Jetzt gibt es ordentlich Saures!

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Das Johannisbeer-Chutney von Claudia Fuchs, Kreisvorsitzende LandFrauen Aalen / Ostalb. Foto: Werner Volmari
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Warum sie nicht nur lecker, sondern auch sehr gesund sind und wie das Superfood in den eigenen Garten kommt. Außerdem: Dieser Jo-Jo-Effekt schmeckt.

Aalen

Jetzt geben sich alle ordentlich Saures! Die Ernährungsberaterin tut es, auch die Gartenexpertin, ebenso zwei Genießer vom Fach: bei Johannisbeeren gehen die Daumen durchweg nach oben. Die Träuble, Ribisel oder wie immer man die kleinen Beeren auch nennt, sie können auf allen Gebieten ordentlich punkten. Denn sie sind gesund, man kann sie problemlos im eigenen Garten anbauen, „und sie schmecken vor allem einfach herrlich“, heißt es unisono bei den Fachleuten, die für „Oschtalbkoscht & Heimatluscht“ ihre besten Tipps rund um das Sommerobst verraten.

„Das kann auf jeden Fall mehr als Marmelade“, sagt Claudia Fuchs und schlägt prompt eine Zubereitung in die entgegengesetzte Geschmacksrichtung vor. Für ihr Chutney nimmt die Kreisvorsitzende der Landfrauen Aalen/Ostalbkreis rote und/oder schwarze Johannisbeeren. „Mit Zucker einkochen und mit Pfeffer, Zimt, Nelken und einem Schuss Essig abrunden“, fasst sie das Rezept kurz zusammen. Die eingedickte Soße serviert Claudia Fuchs etwa zu Käse, Fleisch- und Wildgerichten. Auch manches Salatdressing verfeinert sie damit. In Gläsern abgefüllt, so die Erfahrung der Landfrau aus Neuler-Gaishardt halte sich das Chutney durchaus bis zur nächsten Beerensaison.

Ganz bestimmt schneller weg ist die Torte, bei der Harry Ulrich voll auf den Jo-Jo-Effekt setzt. Gemeint ist das Zusammenspiel von roten Johannisbeeren und Joghurt, für den Aalener Konditormeister „das absolute Dreamteam für leichten und fruchtigen Genuss.“ Die Zubereitung sei einfach, ermuntert er auch wenig Backerfahrene. Der Ofen bleibt komplett aus, das freut an heißen Tagen wie diesen ganz besonders. Der Experte verspricht: „Über Nacht wird das Geschmackserlebnis im Kühlschrank perfekt!“

Da die Johannisbeeren quasi vom Strauch weg in die Torte kommen, hat der Genuss auch noch was Gesundes. „Denn je weniger man sie bearbeitet, desto mehr bleibt von den Inhaltsstoffen“, sagt Lucia Haldenwang, Ernährungsfachkraft bei der AOK Ostwürttemberg. Und da haben es die Früchtchen durchaus in sich, „die schwarzen immer mehr als die roten oder weißen“, so die Diplom-Ökotrophologin. Als Beispiele nennt sie:

Vitamin C: Laut Lucia Haldenwang haben schwarze Johannisbeeren davon fünfmal so viel wie die hellen Sorten. Eine kleine Portion (50 g) reiche demnach aus, um den Tagesbedarf an diesem Vitamin zu decken und somit das Immunsystem optimal zu stärken. Weiteres Plus: „Der Körper kann den hohen Eisengehalt der Beeren in Kombination mit dem Vitamin C super verwerten“, erklärt die Expertin. Ihr besonderer Tipp: „Schwarze Johannisbeeren sind daher auch für Vegetarier und Veganer eine gute Eisenquelle.“

Sekundäre Pflanzenstoffe: „Sie wirken entzündungshemmend und können zellschädigende Stoffe abwehren“, sagt die Fachfrau. Dadurch werde ihnen ein Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch vor Krebserkrankungen und Rheuma zugeschrieben.

Ballaststoffe: „Diese haben eine positive Wirkung auf den Blutzucker- und Cholesterinspiegel“, lobt die Ökotrophologin.

Zusammengefasst sind Johannisbeeren für die Ernährungsexpertin ein „regionales Superfood.“ Wie man sich das in den eigenen Garten holen kann, erfährt man bei Christiane Karger, Kreisfachberaterin für Obst- und Gartenbau am Landratsamt Ostalbkreis.

