Klinken Ostalb kranken an Corona

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Einnahmen fehlen, weiterhin erhöhter Aufwand und dann noch der Fachkräftemangel: Mit diesen Zahlen starten die Kliniken ins Jahr 2022.

Aalen

Die Kliniken Ostalb kranken auch an der vierten Welle der Corona-Pandemie. Sie schlägt sich in mehreren Bereichen nieder. Die Zahlen für Januar und Februar legten Finanzvorstand Thomas Schneider und seine Kollegin Sylvia Pansow im Verwaltungsausschuss am Dienstag dar.

Finanzen: 17,3 Millionen statt geplanter 22,6 Millionen Euro - allein in den ersten zwei Monaten des Jahres fehlen rund 5,3 Millionen Euro Einnahmen aus dem stationären Bereich. Auf Geld aus dem dritten Rettungsschirm des Bundes sei man dringend angewiesen, so Thomas Schneider. Immerhin erhalte man seit November eine Leerbettenpauschale (knapp 2,8 Millionen Euro) und einen Versorgungsaufschlag (rund 1,6 Millionen Euro). Bleibt unterm Strich in Abmangel von rund 920 000 Euro allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres.

Belegung und Fallzahlen: Trotz leicht gestiegener Fallzahlen blieb die Bettenbelegung im Januar und Februar rund 16,2 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Personalkosten: Im Januar rechnete man mit 9,54 Millionen Euro - das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Tariflohnsteigerungen und noch zu besetzende Stellen treiben diesen Kostenblock auf geschätzte 9,83 Millionen Euro nach oben.

Liquidität: Insgesamt erwarte man etwa zwölf Millionen Euro aus dem Rettungsschirm des Bundes, so Thomas Schneider. Diese Summe habe man vorfinanzieren müssen; Geld, das im laufenden Cashflow fehlte.

Bisher habe man gestiegene Kosten stets versucht durch Wachstum auszugleichen. Wegen der Pandemie aber würden noch immer Operationen abgesagt, man müsse Intensivbetten freihalten oder Betten könnten nicht belegt werden, weil Mitarbeitende selbst erkrankt seien. Aktuell seien 140 Betten aus diesen Gründen „gesperrt“, so Schneider. Niedrigere Produktivität also, die Wachstum verhindere. Zu Buche schlägt auch „viel Aufwand ohne Ertrag“: beispielsweise bei den Kosten für Infektionsschutz, Isolierbereiche oder Einlasskontrollen. Und bei alledem verschärfe sich der Fachkräftemangel weiter.

Personalentwicklung: Vorständin Sylvia Pansow zeigte die Personalverteilung, aufgesplittet nach Bereichen, im Februar auf. Auffällig ist bei den Ärzten ein Minus von 18 Stellen im Vergleich zum Personalplan. „Der Grund ist ein Babyboom im ärztlichen Bereich gerade im ersten Quartal“, erläuterte Pansow. Deutlich sichtbare Folgen hat der Fachkräftemangel in der Pflege: In dem Bereich fehlen rund 92 Kräfte. Sylvia Pansow: „Dadurch können wir etwa elf Prozent der Betten, das sind immerhin 95 Betten, nicht betreiben.

Forderungen an die Politik: Man hoffe stark darauf, dass die Leerbettenpauschale bis Mitte des Jahres 2022 weitergezahlt werde, erläuterte Thomas Schneider. In Briefen an die Landes- und Bundespolitik fordere man unter anderem, dass Personaluntergrenzen ausgesetzt würden. Schneider: „Und der Jahresbudgetausgleich sollte zu 100 Prozent erfolgen. Bisher sollen noch zwei Prozent wegfallen. Aber bei 300 Millionen Euro Jahresumsatz sind zwei Prozent viel Geld, das uns fehlt.“ Zudem hoffe man auf einen erneuten Sachkostenzuschuss. „Nach Betten verteilt, könnten das immerhin bis zu vier Millionen Euro sein.“ Ein „absolutes Fragezeichen“ sei, was die im Koalitionsvertrag verabredete neue Krankenhausfinanzierung des Bundes bringen werde. Landrat Dr. Joachim Bläse zeigte sich optimistisch, dass Land und Bund Unterstützung gewähren.

Impfpflicht für Pflegekräfte in den Kliniken.

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