Kommt Afrikanische Schweinepest?

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Hausschweine sind ebenfalls von der Tierseuche bedroht, die bislang nur Wildschweine niedergerafft hat.
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Experten informieren das Gremium über Strategien im Umgang mit der Tierseuche. Beratung der Schweinehalter, die Jagd auf Wildschweine und Wildzäune könnten helfen.

Aalen

Die Afrikanische Schweinepest ist zwar noch nicht angekommen auf der Ostalb, aber sie hält Landwirte hier längst in Sorge. Der Landkreis weiß um die Gefahr und entwickelt eine Strategie. Darüber und über die allgemeine Lage der Schweinezucht auf der Ostalb haben Fachleute im Kreistag informiert.

Die aktuelle Lage

Laut dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Friedrich Loeffler Institut, sind in Deutschland aktuell 70 Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen registriert. Eine Woche zuvor waren es 49 Fälle. In Süddeutschland gibt es bislang noch keinen Fall. Die Tierseuche bedroht aber auch Hausschweine. Für Menschen sei sie ungefährlich.

Die Strategie

Was der Kreis plant, um eine Verbreitung der Seuche, vor allem ein Übergreifen der Seuche auf Hausschweine zu verhindern, das erläuterte Dr. Ulrich Koepsel, Leiter des Kreis-Geschäftsbereichs Veterinärwesen.

Bricht die Seuche bei Wildschweinen aus, so gelte es, Neuansteckungen zu verhindern. Hierzu werden Gefährdungszonen definiert und Infektionsquellen beseitigt. Den Eintrag der ASP in die Hausschweinepopulation zu verhindern, ist oberstes Ziel. Die Früherkennung infizierter Tieren habe entscheidende Bedeutung. Ebenso wichtig sei, dass in Betrieben Biosicherheitsmaßnahmen getroffen und deren Einhaltung überwacht wird. Im schlimmsten Fall müsse Vieh- und Warenverkehr eingeschränkt werden.

Wird ein infiziertes Wildschwein entdeckt, wird eine Kernzone im Radius von drei Kilometern um den Fundort abgeriegelt. So soll verhindert werden, das infizierte Wildschweine abwandern. Weiter wird eine Zone im Radius von 15 Kilometern als gefährdetes Gebiet deklariert. Hier setzt die Früherkennung intensiv an.

Für die Verwahrung infizierter Kadaver sind Stellen geschaffen worden: Bei den Bauhöfen in Gschwend, auf dem Gmünder Hardt und in Neresheim sowie bei den Kläranlagen in Abtsgmünd, Bopfingen und in Aalen, im Hasennest.

Die wirtschaftlichen Schäden

Bricht die Seuche auf der Ostalb aus, hat das noch gravierendere Schäden für die Landwirtschaft als die bereits jetzt spürbaren, ist sich Helmut Hessenauer, der Leiter des Geschäftsbereichs Kreis-Landwirtschaft, sicher.

Im Ostalbkreis halten 79 Landwirte insgesamt rund 13 000 Zuchtsauen. Die Zuchtsauenhaltung war in den vergangenen zehn Jahren stark rückläufig. Seit 2010 ist der Bestand um etwa 30 Prozent gesunken, die Zahl der Halter um 57 Prozent. Grund seien die Verschärfung der Haltungsanforderungen und Unrentabilität. Weil die Politik die Anforderung weiter erhöht, werde die Schweinehaltung weiter zurückgehen, vermutet er.

Die Mastschweinehaltung ist im Kreis ebenfalls rückläufig, jedoch weniger stark. Insgesamt halten 227 Betriebe rund 42 300 Mastschweine. Seit 2010 sank der Bestand um 13 Prozent, die Zahl der Halter um 55 Prozent.

Die Erzeugung von Schweinefleisch übersteigt den Verbrauch in der EU, wie in Deutschland, um 19 Prozent. Daher zählt der Export in Drittländer. Zwei Drittel des EU-Schweinefleisches gehen in den asiatischen Raum. China, Japan und Südkorea haben nach dem ersten ASP-Fund in Deutschland sofort ein Importverbot ausgesprochen. Das trifft den Markt in einer kritischen Phase. Denn Corona brachte und bringt Einschränkung der Schlachtkapazitäten, es gibt einen "Rückstau" von Schlachtschweinen, die zu fett werden, und einen dramatischen Einbruch der Schweinepreise.

