Jens Spahn mit Roderich Kiesewetter im Wahlkampf-Endspurt in Aalen

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CDU-Wahlkampfbesuch von Jens Spahn in Aalen zur Unterstützung von Roderich Kiesewetter.
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Wie der CDU-Bundesgesundheitsminister im Eichenhof Wahlkampf macht, die Coronapolitik verteidigt und wann er eine Rückkehr zur Normalität sieht.

Aalen.

Die Eiche - Symbol für Standhaftigkeit und der deutscheste aller Bäume. Absicht oder Zufall, dass sich die CDU für den Wahlkampfauftritt von Gesundheitsminister Jens Spahn ausgerechnet für den altehrwürdigen Eichenhof entschieden hat? Anders als bei seinem Besuch 2017 im Biergarten des Cafés Podium standen die Vorzeichen diesmal weniger auf Gemütlichkeit. Dafür sorgten auch die knapp 40 Demonstranten mit Vuvuzela, Megafon und Plakaten entlang der Rombacher Straße, die gegen die Coronapolitik der Bundesregierung protestierten und eine "Impfpflicht durch die Hintertür" befürchteten. Zahlreiche Polizisten riegelten die Zufahrt zur Scholz-Arena ab, ein Anti-Konflikt-Team der Polizei suchte den Kontakt, ebenso Roderich Kiesewetter selbst, der die Straße entlang lief und zu Gesprächen stehen blieb. Doch Kiesewetter brach ab, als einige wenige Demonstranten die Corona-Maßnahmen mit dem Holocaust gleichsetzten.

Jens Spahn über die schwerste Krise der Bundesrepublik

Tröten, Pfeifen, Krach machen - "das begleitet mich schon seit drei bis vier Wochen", sagt Spahn. Die Demonstranten waren auch noch im Eichenhof-Biergarten die gesamten eineinhalb Stunden gut zu hören. Spahns Fazit nach 18 "schweren Monaten in der Pandemie": Deutschland sei wirtschaftlich "durch die schwerste Krise der Bundesrepublik" gut durchgekommen, habe es anders als andere EU-Länder geschafft, alle Corona-Patienten gut zu versorgen und die Todesfälle seien geringer, als in vielen anderen Ländern. Das sei auch der Stärke des deutschen Gesundheitswesens zu verdanken.

Deutschland habe, so Spahn, maßgeblich dazu beigetragen, der Welt einen Weg raus aus der Pandemie zu zeigen. Der erste PCR-Test der Welt sei aus Deutschland gekommen, ebenso der Impfstoff von Biontech. In bestimmten Bereichen sei man allerdings noch zu abhängig von China und anderen Ländern. "Was wäre gewesen, wenn die wirksamen Impfstoffe aus Russland und China gekommen wären?", sagte Spahn. Deutschland müsse in bestimmten Bereichen - darunter auch die Halbleiterindustrie - souveräner werden.

Gegen eine Vermögenssteuer

Steuererhöhungen seien nicht die Lösung, sagte er in Richtung der Linken. Eine Vermögenssteuer würde auch Familienunternehmen hart treffen. "Biontech würde es mit einer Vermögenssteuer nicht geben", sagte Spahn.

Nun sei man in der vierten Welle, aber dank der Impfungen auch auf dem Weg dort raus. Ohne Impfung sei allerdings die Wahrscheinlichkeit einer Coronainfektion in den nächsten sechs Monaten "nahe 100 Prozent".

Zwar war die Corona-Politik der Bundesregierung das dominierende aber nicht das einzige Thema. Die Struktur der Krankenhäuser - das Thema trieb sowohl Kreisärztesprecher Dr. Sebastian Hock, als auch Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler um. Leistet man sich doch im Ostalbkreis gleich drei Klinikstandorte. Bei diesem Thema blieb Spahn vage, ging mehr auf die Frage nach der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum ein. Dafür habe man mit Medizinischen Versorgungszentren und einer Landarztquote im Medizinstudium bereits viel getan. Und bei den Pflegeberufen mangele es nicht mehr an der Finanzierung.

Trotz Impfangebot für alle immer noch Corona-Einschränkungen?

Viele Besucher kamen an diesem Nachmittag zu Wort. Ein Frage tauchte nicht nur an der Rombacher Straße, sondern auch im Biergarten auf: Warum werden die Corona-Maßnahmen nicht wie versprochen aufgehoben, nachdem nun alle ein Impfangebot erhalten hätten? Spahn argumentiert mit der ansteckenderen Delta-Variante. Dafür sei die Impfquote noch zu niedrig, es drohe erneut eine Überlastung auf den Intensivstationen. Deshalb müsse man auch das Pflegepersonal dort weiter schützen. Jetzt verspricht er: "Wenn die Impfstoffe weiter wirksam bleiben, werden wir ab dem Frühjahr in die Normalität zurückkehren können." Die Maßnahmen sollen so gelockert werden, dass keine Überlastung drohe.

"Ich will nicht wieder zurückgehen müssen", sagte Spahn. Über ihm raschelten die Eichen im Wind.

Querdenkerdemo am Rande des Besuchs von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Aalen im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021.
Querdenkerdemo am Rande des Besuchs von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Aalen im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021.
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CDU-Wahlkampfbesuch von Jens Spahn in Aalen zur Unterstützung von Roderich Kiesewetter.
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Querdenkerdemo am Rande des Besuchs von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Aalen im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021.
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