Klara und Jonas' freiwilliges Hofjahr

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Gemeinsam mit 15 Menschen mit Behinderung und weiteren Kollegen arbeiten sie auf dem Oberen Haldenhof bei Schwäbisch Gmünd (v.l.): Jonas Thürmer, Klara John und Oliver Baum.
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Das Freiwillige Ökologische Jahr ist eine Möglichkeit, die Zeit zwischen Schule und Beruf zu überbrücken. Was die Aufgaben sind und was es ausmacht.

Schwäbisch Gmünd

Klara und Jonas schnuppern ein Jahr in einen Alltag, von dem viele träumen: Ein Leben auf dem Bauernhof. Auf dem Oberen Haldenhof zwischen Bargau und Weiler machen sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

"Hier auf dem Hof findet sich der ökologische Gedanke wieder", sagt Oliver Baum, Leiter der Vinzenz-von-Paul-Werkstätten, zu denen der Biolandhof gehört. Dort gibt es Hühner und Kühe, alte und kranke Pferde verbringen hier ihren Lebensabend. Doch die Tiere und die Landschaftspflege bedeuten viel Arbeit. Unterstützt werden die Mitarbeiter dabei derzeit von der 19-jährigen Abiturientin Klara John und dem 18-jährigen Realschulabsolventen Jonas Thürmer. Beide haben sich nach ihrem Schulabschluss für ein FÖJ auf dem Hof entschieden.

Die Aufgaben der zwei jungen Erwachsenen sind vielseitig. "Ich fahre zum Beispiel Heu in den Stall", sagt Jonas. "Wir leisten aber auch Büroarbeit", ergänzt Klara. Dazu gehören zum Beispiel Bestellungen oder Lieferungen. Doch genauso wie bei dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) erhalten die Teilnehmer Weiterbildungsseminare.

"Aber im Gegensatz zum FSJ ist dabei der zentrale Gedanke die Ökologie und die Natur", erläutert Baum. Doch auch für ein FÖJ brauche es eine soziale Ader. Denn neben den fünf Fachkräften arbeiten auch 15 Menschen mit Behinderung auf dem Hof.

"Wir unterstützen die Behinderten bei ihrer Arbeit", sagt Klara. Zum Beispiel, wenn diese die Pferde füttern, oder den Kuhstall sauber machen. "Man braucht auf jeden Fall eine soziale Komponente", sagt Jonas, "andere FÖJler arbeitet zum Beispiel mit Schulklassen, die die Einsatzstellen besuchen."

Den Kopf frei bekommen

Die Arbeit mit Tieren hat sowohl Klara als auch Jonas schon länger gereizt. Beide haben bereits ein Praktikum in der Stuttgarter Wilhelma gemacht. "Nach dem Abitur wollte ich dann erst einmal den Kopf frei bekommen", sagt Klara. Weil sie der Obere Haldenhof besonders angesprochen hat, hat sie sich auf ein FÖJ beworben.

Jonas dagegen machte seinen Realschulabschluss mit der Fachrichtung Elektronik. Doch auch er wollte erst etwas anderes sehen, bevor er sich beruflich festlegt. Mit seiner Entscheidung ist er glücklich. "Das Bauernhofleben ist schön", sagt Jonas, "es ist vor allem abwechslungsreich." Besonders Spaß macht ihm das Schlepperfahren.

Die beiden haben sich phänomenal gemacht.

Oliver Baum Oberer Haldenhof

In der Zukunft keine Landwirte

Beide möchten sich beruflich nicht auf die Landwirtschaft festlegen. Klara will Hebamme werden, Jonas eine Ausbildung zum Elektriker für Haus und Gebäude machen. Diese Entscheidung sei ihm allerdings sehr schwer gefallen. Zwar sei nicht immer alles so angenehm, wie man sich es vorstellt – man müsse die Traktoren öfter reparieren, als man sie fährt. Doch: "Allgemein ist das Bauernhofleben echt schön", betont Jonas. "Aber mein Opa sagt immer, ein Landwirt ohne Hof ist schlecht", erzählt er und schmunzelt.

Nichtsdestotrotz sagen Klara und Jonas, dass ihnen das FÖJ, das diesen Monat zu Ende geht, viel gebracht hat. "Früher habe ich mich nicht getraut, Menschen anzusprechen", sagt Klara. "Jetzt bin ich viel offener geworden." Dazu beigetragen haben vor allem die geistig behinderten Menschen, mit denen sie zusammen arbeitet. Darüber hinaus sei sie viel selbstständiger geworden.

Diese Meinung teilt auch Oliver Baum: "Die beiden haben sich phänomenal gemacht." Und er erzählt, was ihm bei seinen FÖJlern besonders wichtig ist. "Vor allem Offenheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen", sagt er. Auf der anderen Seite ist Baum auch bereit, Verantwortung abzugeben. "Wenn Jonas einen Schlepper fahren will, der rund 80 000 Euro kostet und ich ihm das zutraue, kann er das auch machen", erläutert er.

Oliver Baum ermuntert Jugendliche, ein FÖJ zu machen. "Das Leben hat so viel Tempo aufgenommen, man sollte sich so etwas gönnen."

Die beiden FÖJler stimmen ihm zu. Nicht nur persönlich, auch für die berufliche Zukunft fühlen sie sich nun besser vorbereitet. "Man ist für den Berufsstart deutlich besser ausgebildet", sagt Jonas.

Eine Liste mit FÖJ-Stellen der Landeszentrale für politische Bildung gibt es unter www.foej-bw.de.

Gemeinsam mit 15 Menschen mit Behinderung und weiteren Kollegen arbeiten sie auf dem Oberen Haldenhof bei Schwäbisch Gmünd (v.l.): Jonas Thürmer, Klara John und Oliver Baum.

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