Jess Jochimsen überzeugt im Autokino

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Jess Jochimsen in ungewohntem Format: Per Liveübertragung auf der Kinoleinwand in Ellwangen.

Die Besucher begrüßen den Kabarettisten in Ellwangen mit einem Hupkonzert.

Ein Hupkonzert begrüßt den Künstler, der eine ungewohnte Bühne betritt: Im Ellwanger Autokino spielt der Kabarettist Jess Jochimsen vor geparkten Autos und ist im Livebild auf dem Bildschirm zu sehen.

Die einzige Möglichkeit für einen Live-Auftritt sei für sein Humorkonzept schwierig, lebe er doch von den Reaktionen, räumt Jochimsen ein. Hupen, Lichtsignal, Winken aus dem Fenster: Sein Publikum versucht dennoch Gefallen auszudrücken und das klappt gut, wie beide Seiten an dem Abend feststellen.

Unter dem Titel "Heute wegen Gestern geschlossen" schafft es der Humorist, das Unausweichliche (die Corona-Pandemie und ihre vielfältigen Folgen), mit dem Alltäglichem (seiner Arbeit als Beobachter und pointierter Erzähler) zu verweben. "Was es für mich als Humorist schwer macht, ist, dass gerade alles so ernst ist", bekennt Jochimsen. Die durch die Krise hervortretenden Veränderungen beleuchtet er kritisch. Wenn beispielsweise zigtausende Erntehelfer in der Spargelsaison eingeflogen werden, aber bei geschlossenen Grenzen die Aufnahme weniger Flüchtlinge heiß diskutiert werde.

Despoten, Rassisten, Verschwörungstheoretiker, stockende Digitalisierung, mangelnde Solidarität: Das alles habe es schon vor der Krise gegeben. Viele Missstände würden nun deutlicher sichtbar.

Auftretende Pandemien seien nicht die Katastrophen an sich, sondern "Verstärker, Katalysator". Die Botschaft, dass sich vieles verändern werde und wir es beeinflussen können, ist ihm wichtig. "Wir sollten was vorher schon scheiße war nicht mehr machen", sagt Jochimsen und wünscht sich, "ein bisschen von der Solidarität zu retten".

Dass trotz der Krise noch gelacht werden kann und darf, dafür sorgt er allen kritischen Gedanken zum Trotz: Mit treffsicheren Pointen, mit Gedichten und Texten oder durch Lieder mit Akkordeon- und Gitarrenbegleitung. Den Blick für komische Motive beweisen zwei Fotoschauen seiner Streifzüge durch deutsche Städte. Nach gut 90 Minuten die Erkenntnis: Live-Kabarett im Autokino funktioniert und trotz Kontaktverbot sind gemeinsame Kulturerlebnisse möglich.

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