Katerstimmung bei den Brauereien

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„Die Situation in den Brauereien sieht dramatisch aus“
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Geschlossene Kneipen, abgesagte Feste, keine Treffen im Freundeskreis. Heimische Brauereien beklagen dramatische Absatzeinbrüche - Die Hoffnung auf eine Besserung bleibt vage.

Aalen

Kein Prosit der Gemütlichkeit für die Brauereien: Die Corona-Beschränkungen treffen sie mit ganzer Härte. Ihr Absatz stürzt ab. Abgelaufenes Bier im Wert von vielen Millionen Euro musste vernichtet werden – das schrieben 300 deutsche Brauereien unlängst in einem offenen Brief. Auch auf der Ostalb ist die Lage prekär und eine Besserung weit und breit nicht in Sicht. Die wenigsten glauben, dass die Geschäfte jemals wieder so gut laufen werden wie vor Corona.

„Die Situation in den Brauereien sieht dramatisch aus“, sagt Albrecht Barth von der Aalener Löwenbräu, der auch stellvertretender Landesobermeister der privaten Brauer in Baden-Württemberg ist. Im Land ist der Bierabsatz im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 26,7 Prozent eingebrochen. Kein Wunder. „Die ,Trinkanlässe’ für Bier fehlen durch die Coronabeschränkungen“, so drückt es Alexander Veit von Ellwanger Rotochsen-Brauerei aus.

So ist die Gastronomie als Abnehmer im November zum zweiten Mal komplett ausgefallen: „Diese Kunden werden teilweise Existenzprobleme haben“, fürchtet Christoph Hald von der Härtsfelder Brauerei aus Dunstelkingen. Dass Fassbier gleichsam über Nacht zum wertlosen Ladenhüter geworden ist, liegt aber nicht nur an geschlossenen Restaurants, Kneipen und Diskotheken. „Auch die Vereinsheimgastronomie ist ein nicht unerheblicher Absatzmarkt“, sagt Albrecht Barth aus Aalen: „Deren Schließung trifft uns mit ziemlicher Wucht.“ Keine Vereinsfeste mehr. Garnituren, Kühlwagen und Pavillons, die Brauereien erst neu angeschafft haben, stehen seit anderthalb Jahren ungenutzt herum. „Das tut uns in der Seele weh“, so Barth.

Thomas Mayer von der Hirschbrauerei Heubach zählt noch mehr solcher ausgefallenen „Trinkanlässe“ auf: „Das Bierchen nach oder während eines Fußballspiels, die Skat-Runde, die Musikprobe der Blaskapelle, das Frühlingsfestle, das Grillen mit den Nachbarn und so weiter.“ Und was das bedeutet: „Unser Absatz hat sich derzeit leider nur auf circa 60 bis 70 Prozent des zeitlich vergleichbaren Absatzes vor der Corona-Pandemie eingependelt.“

Viele setzen auf Kurzarbeit

Was steigt, ist der Absatz von Bier im Lebensmittel- und Getränkehandel. Hier, beobachtet Alexander Veit aus Ellwangen, greifen die Menschen sogar vermehrt zu regionalem Bier. Bei der Löwenbrauerei Wasseralfingen hat sich der Trend vom Fassbier zum Flaschenbier „in einer zeitweise etwas angespannten Leergutsituation“ geäußert. „Doch haben wir unsere Leergut-Bestände in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut, sodass wir damit trotzdem ganz gut klargekommen sind“, sagt Geschäftsführer Timo Löffler. „Bislang“, so Löffler über die Folgen der Krise, „konnten wir gemeinsam mit der Belegschaft einen guten Weg finden, der Situation ohne Personalabbau und ohne Kurzarbeit oder andere staatliche Hilfen zu trotzen.“ Die meisten Brauereien setzen indes auf die Möglichkeit der Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden.

Auch werden Mitarbeiter anderweitig beschäftigt, etwa beim Bau einer neuen Heizungsanlage in der Rotochsenbrauerei. Bei Heubacher wird an vier statt fünf Tagen ausgeliefert, auch die Produktion wird zeitlich zusammengelegt. Während Gastronomen bereits staatliche Hilfen erhielten, können Brauereien erst seit Kurzem auf staatliche Überbrückungshilfe als Ersatz für das vernichtete Bier hoffen.

Teils zehren die Brauer von der Zeit zwischen den Lockdowns; „Die Sommermonate 2020 waren für unsere Bier-Mischgetränke im Flaschenbereich von Vorteil, hier haben wir im Privatgeschäft und Heimdienst wie auch im Getränkehandel und Lebensmittelhandel positive Umsätze erzielen können“, sagt Christoph Hald von Härtsfelder. Albrecht Barth aus Aalen wirft seine hochmoderne Abfüllanlage auch für andere Brauereien an und übernimmt für sie die Zentralbeschaffung von Leergut: „Wir wandeln uns von einer kleinen Familienbrauerei zum Dienstleister für Lohnbrauen und Lohnabfüllung.“

Volksfeste? Keine Chance

Auf schnelle Impfungen hoffen alle. Vielleicht öffnet wenigstens die Außengastronomie zum Sommer wieder? „Die Feste werden mangels Planungssicherheit und auf Grund der fehlenden Vorlaufzeit für die notwendigen Vorbereitungen vermutlich aber erst im kommenden Jahr wieder durchgeführt werden können“, sagt Timo Löffler aus Wasseralfingen. Auf die großen Volksfeste – Ipfmesse, Reichsstädter Tage – hofft für 2021 kaum jemand, eher noch auf kleinere Feste. Die meisten fürchten: Es wird nie mehr so werden wie vor der Krise. Laut dem Branchenportal „Getränke News“ ist der Biermarkt in den vergangenen 25 Jahren fast um ein Viertel geschrumpft. An diesem Trend wird auch die Rückkehr zur Normalität nichts ändern: Das Geschäft mit dem Durst bleibt schwierig.

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