Junge Leute sparen in Bus und Bahn

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Der Weg zur Schule, zur Ausbildung, zur Arbeit oder auch in die Freizeit mit der Bahn oder - wie hier - mit dem Bus wird mit dem Jugendticket ab 1. März 2023 billiger. Archivfoto: opo
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Das „landesweite Jugendticket“ für 365 Euro pro Jahr ersetzt ab 1. März 2023 auch die 440 Euro teure Schülerbeförderung im „OstalbAbo“. Teurer werden „OstalbMobil“-Einzelfahrten.

Aalen

Mobilität stand im Mittelpunkt der Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung am Dienstagabend in Aalen. Das Wichtigste: Der Landkreis führt zum 1, März 2023 das landesweite Jugendticket ein, bei „OstalbMobil“ steigt der Preis für Jedermann-Einzeltickets und der Landkreis beteiligt sich an der Untersuchung „Mobilität in Deutschland“.


Landesweites Jugendticket: Der Ostalbkreis wird das landesweite 365-Euro-Jugendticket zum 1. März 2023 einführen. Der Kreistag muss noch zustimmen, dann wird die Kreisverwaltung alle nötigen Aufgaben hierzu auf den Weg bringen. Die Zustimmung ist nur noch Formsache, denn die Fraktionen im Ausschuss begrüßten die Initiative einhellig.

Bereits im September 2021 von der Landesregierung angekündigt, wird das Jugendticket nun realisiert. Für einen Euro am Tag können junge Leute bis 21 Jahren und gar bis 27 Jahren in Ausbildung oder Studium damit den ÖPNV landesweit rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr nutzen. Verkehrsverbünde müssen die jeweiligen 365-Euro-Jugendtickets anderer Verkehrsverbünde anerkennen.

Im Ostalbkreis führt die Einführung zudem zu einer Absenkung des Eigenanteils beim „OstalbAbo“ von aktuell 460 Euro auf 365 Euro - also um 95 Euro im Jahr. „Es wäre rund 15.000 eigenanteilspflichtigen Fahrschülerinnen und Fahrschülern sowie 30.000 Eltern im Ostalbkreis kaum vermittelbar, würde im Ostalbkreis dieses Angebot nicht vorgehalten“, so die Argumentation der Kreisverwaltung.

Gleichwohl bringe die Einführung des Jugendtickets für die Verwaltung und den Verkehrsverbund „OstalbMobil“ eine ganze Reihe organisatorischer und finanzieller Herausforderungen mit sich, wie Dezernent Thomas Wagenblast aufzeigte. Bei der Finanzierung trägt das Land 70 Prozent und die Kreise 30 Prozent der Kosten.

Aktuell rechnet der Ostalbkreis mit Kosten von 1,74 Millionen Euro pro Jahr sollte das Ticket keine neue Nachfrage im ÖPNV generieren. Bei einer Nachfragesteigerung von zehn Prozent mehr lägen die Kosten für den Kreis bei 1,62 Millionen Euro, bei einer Nachfragesteigerung um 20 Prozent bei 1,45 Millionen Euro und bei einer Nachfragesteigerung um 30 Prozent bei 1,29 Millionen Euro. 2023 ist im Haushalt ein Betrag von 1,45 Millionen Euro (ab 1. März 2023) zusätzlich zu veranschlagen.


„OstalbMobil“-Tarife: Alljährlich legt der Kreistag die „OstalbMobil“-Tarife fest. Die letzte Preiserhöhung war am 1. August 2021 im Umfang von zwei Prozent. Inflation und vor allem explodierende Dieselpreise werden nun als Argumente für eine Erhöhung angeführt. Vorgeschlagen wird eine Tariferhöhung von „OstalbMobil“ in Höhe von 4,997 Prozent zum 1. August dieses Jahres. Der Landkreis rechnet mit rund 150.000 Euro je Prozentpunkt Abgabepreiserhöhung.

