projekts "Tiger" auf die Montage. Auf dem Drehgestell fertigt der Oldtimerfreund, als Maschinenbauer und Techniker nicht ganz fachfremd, zunächst Rahmenteile aus Vierkantprofilen, fertigt nach exakten Bauplänen die sogenannte Wanne aus Blech, das eigentliche Gehäuse. Jedes Detail muss stimmen, damit später Sitze, Lenker, Pedale, aber auch Tank und Motor exakt eingepasst werden können. Schwierig wird es, wenn Technik-Teile nachgebaut werden müssen. Die Radaufhängung ist ebenso Eigenbau und die Antriebswellen für den heckgetriebenen Wagen. Der hat im Gegensatz zum schwächeren Kabinenroller vier Räder, die ihn zum Kurvenmeister machen. "Wenn man das nicht selbst herstellen kann, braucht man erst gar nicht anzufangen", weiß Harald Fiedler. Das hat nicht nur Kostengründe, sondern liegt auch im Detail: Die Fertigung außer Haus würde viel zu viele zeitraubende Anpassungen erfordern. Ein Beispiel: Bremstrommeln und Antriebsräder stammen vom Polo 86c aus den 1990er-Jahren. Der 26-PS-Motor kommt vom Trabant. Die Antriebswelle dazwischen ist halb VW, halb Trabant. Zusammengeschweißt hat er die zwei Teile auf der Drehbank, mit einer Präzision unterhalb eines hundertstel Millimeters.

"Bei Abweichungen würde es im Fahrbetrieb zu Vibrationen kommen, die die Antriebswelle rasch reißen ließen", sagt der Tüftler. Nicht die einzige Herausforderung im Marathon Richtung Fertigstellung. Der Auspuff wird selbst geschweißt, der Tank sowieso. Auch die Pedale kommen aus der heimischen Werkstatt. Das alles braucht mehr Zeit, als bei der Produktion der Originale von gut 60 Jahren. Mindestens 400 Stunden hat Harald Fiedler schon investiert, "weitere 600 werden bis zum fahrfertigen Auto noch nötig sein", sagt er. Denn noch sind Karosserie und Technik nicht vereint. Immerhin konnte der Oldtimerfreund Bauteile dazu kaufen. "Es gibt aus Kunststoff gegossene Kotflügel und Motorhauben." Die werden in einem der nächsten Schritte angeschraubt. Zunächst aber muss der Motor angepasst werden, die Bremsleitungen werden verlegt, die Lenkung – der Fahrer hat eine Art Motorradlenker in der Hand – muss mit den Rädern verbunden werden. Harald Fiedler legt Wert auf Details. Ein funktionierender Tacho wird dafür zerlegt, Ziffernblatt und Zeiger aus einem (nicht mehr funktionierenden) Original werden eingebaut. Griffbereit im Regal gleich neben der Montagebank wartet die Verdeckschere auf den Einbau. Ein Klappmechanismus, der eine Stoffbahn über die Fahrgastzelle möglich macht. So viel Arbeit für ein so kleines Auto? Harald Fiedler hat andere Wertmaßstäbe: "Das baut mich auf, bietet eine tolle Ablenkung vom Tagesgeschäft und erfüllt mich einfach mit Freude." Grund genug, das Projekt weiterzuverfolgen. "Mein Ziel ist die Fertigstellung Ende 2021."

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