Kliniken Ostalb: Aus drei Standorten werden zwei

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Ostalb-Klinikum in Aalen, Stauferklinikum in Mutlangen und Virngrundklinik: Die Zukunft der KlinikenÌÌ im Ostalbkreis beschäftigt die Politiker im Landkreis
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    Lars Reckermann
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Politik diskutiert über mögliche Fusionen. Wie die Zukunft der Kliniken Ostalb aussehen kann und was der Personalrat der Belegschaft mitteilt.

Aalen / Schwäbisch Gmünd / Ellwangen. Es gärt im politischen Ostalbkreis. Politikerinnen und Politiker bringen sich in Stellung. Das Thema gilt als brandheiß. Die Hände verbrennen will sich niemand, das Notwendige aussprechen schon gar nicht. Denn bekanntlich gilt der Nachrichtenverkünder als Nestbeschmutzer, nicht der Verursacher. Es geht um die Kliniken im Ostalbkreis, um deren Zukunft. Es geht um Standorte. Es geht um sehr viel Lokalpatriotismus. Dabei sollte es in erster Linie und ausschließlich um das Patientenwohl gehen.

Ein Papier wird aktuell im Ostalbkreis diskutiert, das mögliche Szenarien für eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft beschreibt. 1, 2a, 2b, 2c, 2d, 3 sind Zahlen und Buchstaben, mit denen sich die Politik derzeit noch streng vertraulich befasst. Hinter den Zahlen stehen mögliche Szenarien. Die Zahl 1 beschreibt den Ist-Zustand. Im Ostalbkreis gibt es drei Kliniken, Ellwangen, Aalen und Mutlangen. 2c etwa beschriebt, welche medizinischen Leistungen bei einer Fusion von Aalen und Ellwangen zusammengelegt werden könnten. 2d beschreibt das Szenario für einen Zusammenschluss von Aalen und Mutlangen. Die Nummer 3 steht für ein Zentralklinikum im Ostalbkreis. Standort: noch nicht bekannt. Hinter vorgehaltener Hand tauchen Orte an den Grenzen der beiden großen Ostalb-Städte auf.

Fachkräftemangel in den Kliniken

Die Liste der Gründe für Krankenhausfusionen ist lang: Fachkräftemangel, medizinischer Fortschritt, wirtschaftlicher Druck durch hohe Fixkosten, politische Vorgaben zur Personalausstattung und Mindestmengen bei Eingriffen. Als im November vergangenen Jahres der Kreistag zusammenkam, um den Haushaltsentwurf zu diskutieren, rechnete die Verwaltung öffentlich mit einem Defizit der Kliniken von zwölf Millionen Euro allein für dieses Jahr. Unsere Zeitung schrieb damals: „Einvernehmen besteht auch darüber, dass das Kliniksystem in allen Bereichen auf den Prüfstand müsse, dass es neuer Ideen bedürfe, Personal zu gewinnen, und dass es fraglich sei, wie lange alle medizinischen Leistungen noch an allen drei Standorten angeboten werden können.“

In die Diskussion kommt nun Bewegung, denn bis zum Sommer soll eine politische Entscheidung her. Der einstige Wunsch, alle drei Standorte in annähernd gleicher Weise vorzuhalten, ist anscheinend nicht mehr zeitgemäß. Schon jetzt führt der Fachkräftemangel zuweilen zu Schließungen von Stationen oder Sperrungen von Intensivbetten. Wer dreifach eine Leistung vorhalten will, muss auch dreifach Personal für diese Leistung haben, bis hin zu kostenintensiven Bereitschaftsdiensten. Selbst wenn Geld vorhanden wäre: Woher soll das Personal kommen? Innere Medizin, Orthopädie, Unfallchirurgie, Gynäkologie, Intensivmedizin …, aktuell gibt es alles an allen Standorten. Die Politik ist nun gefragt zu überlegen, welche medizinische Spezialisierungen an welchem Standort Sinn machen. Dabei muss sie im Blick haben, dass die dezentrale Versorgung für Notfälle nicht leidet. Stichwort: Ambulanzzentren.

