Kreisbau senkt Heizungen nachts ab

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Kreisbauchef Nikolaus Ebert erläutert das Projekt in Bopfingen. Zwischen Birkenweg und Lindenstraße entstehen 41 Wohnungen zum Kaufen und Mieten. Die Modelle lassen sich aufklappen, damit Käufer sich die Aufteilung der Wohnungen besser vorstellen können. Foto: ks
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Seit einem Jahr ist Nikolaus Ebert hauptamtlicher Vorstand der Kreisbau Ostalb. Im Interview spricht er über die Vorbereitungen auf den kommenden Winter und aktuelle Neubauprojekte.

Aalen-Wasseralfingen

Am 1. September wird der Stabwechsel genau ein Jahr her sein. Nikolaus Ebert hat zu diesem Datum das Amt des hauptamtlichen Vorstands bei der Kreisbau Ostalb übernommen und damit Georg Ruf abgelöst, der nun als nebenamtlicher Vorstand fungiert. Der frühere nebenamtliche Vorstand, Ottmar Schweizer, schied altershalber aus. Im Interview spricht Ebert über seine neue Aufgabe, steigende Nebenkosten und neue Mehrfamilienhäuser.

Herr Ebert, wie sind Sie angekommen in Ihrer Aufgabe als hauptamtlicher Vorstand der Kreisbau?

Nikolaus Ebert: Gut. Es gibt bei der Kreisbau viele Aufgaben, die den Aufgaben einer Gemeinde ähneln. Die Kreisbau erschließt zum Beispiel gerade ein Neubaugebiet. Gemeinsam mit der Gemeinde Mögglingen haben wir den Bebauungsplan entwickelt, die Altsubstanz abbrechen lassen, die Tiefbauarbeiten vergeben und bereiten für den ersten Bauabschnitt bereits die Hochbauplanung vor. Ich bin insbesondere deshalb gut angekommen, weil wir uns bei der Kreisbau als Team gut verstehen.

Ottmar Schweizer, Georg Ruf, Nikolaus Ebert: Ist es Voraussetzung ehemaliger Bürgermeister zu sein, um bei der Kreisbau eine Führungsposition zu bekleiden?

Es ist auf jeden Fall kein Ausschlusskriterium. Es ist von Vorteil, wenn man Erfahrung in den Bereichen Verwaltung, Planen und Bauen mitbringen kann. Es gibt einfach Bürgermeister, die haben da ein vertieftes Interesse.

Sie wohnen noch in Unterschneidheim. Gibt es einen Austausch mit Ihrem Nachfolger als Bürgermeister, Johannes Joas?

Wir haben die Übergabe intensiv vorbereitet und strukturiert absolviert. Es gibt darüber hinaus keinen Austausch mehr. Was aber auch ganz in Ordnung ist. Er ist jetzt der Bürgermeister der Gemeinde Unterschneidheim. Er kann die Geschicke der Gemeinde nun mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Mitgliedern des Gemeinderats und der Ortschaftsräte lenken.

Die Kreisbau ist, im Gegensatz zur Aalener Wohnungsbau, keine Tochter der Stadt oder des Landkreises, sondern eine Genossenschaft. Wo liegt da der Unterschied?

Bei der Kreisbau Ostalb bilden die Genossinnen und Genossen die Genossenschaft. Laut Satzung ist es insbesondere unsere Aufgabe, unseren Mitgliedern Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand besteht aus meiner Person und Georg Ruf. Auch bei uns gibt es einen Aufsichtsrat, der uns begleitet und überwacht. Die Mitgliederversammlung erteilt bei ordnungsgemäßer Geschäftsführung die Entlastung.

Wie unterscheidet sich Ihre Aufgabe als hauptamtlicher Vorstand von den Aufgaben des nebenamtlichen Vorstands, Georg Ruf?

Herr Ruf und ich stimmen uns in den größeren Investitionsentscheidungen sowie in Fragen von grundsätzlicher Bedeutung ab. Da besteht ein Vier-Augen-Prinzip. Meine Aufgabe besteht darin, die vom Vorstand und Aufsichtsrat formulierten Unternehmensziele zu realisieren.

Was geschieht mit Gewinnen?

Die Mitglieder der Genossenschaft bekommen für ihren Geschäftsanteil eine Dividende. Für das Geschäftsjahr 2021 werden das drei Prozent sein. Der verbleibende Teil wird reinvestiert.

Worin reinvestiert?

In Neubauprojekte, aber auch in die Unterhaltung unseres Wohnungs- und Gewerbebestandes. Wir haben einen Bestand von 650 Wohnungen. Da ist die Instandhaltung eine Daueraufgabe. Wir benötigen außerdem Geld für die Instandhaltung unserer gewerblichen Objekte.

