Kreis muss 6,9 Millionen Euro mehr für Energie zahlen

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Der Ostalbkreis will raus aus der Gasabhängigkeit?
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Kostenexplosion bei Gas und Strom „frisst“ die Einsparungen an den kreiseigenen Liegenschaften.

Aalen. Ein Dilemma. Zwar reduziert der Landkreis durch zahlreiche Investitionen den Energieverbrauch für seine Verwaltungsbauten, Schulen und Kliniken deutlich und verringert den CO2-Ausstoß, jedoch macht die Konzentration auf Erdgas, mit dem geheizt wird und mit dem Blockheizkraftwerke laufen, die Bemühungen, preislich zumindest, zunichte. Dies ist das Fazit des Energieberichts 2021, den Achim Bihr, der Leiter des Geschäftsereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft, dem Kreistag am Dienstag präsentiert hat.

Verbrauchszahlen von 2021

Demnach betrugen die Gesamtkosten für den Wasser- und Energieverbrauch der Verwaltungs- und Schulgebäude 2021 rund 1,540 Millionen Euro. Sie entsprechen damit etwa dem Vorjahr. Während Wasser- und Stromkosten sanken, führte die kühle Witterung 2021 dazu, dass Wärmeverbrauch und Kosten im Vergleich zum Vorjahr stiegen.

2021 konnten 1.020.583 kWh Strom im Wege des Direktverbrauchs im jeweiligen Hausstromnetz bereitgestellt werden. Der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung beträgt 31 Prozent des Wärme- und rund 38,5 Prozent des Stromverbrauchs. Bei der Wärmeversorgung beträgt der Anteil erneuerbarer Energien 31 Prozent. Aus fossilen Energieträgern werden noch 69 Prozent der Wärme erzeugt. Photovoltaik-Eigenverbrauchs- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen führen dazu, dass die jährlichen Gesamtkosten für den Energieverbrauch nicht deutlich höher ausfallen. Ohne sie würden die Kosten für Wärme und Strom im Vergleich zu 2015 etwa 218.000 Euro höher liegen, so Bihr.

Bei den Kliniken liegen die Energie- und Wasserkosten 2021 im Vergleich zu 2020 mit 4,6 Millionen Euro rund 390.000 Euro unter den Kosten des Basisjahres 2014 (mit rund fünf Millionen Euro Energiekosten).

Weniger CO2

Der CO2-Ausstoß wurde von 2011 bis 2020 bei fast identischem Wärmeverbrauch von 2.650 auf 2.384 Tonnen verringert - um fast zehn Prozent. Beim Strom wurde auf 100 Prozent Ökostrom umgestellt, was im selben Zeitraum den CO2-Ausstoß um 62 Prozent von 955 auf nun 359 Tonnen reduziert hat.

Weitere Einsparungen seien nur noch schwer machbar, so Bihr. Zumal im Bereich Photovoltaik bereits auf fast allen kreiseigenen Liegenschaften Anlagen installiert seien.

Preisschock ab 2023

Nun erwischt den Landkreis der Preisschock. Die Energielieferverträge laufen Ende 2022 aus. Inzwischen hat der Landkreis die Verträge um ein Jahr verlängert. Die Kostensteigerung für Strom beträgt 94 Prozent, die für Erdgas 142 Prozent. Das bedeutet einen Mehraufwand 2023 für alle Kreisgebäude von 2,2 Millionen Euro bei Strom und 4,7 Millionen Euro bei Erdgas- somit 6,9 Millionen Euro mehr als 2021.

Fraktionen wollen weg vom Gas

Bisher sei der Weg richtig gewesen, nun müsse der Kreis Energiesicherheit herstellen und umdenken. „Wir brauchen eine Roadmap, wie wir langfristig aus dem Gas kommen“, sagte Georg Ruf (CDU). Sowohl bei der Kreisverwaltung als auch für die Kliniken gebe es jeweils ein Energiemanagement. Die CDU möchte, dass die Verwaltung prüft, ob die beiden organisatorisch zusammenzubringen seien; sagte Ruf weiter.

Was geleistet wurde, sei gut, sagte Erwin Schweizer (Grüne). Bei diesem Thema dürfe es keine Denkverbote geben, forderte er. Die Klinik in Meschede habe sich einen Windpark gekauft und fahre damit sehr gut, sagte er.

Energieverbrauch, Geld einsparen, CO2 senken - alles habe der Landkreis gut im Griff, konstatierte Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD). Sie fragte, ob vielleicht nun Schulungen für Hausmeister an Schulen helfen könnten, noch besser zu werden. Diese Schulungen liefen kontinuierlich, sagte Bihr. ⋌Martin Simon

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