Klangfest für Freiheit und Demokratie

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Politisch-hintergründig, bunt und vor allem enthusiastisch war das Programm, das der Dirigent und Arrangeur Markus Romes zusammengestellt hatte.

Mehr als 140 Profis und Amateure aus allen Kontinenten und allen Generationen bieten Chorgesang, Weltmusik, Theater und Tanz über die Kunst demokratischen Lebens.

"Nicht für einen Winkel bin ich geboren, mein Zuhause ist diese ganze Welt" – Seneca hätte sich gefreut, hätte er beim "Internationalen Klangfest" in der Aalener Stadthalle die Musiker und Schauspieler um Markus Romes sowie so viele begeisterte Zuschauer im Bekenntnis "Wir sind ein Volk" beisammen gesehen. Politisch-hintergründig, bunt und enthusiastisch war das Programm, das Romes zusammengestellt hatte. Kritisch zeigten sich viele Liedtexte. Gut, dass sie umfangen waren von der Idee einer sphärischen Harmonie, von der Mission, zu zeigen, dass Demokratie nicht einfach "ist", sondern gelebt werden muss.

Kritische Töne schlug Romes zu Beginn an, fragte, wie viel Toleranz man intoleranten Menschen entgegenbringen müsse. "Unsere Demokratie als Basis für Recht und Kultur" sei ein Geschenk, das man immer wieder feiern dürfe. Und so feierte Romes in Aalen ein ästhetisches Fest der Freiheit! Denn er wollte mit seinen Liedern, Arrangements und Choreographien vor allem ein gutes Gefühl für die beste Staatsform kreieren.

In Erinnerung an die 600 Kilometer lange Menschenkette, die dem Baltikum Ende des 20. Jahrhunderts friedlich das Ende des Sowjetregimes geschenkt hatte, setzte Romes "Manai Dzimtenei – meine Heimat" an den Beginn des Abends. In schönem Fluss zelebrierte das ungewöhnliche Orchester aus östlichen und westlichen Instrumenten, aus Percussion, Bläsern und Saiteninstrumenten lyrische Weite und Urvertrauen in die gemeinsame Kraft der Menschen.

Star der "Dämmerung des Frühlings" war Yueling Li, der auf seiner Erhu, einer 2-saitigen Röhrenspießlaute, nicht nur fernöstliche Glissandi darbrachte, sondern wegen des tonalen Umfangs sowie der rhythmischen Variabilität überraschte. Afrikanische Lebensfreude ließen die Musiker gleich zweimal erklingen: das erste Mal in prickelnder Überschwänglichkeit beim "Elah", das zweite Mal mit einem bitteren Unterton im "Homeless", in dem sich gospelartige Klage und urwüchsige Vitalität abwechselten. Griechenland als Wiege der Demokratie stand selbstverständlich im Zentrum. In Mikis Theodorakis Hymne "Du Sonne der Gerechtigkeit" sang Theodora Tsiris große Emotionen kraftvoll und melancholisch. Ihre Stimme ließ die großartige Maria Farantouri aufleben. Mitmachen war beim Yoga-Lied "Ra Ma Da Sa Sa Se Sohong" aus Indien gefragt. Während der Chor sein ewig wiederkehrendes Lied sang, sollte die gewollte Monotonie mit Yoga-Bewegungen nachempfunden werden: Die Zuschauer waren so aktiv in den interreligiösen Dreiklang integriert.

Beeindruckendes Timbre zeigten Debora Vilchez im peruanischen "Fina Estampa" und Margarete Lamprecht im argentinischen "Rinaceró" – schwierige Musik mit schwierigen Texten, packend aber wegen des musikalischen Feuers.

Nach einer fast dreistündigen Darbietung, in der auch Schülerinnen und Schüler des St. Jakobus-Gymnasiums Abtsgmünd brillierten, gab es Ovationen der begeisterten Gäste.

Simone Robitschko

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