Wie hoch ist die Durchschnittsmiete der Wohnungen in Ihrem Bestand?

Die Durchschnittsmiete beträgt 6,80 Euro pro Quadratmeter. Durchschnittsmiete heißt: Es gibt auch günstigere Wohnungen in Gebäuden älteren Baujahrs, aber auch teurere Wohnungen in Neubauten.

Wo geht die Preisentwicklung hin?

Nach oben. Das liegt an der allgemeinen Preisentwicklung. Aktuell sorgen die Unterbrechung von Lieferketten wegen Corona, steigende Rohstoffpreise und die reduzierten Erdgaslieferungen nach Deutschland für massive Preiserhöhungen im Neubau. Parallel dazu ist der Fachkräftemangel immer deutlicher zu spüren. Wir müssen Reparaturen langfristiger planen. Baustoffe, Bauelemente und Hilfsmittel kosten merklich mehr als vor drei Jahren.

Auch die Nebenkosten steigen. Was würden Sie Mieterinnen und Mietern empfehlen?

Wir schreiben Mieterinnen und Mietern an und bitten, dass Sie ihre Vorauszahlungen anpassen lassen. Wer das nicht möchte, dem raten wir dringend, Geld auf die Seite zu legen.

Wie viel Geld sollten Mieterinnen und Mieterinnen zur Seite legen?

Etwa 30 Prozent zusätzlich zu den bisherigen Nebenkosten. Dazu informieren wir auch über Möglichkeiten, Energie zu sparen. Auch wir sind aktiv, damit die Kosten begrenzt werden können. Vor Beginn der Heizperiode werden die Heizanlagen durch Fachfirmen im Rahmen eines Wartungsvertrages überprüft. Durch die Kostenexplosion der Betriebsstoffe gilt es die Heizanlagen zu optimieren: Sind alle Rohrleitungen komplett gedämmt, ist die Zeitschaltuhr für die Umwälzpumpe richtig eingestellt, müssen die Umwälz- oder Förderpumpen durch effizientere ersetzt werden? Wir werden die Nachtabsenkung der Heizung wieder aktivieren müssen. Da wir reagieren müssen, können wir nicht mehr allen Bewohnerinnen und Bewohnern gerecht werden. Die Wirkungen werden bei jedem von uns ankommen.

Sind geplante Neubauprojekte gefährdet?

In Bopfingen und Schechingen planen wir neue Wohnanlagen. Bei beiden Vorhaben sind die Bauanträge eingereicht. Parallel dazu werden die Werkpläne bearbeitet und die Leistungsverzeichnisse für die Ausschreibungen vorbereitet. Sobald die Ausschreibungsergebnisse vorliegen, wird man über einen Baubeginn entscheiden können.

Sind Sie in Bopfingen und Schechingen bereits in die Vermarktung eingestiegen?

Nein, denn die erste Frage, die Erwerberinnen und Erwerber stellen ist: Was kostet es? Und im Moment ist es schwierig zu kalkulieren. Eine Möglichkeit ist, den Verkauf anders zu gestalten. Wir erwägen die Verkaufspreise festzulegen, nachdem der Rohbau im Wesentlichen erstellt ist. Das bringt für alle am Verfahren Beteiligten mehr Kostensicherheit. Offen ist die Frage, wie der Markt auf die gestiegenen Quadratmeterpreise reagieren wird.

Wie weit sind die Projekte in Iggingen, Lindach und Ellwangen?

In Iggingen haben wir in den vergangenen Wochen die Wohnungen an die Eigentürmer übergeben. Die Wohnungen im „betreuten Wohnen“ sowie die Tagespflege werden wir im Herbst an den DRK Kreisverband Schwäbisch Gmünd übergeben können. Derzeit werden die Außenanlagen hergestellt. In Lindach werden wir die Wohnungen an die Eigentümerinnen und Eigentümer sowie die Senioren-Wohngemeinschaft an den DRK Kreisverband Schwäbisch Gmünd voraussichtlich Ende des Jahres übergeben. Mit dem Bauverlauf des Projekts in Ellwangen im Quartier Karl-Stirner-Straße / Sophie-Probst-Straße sind wir sehr zufrieden. Alle wesentlichen Gewerke sind bereits vergeben. Nachdem das Dach hergestellt und die Fenster einbaut wurden erfolgt derzeit der Innenausbau.

Die Aufgaben der Kreisbau Ostalb

Die Kreisbau baut neue Mehrfamilienhäuser im ganzen Ostalbkreis und verkauft oder vermietet die Wohnungen. Zum Bestand gehören rund 650 Mietwohnungen, aber auch mehrere gewerbliche Objekte wie das Pflegeheim Vinzenz von Paul in Großdeinbach oder das Ärztehaus in der Weidenfelder Straße in Aalen.

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