Junges Ensemble spielt Alte Musik

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"4 Times Baroque" zu Gast in der Villa Stützel.

Frisch, furios und überaus virtuos präsentiert das Alte-Musik-Ensemble "4 Times Baroque" in der Villa Stützel in Aalen barocke Kammermusik. Leger in Outfit und Auftritt wirken die vier jungen Herren aus Frankfurt eher wie Popstars. Und vielleicht sind ihre Interpretationen auch deshalb so aufregend unangepasst, dass die Zuhörer am Schluss gar nicht mehr gehen wollen?

Jan Nigges (Blockflöte), Jonas Zschenderlein (Violine), Karl Michael Simko (Barockcello) und Alexander von Heißen (Cembalo) widmen sich in ihrem Programm vor allem italienischen Komponisten. Antonio Vivaldis Concerto "La Notte" bringt die Schrecken der Nacht zum Klingen. Schroff und kantig setzen die Musiker die Punktierungen in der langsamen Einleitung. Virtuos schlängelt sich die Blockflöte durchs nächtliche Geschehen.

Immer wieder überraschen die Instrumentalisten durch unerwartete Tempo- und Stimmungswechsel. Genüsslich dehnen sie die Pausen, um im nächsten Moment erneut ein rasantes Spukgewitter zu entfesseln – eine Funken sprühende Interpretation.

Ein Lieblingsstück der Blockflötisten ist Arcangelo Corellis Sonate "La Follia". Wenn man Jan Nigges zuhört, versteht man auch, warum. Die Variationen über ein Thema sind so überaus kunstvoll wie farbig komponiert. Nigges lotet den Wechsel der langsamen und schnellen Passagen extrem aus. Lässt den Flötenton klagen und beben durch schmeichelnde Flattements, um dann wieder davonzustürmen mit dieser rekordverdächtigen Fingerfertigkeit, die allen Mitgliedern von "4 Times Baroque" zu eigen ist.

Nigges ist nicht nur glänzender Flötist, sondern auch unterhaltsamer Moderator. Er kennt sich aus im London des 18. Jahrhunderts, als jeder, der was auf sich hielt, eine Flöte in der Jackentasche dabei hatte. Nicht umsonst nannte man sie "the gentleman's flute". Dort wirkte der italienische Komponist Guiseppe Sammartini. In der Triosonate für Violine und Blockflöte zeigen Nigges und Jonas Zschenderlein Virtuosentum im Doppelpack. Die Chaconne von Tarquinio Merula eröffnen die vier mit schwungvollem Gesang, ehe sie zu ihren Instrumenten greifen. Kein Wunder, dass die Zuhörer hin und weg sind.

Das Konzert fand als Benefizveranstaltung des Lions Clubs Aalen statt. Präsident Dr. Ralf Kurek warb um Spenden für das Projekt "Perspektiven für ein besseres Leben in Togo". Damit werden in dem westafrikanischen Land neue Schulen gebaut, Lehrer und Lernmittel finanziert.

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