Der Preis für Schweinefleisch war Anfang 2020 auf einem historischen Hoch. Seit März sinkt die Nachfrage und im Juli fielen die Preise um 20 Cent je Kilo. Bei den Ferkelpreisen geht es noch steiler abwärts.

Ist der Fuchs schon im Hühnerstall, brauchen wir die Tür nicht mehr abschließen.

Hubert Kucher Vorsitzender Kreisbauernverband

Zuchtsauenhalter erleiden die Einkommenseinbußen in voller Höhe, Mastschweinehalter können Einbußen durch geringere Ferkelkosten teils ausgleichen. Mit Erlöseinbußen von 100 000 Euro pro Woche allein im Ostalbkreis rechnet Hessenauer.

Die Politik müsse dafür sorgen, dass weltweite Importverbote nur für Schweine aus den Restriktionsgebieten gelten, so wie es innerhalb der EU gehandhabt wird, und sie müsse ein Hilfsprogramm auflegen. Vor allem aber müsse die ASP schnell und wirksam bekämpft werden.

Entschädigung ist möglich

Hat es einen Betrieb erwischt, kann er auf die Tierseuchenkasse (TSK) hoffen. Diese leistet Entschädigung nach dem Marktwert, übernimmt die Kosten für das Töten der kranken Tiere, deren Beseitigung und trägt 80 Prozent der Desinfektionskosten. Alles andere, wie den Wiederaufbau des Bestandes, müssen Tierhalter selbst stemmen.

Auch Ackerbau ist betroffen

Bricht die Seuche unter Wildschweinen aus, kann dies Ackerbauern treffen. Denn qua Gesetz kann die Behörde für gefährdete Gebiete die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen für bis zu sechs Monate beschränken oder ganz verbieten. Es können auch Jagdschneisen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen angeordnet werden.

Betroffene können jedoch eine Entschädigung verlangen. Gängige Formel ist hier: Durchschnittlich erzielbarer Hektarerlös minus eingesparte Kosten +/- zusätzlicher Aufwand/Ertrag = Entschädigungsleistung. Auch Schäden in Folgejahren können geltend gemacht werden.

"Der ASP-Fund in Deutschland hat bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung im Ostalbkreis", zieht Hessenauer ein Fazit. Der Rückgang der Marktpreise treffe alle Schweinehalter, insbesondere Zuchtsauenhalter. Die mit ASP verbundenen Risiken erreichten die Betriebe in einer kritischen Phase, da für diese kostenintensive Anpassungen an geänderte Haltungsbedingungen anstünden, so der Fachmann.

Kreisbauernverband mahnt

Als sachkundiger Bürger durfte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hubert Kucher, ans Mikro treten. Für die Schweinebetriebe gehe es um die Existenz. "Das sind Familien, Schicksale und zudem rund 3000 Arbeitsplätze", sagte er.

Er sei dankbar, dass der Landkreis etwas unternehme. Allerdings müsse schnell gehandelt werden: "Ist der Fuchs schon im Hühnerstall, brauchen wir die Tür nicht mehr abschließen", sagte er. Zäune, um Wildschweine in Schach zu halten, noch besser aber die intensive Schwarzwildjagd können helfen, der ASP zu entgehen, meint er. "Die Wildschweine sterben eh alle an der Seuche", sagte er. Jägern sollte daher das ganze Jahr über die Jagd auf die Tiere erlaubt werden, auch mit Nachtsichtzieloptik. Da erlegtes Schwarzwild auf dem Markt nichts bringe, sollte das Land Prämien ausschreiben, um die zeitintensive Jagd attraktiver zu machen.

"Den Ostalbkreis einzäunen, funktioniert nicht, alle Wildschweine hier zur Strecke zu bringen, auch nicht", entgegnete Dr. Ulrich Koepsel. "Die Schweinezüchter müssen jetzt die Tür zumachen", sagte er.

Der Eintrag der Seuche in Hausschweinpopulationen erfolge zudem nicht zwingend über Wildschweine, sondern einer Reihe anderer Faktoren (siehe Kasten). Der Geschäftsbereich werde daher die Beratung der Schweinezüchter intensivieren. "Ein Impfstoff gegen ASP ist noch nicht auf dem Markt", beantwortete er eine Frage von Dr. Carola Merck-Rudolph, die dies vermutet hatte.

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