Klimaschutz: Landwirte wollen Teil der Lösung sein

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Ein Landwirt bei der Arbeit, hier bei der Aussat von Mais.

Bauern stellen während der Delegiertentagung des Bauernverbandes Ostalb-Heidenheim klar: Lebensmittelerzeugung braucht Planungssicherheit!

Aalen. Bei der Jahresdelegiertentagung des Bauernverbandes Ostalb-Heidenheim nahm Vorsitzender Hubert Kucher Stellung zur politischen Zeitenwende, die durch den Krieg in der Ukraine verursacht wurde. „So eine Zeitenwende ändert in der Politik alles und macht bisher undenkbare Dinge möglich“, so der Vorsitzende.

Kritik übte Kucher vor allem an den schnellen Entscheidungen der Politik. Die Landwirtschaft brauche bei der Lebensmittelproduktion viele Monate Vorlaufzeit. „Wir müssen unsere Felder erst bestellen und aussäen. Nach langen Monaten der Düngung und Pflege ist dann, fast ein Jahr später, eine Ernte möglich. Noch wichtiger ist dies bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel, wie Milch, Eier und Fleisch. Wenn für höhere Standards des Tierwohles neue Ställe gebaut werden sollen, müssen diese auch finanziert und abbezahlt werden können. Dazu braucht ein Landwirt eine Planungssicherheit von ca. 20 Jahren, denn in dieser langen Zeit erst macht sich er Stall bezahlt. „Und wir Bauern müssen auf unseren Höfen Geld verdienen, um die Familie zu ernähren und die Betriebe weiterzuentwickeln“, so Vorsitzender Kucher.

Wegen Ukraine: Lebensmittelsicherheit wieder Thema

In seinem agrarpolitischen Bericht ging er im weiteren Verlauf noch näher auf die Agrarwende ein, die er auch in Frage stellte. Schließlich stelle die Politik durch den Krieg in der Ukraine verursacht fest, dass das Thema Ernährungssicherung doch höher anzuordnen ist, wie dies die EU bisher gesehen habe. In Europa können bedingt durch die günstige Lage in der „gemäßigten Zone“ ideal qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugt werden. „In anderen Teilen dieser Welt haben die Bauern weder die guten Böden noch das nötige Klima mit guter Wasserversorgung, um entsprechend Lebensmittel für ihre Bevölkerung erzeugen zu können“, merkte er an. Auch die Ukraine liege in dieser günstigen Zone, könne aber wegen des Krieges im Moment diese nicht nutzen. Deshalb sollte die seiner Meinung nach überzogene ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft in Europa noch einmal überdacht werden. „Die primäre Aufgabe der Landwirtschaft ist es, die Bevölkerung zu ernähren?“ Damit kritisiert er die grundsätzliche Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik stellt aber in keinem Fall die biologische Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe in Frage. „Denn wie die Mitglieder des Bauernverbandes ihre Betriebe aufstellen ist deren Sache. Der Verband vertritt alle landwirtschaftlichen Betriebe, egal ob konventionell oder biologisch bewirtschaftet.“

Allerdings warnte er davor, den Krieg in der Ukraine zu nutzen, um wieder die alten Zustände herzustellen und den Klimaschutz ganz zu vergessen. Schließlich stehe hier die Landwirtschaft auch in der Verpflichtung, da sie beim Klimaschutz ein Teil der Lösung sein kann und dies auch will.

Mehr Unterstützung verlangt

Mit Schaffung der notwendigen Planungssicherheit sei die Landwirtschaft gerne bereit ihren Teil beizutragen und die Produktion auf die höheren Standards im Bereich des Tier- und Umweltschutzes einzurichten. Vorsitzender Kucher fordert hier aber die Politik und Gesellschaft auf, sich hinter die Landwirtschaft zu stellen und diese zu unterstützen. „Die Politik muss sich klar zu uns bekennen, indem sie uns baurechtlich Planungssicherheit und auch finanzielle Unterstützung durch Förderung für unsere Ställe gibt. Von den Verbrauchern erwarten wir, dass Sie bereit sind die Produkte mit den höheren Standards nachzufragen und dass sie sich diese auch leisten will!“

Um die Flächennutzung ging es auch im Referat von Thomas Eble, dem Direktor des Regionalverbandes Ostwürttemberg. Er berichtete aus der Arbeit des Regionalverbandes und dessen Aufgaben im Bereich der überregionalen Planung. Die Förderung der Entwicklung unserer Wirtschaft und der Ausbau der Infrastruktur, aber auch der Schutz von Freiräumen und Schutzgütern sind hier sehr komplexe Themen. So ist die Eindämmung des Flächenverbrauches durch Baumaßnahmen von Straßen- und Wohnungsbau sowie Gewerbegebieten bei der Fortschreibung des Regionalplanes ein zentrales Thema. Dabei werden die forstwirtschaftlichen Flächen seit Jahrzenten mehrfach geschützt, während die landwirtschaftlichen Flächen nur wenig Schutz erfahren haben. Bereits im aktuellen Regionalplan konnten im Umfang von 67.698 ha landwirtschaftliche Vorrangflächen ausgewiesen werden, im neuen Plan sollen es sogar 70846 ha sein.

Kritik an Flächenverbrauch

In der Diskussion machten viele Landwirte unmissverständlich klar, dass der Flächenverbrauch nicht so weitergehen könne. Die Gebäude für Wohnungs- oder Gewerbebau müssen unbedingt in die Tiefe oder Höhe entwickelt werden, um Fläche zu sparen. Die Anlage von Tiefgaragen oder Parkdecks oder auch die Nutzung der umfangreichen Dächer für Fotovoltaik müssen zum Normalfall werden. Im Moment werde die Fläche zu wenig wertgeschätzt, weshalb nicht sorgsam damit umgegangen werde. Dies zeige auch die Absicht der Landesregierung die Freiflächenfotovoltaik auszubauen.

Die Landwirte möchten auf der landwirtschaftlichen Fläche lieber Lebensmittel erzeugen und schlagen vor, erst mal die Dächer aller öffentlichen Gebäude oder die der Gewerbehallen hierfür zu nutzen. Darüber hinaus könnte man auch Parkplätze oder sogar die Autobahn überdachen, um hier Strom herzustellen. Vorsitzender Kucher teilte die Sorge seiner Berufskollegen, in den nächsten Jahren weitere Flächen zu verlieren und berichtete, dass der Verband im Gespräch mit den Kommunen und den Landräten sei. Die Bürgermeister sind dankbar für neue Ideen, bei der Ausweisung und Erschließung neuer Baugebiete, um weniger Flächen in Anspruch nehmen zu müssen. Vor allem im Bereich der Gestaltung der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, welche eben wiederum zu Lasten der landwirtschaftlichen Flächen gehen, brauche es intelligente Lösungen, um Flächen einsparen zu können.

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