Wespels Wort-Wechsel

Ist die Hefe ein Hebel?

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Manfred Wespel über die gefährlichen Tücken des Schwäbischen.

In der Tat. Noch im Mittelhochdeutschen wurde mit hebel sowohl eine Hebestange als auch die Hefe bezeichnet, obwohl es für Hefe auch schon eine eigene Wortform gab: heve. Nun ist der Austausch von b und f/w nichts Ungewöhnliches (sieben/siewe). Grundlage ist das Wort heben und die Hefe hebt ja den Teig empor. Für Hefe war ebenfalls das Wort urhab (Erhebung) üblich, das auch den Anfang, den Ursprung, die Ursache und den Urheber bezeichnete und das im Schwäbischen lange noch für Sauerteig/Hefe üblich war und mitunter zu Urbet verkürzt wurde.

"In onheib hot beschafn got den himl un die erd."

Im Jiddischen heiwn für Hefe steckt ebenfalls das Grundwort heibn (heben) und auch in onheib für Anfang, wie der Beginn des Schöpfungsberichts auf Jiddisch zeigt. Dazu passt auch in etwas gewählter Sprache "anheben" für beginnen. Und der heilige Franziskus hub an zu predigen und sprach: Meine Geschwister, ihr Vögel, …"

Steht ein schwäbischer Häuslebesitzer oben auf der Leiter, um die Dachrinne auszuputzen, sollte er dem unten stehenden Feriengast aus Hannover nicht zurufen "Heb amol!", es könnte nämlich sein, er stürzt von der Leiter, falls der Gast kräftig genug ist, die Leiter samt Gastgeber wirklich zu heben.

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