Spezialisierung aller drei Standorte gescheitert

Vorgeschichte: Zunächst war versucht worden, Schwerpunkte, so genannte medizinische Leuchttürme, zu bilden, um die drei Klinikstandorte zu halten. Dezentral hätte es weiter an allen drei Kliniken – dem Ostalbklinikum in Aalen, der St.-Anna-Virngrundklinik in Ellwangen und dem Stauferklinikum in Mutlangen – die medizinische Grund- und Regelversorgung geben sollen. Spezialisierungen  sollten helfen, Doppel- oder Dreifachstrukturen zu vermeiden. So sollte in Mutlangen eine Spezialisierung im onkologischen Bereich – Stichwort Krebsbehandlung – geben, in Ellwangen im Bereich der planbaren Endoprothetik – also, wenn es um Schulter-, Knie- oder Hüft-OPs geht, die sich planen lassen. Aalen war als Traumazentrum vorgesehen. "Der Plan war gut gemeint, ist aber an der Umsetzung gescheitert", heißt es in einer Personalratsinfo an die Belegschaft der Kliniken Ostalb.

Personalrat informiert Belegschaft

Wie der Personalrat weiter informiert: "Standortübergreifend wurde eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vorstand, Standortleitungen, Chefärzten und Personalräten eingerichtet. Aufgabe dieser Lenkungsgruppe ist es, Auswirkungen verschiedener Zukunftsmodelle und Möglichkeiten der Kliniken im Kreis aufzuzeigen. Dabei rückt die Variante mit zwei Standorten immer mehr in den Fokus.
Erste Variante: Zwischen Aalen und Ellwangen die St. Anna- Virngrundklinik und das Ostalbklinikum in einem Neubau zusammenführen, unter Beibehaltung des Stauferklinikums. Zweite Variante: Zwischen Aalen und Schwäbisch Gmünd das Stauferklinikum und das Ostalbklinikum in einem gemeinsamen Neubau zusammenführen, unter Beibehaltung der St. Anna- Virngrundklinik." Das oberste Ziel aller Beteiligten sei der Verbleib in öffentliche Trägerschaft und das Mitarbeiter- und Patientenwohl.

Ob es den Entscheidern nun gelingt, die Emotionen aus dem sensiblen Thema einer laut Experten dringenden Notwendigkeit unterzuordnen, wird die große Frage sein. Wie unterschiedlich die Diskussion einer Zentralisierung verlaufen kann, ist im Ländle zu beobachten. Die Bürger der Stadt Geislingen haben wegen einer bevorstehenden Klinikschließung in einem Bürgerentscheid für den Wechsel in einen anderen Landkreis votiert. Ganz anderes Bild im Klinikum Mittelbaden (Standorte in Baden-Baden, Bühl und Rastatt). Dort wurde entschieden, die drei Kliniken in einem neuen Zentralklinikum zusammenzuführen. Ähnlich im Rems-Murr-Kreis, wo es nach großem kommunalpolitischen Zank einen Neubau gegeben hat – in Winnenden. Der Umzug der Krankenhäuser Waiblingen und Backnang nach Winnenden erfolgt 2014. Die Gebäudekomplexe in Backnang und Waiblingen wurden 2015 abgerissen.

 Wichtig für die Kliniken Ostalb und die aktuelle Diskussion: Es geht nicht um morgen oder übermorgen, aber um eine Vision in zehn oder 15 Jahren, die zumindest bis zum Sommer aufgegleist werden soll.

So geht es weiter: Die Vorstellung der Lenkungsgruppe-Ergebnisse vor dem gesamten Kreistag soll am 2. Mai dieses Jahres stattfinden. Eine Klausurtagung folgt dann am 9. Juli. Der Verwaltungsrat soll am 12. Juli dieses Jahres zu einem Ergebnis über die Zukunft der drei Standorte kommen.

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