Kommentar Zum Start der Anmeldungen für Senioren

Komplizierter Weg zum Impftermin

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Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, dass nur sehr wenig Impfstoff zum Start zur Verfügung steht, sondern um das komplizierte Anmeldeverfahren.

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, dass nur sehr wenig Impfstoff zum Start zur Verfügung steht, sondern um das komplizierte Anmeldeverfahren. Noch mehr Hürden hätte man nicht einbauen können, um den Coronafrust zu steigern: nur wenige Termine, ok. Einteilung in Prioritätsgruppen, ok. Alles verstanden. Doch dann gleicht die Beschaffung eines Impftermins dem Wettrennen um Konzertkarten eines angesagten Popstars, die nach fünf Minuten ausverkauft sind. Teenager wissen, worüber ich schreibe. Nur, dass das diesmal für über 80-Jährige gilt. Selbst geübte Internetsurfer geraten ins Stutzen, wenn man beispielsweise auf der Terminvergabeseite www.impfterminservice.de auf dem iPhone bereits "Baden-Württemberg" vorausgewählt sieht (am PC ist dieses Feld noch leer), aber man doch keine Kreisimpfzentren auswählen kann. Lösung: Man muss Baden-Württemberg trotzdem antippen, dann öffnen sich die Kreisimpfzentren zur Auswahl. Wer dann "Aalen" – wie in so gut wie jeder anderen Liste – ganz oben erwartet, wird enttäuscht. Die Sortierung erfolgt nach Postleitzahl. Logisch. Dann erwartet die Seite noch zwingend eine E-Mail-Adresse (welcher 90-Jährige hat die nicht?) und – Achtung, jetzt folgt ein sogenannter Medienbruch – eine Rufnummer zur "SMS-Verifizierung" (was das bedeutet, wird unserem Senior nicht erklärt). Am Ende siegt Schnelligkeit, an dessen Ende dann der alleinstehende 90-Jährige mit dem konzertkartenkauferprobten Enkel eines 85-Jährigen konkurriert. Das ist keine Gerechtigkeit in einem Land, das Weltmeister im Sternchen-Gendern ist und so viel Wert auf Barrierefreiheit legt. Tobias Dambacher

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