Kakis und Kakteen vom Riesrand

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Gärtner Hans Graf aus Röttingen hat sich auf exotische Pflanzen spezialisiert. Wie man die bekannten und unbekannten Gewächse zu Hause anpflanzen und kulinarisch verarbeiten kann.

Lauchheim-Röttingen

In dem kleinen Dorf Röttingen am Rande des Rieskraters ist das Klima rau. Etwas außerhalb des Orts, inmitten der Heiden, die so typisch für die Region sind, ist die Gärtnerei von Hans Graf ein Blickfang. Dort stehen zwei große Gewächshäuser, gesäumt von Palmen und Sträuchern im Außenbereich. Hans Graf züchtet dort hauptsächlich Kakteen und andere exotische Gewächse. Unter den hunderten Pflanzenarten, die dort wachsen, sind auch viele, die man auf dem Teller genießen kann. Einige davon stellt Hans Graf bei einer kulinarischen Führung durch seine Gärtnerei vor.

Graf ist schon seit vielen Jahrzehnten Gärtner. Vor gut zwei Jahren öffnete er seine Gärtnerei in Röttingen. Spezialisiert hat er sich auf die Kakteenzucht. Dennoch wachsen neben den stachligen Gewächsen viele andere Pflanzen auf dem Gelände. "Die Sachen zum Essen sind aber eher so eine Spielerei von mir", sagt Graf. "Sie machen etwa ein Prozent des Umsatzes aus."

Eines vorweg: Es gibt auch Kakteen, die genießbare Früchte tragen. "Man kann mehr essen, als man denkt", sagt Graf. Da ist zum Beispiel der sogenannte Igelsäulenkaktus. Noch trägt er Blüten, ab August kann man die roten, dornigen Früchte dann ernten. "Die schmecken ein bisschen so wie Kiwis", sagt Graf. Auch andere Kakteen ließen sich verarbeiten, zum Beispiel zu Marmelade. Und sie seien gesund. "Sie enthalten viele Schleimstoffe, die sind gut für den Magen", so Graf.

Weil das Auge mit isst, sind bei den Kunden vor allem die sogenannten Redlove-Äpfel beliebt. Ihren Namen verdanken sie ihrem rötlichen Fruchtfleisch. Sie haben einen leicht säuerlichen Geschmack und kämen wegen ihrer auffälligen Farbe vor allem bei Kindern gut an, die Blüten seien ebenfalls sehr schön. Trotz ihres extravaganten Aussehens seien sie genauso robust wie gewöhnliche Apfelsorten. Und: Sie können auch für Allergiker genießbar sein. "Ich sage nicht, dass diese Äpfel keine Allergien auslösen können", sagt Graf. Doch es sei eine Sorte, die Allergiker allemal probieren könnten.

Auch verarbeitet müssen die roten Äpfel ein Hingucker sein: "Wenn man daraus Apfelkompott macht, verfärbt es sich nicht braun, sondern bleibt genauso schön rot."

In Grafs Garten wachsen jedoch nicht nur ungewöhnliche Exoten. Auch Obst, dass man aus dem Supermarkt kennt, ist dort zu finden. Der Laie kommt wohl nicht auf die Idee, dass diese Pflanzen auf der rauen Ostalb überleben können. Doch Hans Graf zeigt, dass es geht – und dafür brauche man nicht einmal ein Gewächshaus. Kaki, Zitronen, oder sogar Bananen kann Graf unter anderem in seinem Garten ernten.

Ob man solche Exoten auch als Hobbygärtner im eigenen Garten anpflanzen kann? "Ja klar", sagt Graf. Was man dafür vor allem braucht, so bekommt man den Eindruck im Gespräch mit dem passionierten Gärtner: Geduld und Gelassenheit. "Wenn mal eine Pflanze im Winter abstirbt, dann ist das ja nicht schlimm", sagt er. Im nächsten Jahr könne man es ja noch einmal versuchen.

Man kann mehr essen, als man denkt.

Hans Graf Gärtner

Ein bisschen Pflege ist selbstverständlich dennoch nötig. "Es kommt natürlich immer auf die jeweilige Pflanze an", sagt Graf. "Einem Zitronenbaum machen ein, zwei Grad Minus nichts aus", sagt Graf.

Bei seiner Japanischen Faserbanane ist schon etwas mehr Pflege nötig, um die Pflanze sicher durch den Winter bringen zu können. Erst schneidet Graf die Pflanzen schräg ab. Anschließend wird ein Kompostgitter umgelegt, an diesem befestigt Graf wiederum Styroporplatten. Anschließend füllt er den Kasten mit trockenem Laub auf. Schließlich deckt er mit einer weiteren Styroporplatte den Kasten zu. Damit das Laub trocken bleibt, wird eine Folie auf den Kasten gelegt. Beachtet man diese Hinweise, könne die Bananenstaude über die Jahre eine Höhe von bis zu drei Metern erreichen.

Experimentieren ist wichtig

Nichtsdestotrotz haben schon kleine Klimaunterschiede einen Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen. In der Senke, in der Graf seine Gärtnerei betreibt, sei es allgemein ein wenig kälter. Ein paar Straßen weiter, bergaufwärts, wohnt Hans Graf. "Da kommen die Exoten schon ein bisschen besser zurecht", erzählt er. Und so blüht, wo andere einen Apfelbaum stehen haben, in Hans Grafs Vorgarten ein etwa zwei Meter großer Bitterorangenbaum.

Graf experimentiert nicht nur im Garten, sondern auch in der Küche. Die geernteten Früchte, seine "Spielerei", müsse er ja auch verarbeiten. "Ich probiere aus den Sachen, die ich habe, was zu machen", sagt Graf.

So zum Beispiel mit seinen Bitterorangen. "Da habe ich sehr lange rumprobiert, bis ich eine Marmelade hingekriegt habe, die mir persönlich gut geschmeckt hat." Das Experimentieren hat sich gelohnt: Die Marmelade schmeckt erfrischend, herb und süß gleichzeitig. Mit einem kleinen Einwand teilt der bescheidene Gärtner sein Rezept: "Man muss eben selbst so lange rumprobieren, bis es den persönlichen Geschmack trifft."

Am Ende seiner Führung gibt Graf noch Tipps für den heimischen Gartenbau. Für die Optik sollte man sich vor dem Pflanzen eines Baumes Gedanken machen. "Ein großer Apfelbaum in einem kleinen Garten sieht nicht gut aus." Und: "Die Mischung macht's!" Graf interessiert sich ebenfalls sehr für Heilpflanzen. Er rät, eine bunte Mischung aus Obstpflanzen, Kräutern und Zierpflanzen anzubauen.

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