Aktuell subventionieren Land und Bund (Rettungsschirm) hier noch die Linienbetreiber. Subunternehmer, Schülerverkehre im freigestellten Linienverkehr und Taxis gehen aber leer aus. Daher soll zugleich von kommunaler Seite ein Beitrag zu einem ÖPNV-Stützungspakt auf den Weg gebracht werden. Ein Beitrag werde gerade erarbeitet, hieß es in der Sitzung.

Die Preise steigen: Einzelne Fahrkartensortimente, insbesondere im Einzelfahrscheinbereich und Einzelkauf steigen etwas deutlicher an als andere. Zeitkarten steigen weniger, auch aufgrund der Landesvorgaben. Der Fahrpreis für rabattierte und im Barverkauf veräußerte Einzelfahrscheine erhöht sich um je zirka 5,1 Prozent (Kinder um 4,07 Prozent) beziehungsweise rabattiert um 5,34 Prozent. Die Abo-Preise und bar verkauften Monatskarten Erwachsene erhöhen sich durchschnittlich um 5,41 Prozent beziehungsweise im Abo um 5,20 Prozent. 23 Prozent Rabatt gibt es bei Bezahlung mit der Chipkarte.

Bei Zeitkarten im Ausbildungsverkehr wird der gegenüber Monatskarten für Erwachsene gesetzlich erforderliche Rabatt von 25 Prozent eingehalten.

Die Orts- und Stadttarife wurden in analoger Höhe angepasst.

Die Eigenanteile in der Schülerbeförderung in Höhe von 46 Euro (zehn Monate/Jahr) wurden zuletzt 2018 überdurchschnittlich angepasst, wodurch diese landesweit im Mittelfeld seien. Wegen der Einführung des landesweiten Jugendtickets für 365 Euro erübrige sich eine Erhöhung des Eigenanteils, hieß es.

Für 2022 ist im Haushaltsplan ein Betrag von 9,937 Millionen Euro veranschlagt. Die Höhe der Eigenanteile bei der Schülerbeförderung beträgt seit 2018 rund sieben Millionen Euro und bleibt unverändert.


Studie: Der Ostalbkreis beteiligt sich an der Untersuchung „Mobilität in Deutschland“. Der Beschluss fiel einstimmig. Die Verwaltung wurde ermächtigt, hier eine „Vertiefungsstichprobe“ in Auftrag zu geben.

Die Befragung (150 000 Haushalte) ist die bedeutsamste, regelmäßig laufende bundesweite Untersuchung von Haushalten hinsichtlich ihres alltäglichen Mobilitätsverhaltens (letztmals 2017). Abgefragt werden beispielsweise Wegzweck, Weglänge, Wegdauer oder Mobilitätsoptionen (Pkw, ÖPNV, Rad etc.) Auch Car-Sharing, Elektromobilität oder die Digitalisierung werden abgebildet.

Gewonnene Erkenntnisse lassen sich aber nur begrenzt scharf auf unterschiedlichste Räume, wie etwa den Ostalbkreis, herunterbrechen. Die Ostalb will es aber genau wissen, um beim Thema Verkehr besser planen zu können, und lässt im Rahmen der Studie 2023 eine regionale Vertiefungsstudie entwickeln.

Regionale Stichproben haben eine Mindestgröße von 1000 Haushalten. Jede von einem Dienstleister vorgenommene Haushaltsbefragung kostet 58,50 Euro (netto). Insgesamt ergeben sich so Kosten von rund 70 000 Euro (brutto). Das Land fördert zu 50 Prozent.

Der Ostalbkreis hat bereits Kontakt zum Dienstleister „infas-institut“ aufgenommen und wird, sofern der Kreistag zustimmt, diesen mit einer Befragung beauftragen. Befragungen sind für das Gesamtjahr 2023 vorgesehen, verwendbare Ergebnisse lägen dann Ende 2024 vor. Kosten wird dies den Kreis rund 35.000 Euro.

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