Katastrophenschutz: Vorbereitung auf den Ernstfall

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Sirenen für den Katastrophenschutz
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Hochwasser, Starkregen, Katastrophenfall: Wie die Kreisverwaltung und die Kommunen auf diese Ereignisse vorbereitet sind.

Aalen

Eine vollgelaufene Unterführung in Schwäbisch Gmünd kostete 2016 zwei Menschenleben. In Niederalfingen hat ein Unwetter vor fünf Jahren für heftige Überschwemmung und erhebliche Schäden gesorgt. Was passiert bei Starkregenereignissen oder einem Hochwasser im Ostalbkreis? Damit beschäftigten sich die Mitglieder des Ausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung am Dienstag.

Den Katastrophenfall kann man nicht immer vorhersehen. Vor allem Starkregen tritt plötzlich auf. „Wir müssen im Vorfeld alles dafür tun, damit wir gut vorbereitet sind. Am schlimmsten wäre ein organisatorischer Fehler“, sagte Landrat Dr. Joachim Bläse.

Die Ursachen: Gründe für Hochwasser sind laut Bettina Seifert, Leiterin des Geschäftsbereichs Wasserwirtschaft, Klimaveränderungen, die Flächenversiegelung, die Errichtung von Häusern und Gewerbegebieten in Überschwemmungsgebieten und der Verlust von Ausweichflächen für das Gewässer.

Die Gefahren: Zu einer Überflutung führen könnten wild abfließendes Hangwasser, überlaufende Gewässer und Rückstau aus der Kanalisation, sagte Seifert. Im Ostalbkreis befinden sich laut Hochwassergefahrenkarte 8000 Einwohnerinnen und Einwohner und 142 Hektar Siedlungsfläche in einem Risikogebiet. Damit in den Gebieten möglichst wenig Schaden entsteht, gebe es ein Hochwasserrisikomanagement. Der Grundsatz: „Es soll möglichst wenig passieren.“ Denn auch mit einem technischen Hochwasserschutz sei keine absolute Sicherheit möglich, sagte Seifert.

Starkregen: Wichtig sei, dass Starkregen nicht mit Hochwasser gleichgesetzt werde, betonte sie. „Starkregen fällt in kurzer Zeit, ist lokal begrenzt und man kann kaum einen genauen Ort und Zeitpunkt vorhersagen.“ Durch die Klimakrise könnten solche Ereignisse häufiger auftreten.

Der Schutz: Vor Hochwasser schützen im Ostalbkreis laut Vorlage 40 Hochwasserrückhaltebecken. Hochwasserrisikokarten zeigen, wo das Wasser steigen könnte und ob sich dort Schützenswertes befindet, etwa Häuser, Badestellen, Kulturgüter oder Gewerbegebiete. Zudem werden die Pegel von Jagst, Kocher und Rems an die zuständigen Stellen gemeldet und die Hochwasservorhersagezentrale schlägt bei Bedarf Alarm. In Gmünd greife im Fall eines Starkregenereignisses das Strakregenkonzept. Die Stadtverwaltung Aalen wolle dies 2022 erarbeiten. Die Kreisverwaltung arbeitet in einer Arbeitsgruppe an einer „Anleitung“ für Kommunen, die definiert, was bei Hochwasser & Co. zu tun ist. Bei einem Großschadensereignis springt die Kreisverwaltung mit einer Art Krisenstab ein.

Die Warnung: Wie sollen Bürgerinnen und Bürger mitbekommen, dass sie evakuiert werden müssen oder ein Hochwasser droht? „Mit Sirenen“, sagte Kreisbrandmeister Otto Feil. „Die Bevölkerung muss durch die Sirene aufwachen und kann sich dann mit Hilfe der App 'Nina' oder im Radio informieren, was zu tun ist.“ 22 Sirenen gebe es im Ostalbkreis. Genutzt werden könnten diese nicht, da sie nicht mit Notstrom funktionieren, wie Feil sagte. 6000 bis 8000 Euro koste eine Sirene, Tendenz steigend, bilanzierte der Kreisbrandmeister. Für die Anschaffung gebe es ein Förderprogramm. Ein Ingenieurbüro prüfe momentan, wo es im Kreis Sirenen braucht. „Sie warnen im Radius von 2,5 Kilometern“, sagte Feil. Wichtig sei, dass die Bevölkerung selbst aktiv mitarbeite, betonte er. Jeder müsse überlegen, wie das Haus vor Hochwasser geschützt werden kann.

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  • Der Landrat entscheidet
  • Was ist eine Katastrophe? „Ein Geschehen, das Leben oder Gesundheit zahlreicher Menschen, die Umwelt, erhebliche Sachwerte oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung in so ungewöhnlichem Maß schädigt oder gefährdet, dass es geboten erscheint, ein zu seiner Abwehr und Bekämpfung erforderliches Zusammenwirken von Behörden, Stellen und Organisationen unter die einheitliche Leitung der Katastrophenschutzbehörde zu stellen“, sagte Thomas Wagenblast, Leiter des Dezernats für Ordnung, Verkehr und Veterinärwesen. Ob eine Katastrophe vorliegt, entscheide der Landrat.
  • Der Ostalbkreis verfügt laut Vorlage über sechs Katastrophenschutzzüge der Feuerwehr, 4 Einsatzeinheiten Sanitätsdienst, 1 Teileinheit Wasserrettung, 2 Bergwachten, 2 Kreisauskunftsbüros, 3 Gliederungen Notfallseelsorger, Rettungshundestaffeln.

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