Frau Karger, wachsen Johannisbeeren überall auf der Ostalb gleich gut?

Christiane Karger: Johannisbeeren sind normalerweise unkompliziert. Bei sehr schweren tonigen Böden sollte man die Sträucher eventuell auf einen kleinen Wall setzen, damit sie keine Staunässe abbekommen. Sie sind alle Flachwurzler, daher rate ich, dass man den Boden dauerhaft mit Grasschnitt oder Stroh mulcht, so heizt er sich nicht so auf und verdunstet weniger Wasser.

Kann man nach der Ernte die Sträucher sich selbst überlassen oder fallen aktuell Arbeiten an?

Damit der Ertrag stimmt, sollte man die Johannisbeeren jedes Jahr schneiden. Das kann man jetzt nach der Ernte machen, aber auch im Frühjahr, wenn die Fröste vorbei sind. Dabei ist wichtig, dass man nur kräftige Triebe belässt, die gut am Strauch verteilt sind, aufrecht und nicht krumm wachsen und sich nicht überkreuzen.

Mit Krankheiten muss man an den Sträuchern nicht rechnen?

Das Hauptärgernis sind Läuse, die kann man leicht erkennen, wenn man die Blätter umdreht. Ein probates Mittel dagegen ist die Brennnesseljauche. Bei der schwarzen Johannisbeere kann auch der Mehltau ein Thema sein. Hier mein Tipp, dass man Triebspitzen kurz vor dem Austrieb abschneidet und entsorgt, da der Mehltau dort überwintert. Auch die Johannisbeergallmilbe kommt gelegentlich vor.

Rezepte

Johannisbeer-Chutney

Ein Rezept von Claudia Fuchs,

Kreisvorsitzende der LandFrauen Aalen/Ostalb

Zutaten:

2 Kg rote oder schwarze Johannisbeeren

1 Kg Zucker

1 EL Zimt

2 TL Nelkenpulver

1 TL Pfeffer

250 ml Weinessig (5% Säure)

Zubereitung:

Johannisbeeren waschen und entstielen. Dann in einem Topf mit den übrigen Zutaten mischen und etwa 20 Minuten kochen, dabei gelegentlich umrühren. Danach in saubere Gläser abfüllen und gut verschießen.

Tipp: Wenn Sie für Ihr Chutney eine festere Konsistenz möchten, dann einfach die Kochzeit um etwa 5 Minuten verlängern.

Jo-Jo-Torte

Ein Rezept von Harry Ulrich

Zutaten für Springform, ca. 26 cm Durchmesser

für den Boden:

300 g Butterkekse

50 g Butter

Zimt

ca. 60 ml Wasser

für die Füllung:

500 g rote Johannisbeeren

500 g Quark (40%)

200 g Naturjoghurt

300 g Kirschjoghurt

100 g Zucker

1 Zitrone

25 g Gelatine

für das Finish:

1 Päckchen Tortenguss, rot

gehackte Pistazien

Kühlzeit für die Torte:

über Nacht im Kühlschrank

Zubereitung:

Boden:

Kekse zu gleichmäßigen Bröseln zerkleinern. Butter fast flüssig machen, mit Zimt vermengen und unter die Brösel mischen. In die Masse nach und nach immer eine kleinen Menge Wasser einarbeiten, bis eine Art Teig entstanden ist. Diesen auf dem Boden der Springform gleichmäßig andrücken.

Füllung:

Johannisbeeren waschen, abtropfen lassen, von den Rispen zupfen.

Quark, Natur- und Fruchtjoghurt mit Zucker vermengen. Abgeriebene Schale und Saft der Zitrone zugeben. Gelatine nach Packungsangabe zubereiten und zügig unter die Joghurtmasse ziehen. Diese auf dem Keksboden verstreichen, darauf die Johannisbeeren verteilen. Die Torte kurz in den Kühlschrank stellen, bis das Finish zubereitet ist.

Finish:

Tortenguss (wie auf dem Päckchen angegeben) kochen. Torte aus dem Kühlschrank holen und den flüssigen Guss gleichmäßig darauf verteilen. Pistazien aufstreuen, dann die Torte wie genannt kühlen.

Die Johannisbeere hat ganz schön etwas auf dem Kasten. Sie ist gesund und schmeckt in vielen Varianten, nicht nur als Marmelade. Foto: Werner Volmari
Die Johannisbeertorte von Harry Ulrich. Foto: Werner Volmari

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