Kleinknecht ist angefressen

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Maske und Abstand. Das Theater bei den Proben der digitalen Inszenierung "Alle außer das Einhorn". Der Stream ist interaktiv und für Schulen buchbar.
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Wie das Theater der Stadt Aalen die eigene, aktuelle Lage beschreibt und welche Pläne es für die Zukunft hat

Ja, schon wieder eine weitere Zoomkonferenz, wie Gina Maksan, Pressesprecherin des Theaters der Stadt Aalen die Gäste vor den heimischen Bildschirmen begrüßt. Dabei, so macht die folgende Dreiviertelstunde klar, will man endlich wieder Kontakt von Mensch zu Mensch haben. Vor allem live vor Publikum spielen. Doch aktuell geht gar nichts.

"Ich bin angefressen", sagt Intendant Tonio Kleinknecht. Angefressen wegen der fehlenden Perspektive und weil man so spät mit den Testungen angefangen hätte. "Aber ich bin froh, dass diese jetzt selbstverständlicher werden", so Kleinknecht. Er hoffe, dass es bald losgehe. Tübingen zeige: Abstand plus Maske plus Test, das funktioniere im Theater. Bei einer Viertelbelegung seien die Vorstellungen immer ausverkauft. Das DRK, das gleich gegenüber dem Kulturbahnhof ist, habe Bereitschaft signalisiert, seine Tests für zukünftige Vorstellungen auszuweiten. Aber nun sei man erst mal massiv in der dritten Welle, die die Stadt Aalen schwer erwischt habe.

Zwei Premieren hätte es in diesem Monat geben sollen. Zu einem "Furor" von Lutz Hübner, zum anderen die Kooperation "Hibernation" mit dem O-Team. "Jetzt ist alle erst mal auf Eis gelegt." Nachgeholt werden sollen die Premieren falls möglich, im Mai, spätestens im Juni, so Kleinknecht. "Bei allem Online – es fehlt der Kontakt mit dem Publikum."

Die Lust ist groß.

Tonio Kleinknecht Intendant Theater der Stadt Aalen

Kein Publikum, aber trotzdem gibt's jede Menge Theater

"Theater ohne Publikum, das ist wie Schwimmen ohne Wasser", sagt Dramaturgin Tina Brüggemann. Aber man wolle nicht jammern. Das Theater habe "Macbeth" und "Der goldene Topf" gestreamt. Auch "HörBar", der Podcast des Theaters, werde gut angenommen. Abrufbar ist er direkt über die Theater-Website. "Es gibt lustige und spannende Teste zur Situation, zur Situation, zu den Themen Sicherheit und Freiheit und wie wir mit dem Warten umgehen", so Brüggemann.

Die Dramaturgin weist auch auf die Theaterstreams hin. Für 5 Euro könne man etwa das Heimatkleid und "Der goldene Topf" sehen. Es sei ein Notbehelf, aber eine freundliche Art, weiter in Kontakt zu bleiben. "Bleiben Sie uns treu mit unserem Alternativangebot", appelliert sie. Sowohl die Spielclubs als auch der Bürgerchor würden online proben, im Theater selbst würden Schauspielerinnen und Schauspieler sowie alle anderen Beteiligten immer getestet und mit Maske proben. Nach einem Coronafall im vergangenen Herbst habe man im Zusammenhang mit dem Beruf keinen mehr zu verzeichnen, ergänzt Tonio Kleinknecht.

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Winfried Tobias Leiter Kinder- und Jugendtheater

Die Streams zu schauen ist eine Möglichkeit, Theater zu erleben. "Wir vermissen die direkte Begegnung mit dem Publikum", sagt Winfried Tobias, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, bleibe aber kreativ. Die Premiere von "Alle außer das Einhorn" habe man in einem Livestream, Chat und Gespräch digital gefeiert und das Stück auch an der Uhland-Realschule gezeigt.

Nun gebe es mehrere Anfragen, sogar eine aus Karlsruhe. "Grundsätzlich weiß man jetzt, dass die Kinder und Jugendlichen zu den am meisten Leidtragenden der gehören, weil sie in ihren Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind", sagt Tobias. Sobald es möglich sei, würde man sofort in den Schulen spielen. "Aber davon sind wir noch weit entfernt." Er hoffe auf Anfragen. "Schulen, die sagen: Das wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern ermöglichen." Für alle Altersgruppen habe das Theater unterschiedliche Formen der Inszenierungen, biete Möglichkeiten, auch digital in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und hoffen, dass die Schulen das annehmen", so Tobias.

Hoffen auf den Sommer und Open-Air-Formate

Bleiben Sie uns treu mit unserem Alternativangebot.

Tina Brüggemann Dramaturgin

"Alles was wir planen, haben wir auch Open-Air im Kopf", sagt Tina Brüggemann. Die Planung für den "Planet der Herzen" laufe, ein Projekt, das ganz im Zeichen von Klima und Nachhaltigkeit stehe. "Wir hoffen, es wird schön warm, aber nicht so heiß, dass uns das Klima verbrennt." Zusammengearbeitet werde dabei mit allen Nutzern des Kulturbahnhofes, aber auch mit weiteren Akteuren, Gruppen und Institutionen. Man hoffe, alles gemeinsam mit dem Publikum rund um den Kubaa erleben zu können.

Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler hätten bisher die Motivation nicht verloren, so Kleinknecht. Man könne, anders als beispielsweise, die Musikvereine, ja proben, was sehr wertvoll sei. "Die Lust ist groß" versichert der Intendant. Und für den Mai plane man ein Leseprojekt für die Patienten im Ostalbklinikum.

Tonio Kleinknecht.
Tina Brüggemann
Winfried Tobias

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