Kriegsflüchtlinge könnten ins leere DRK-Pflegeheim in Bopfingen

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Das DRK-Pflegeheim in Bopfingen soll Unterkunft für Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine werden.
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  • Ulrike Schneider
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Welche Überlegungen es aktuell im Ostalbkreis gibt, um aus der Ukraine geflüchtete Menschen aufzunehmen.

Bopfingen/Aalen. In Bopfingen könnte eine größere Zahl von Menschen aus der Ukraine unterkommen. Auch in anderen Städten und Gemeinden wird zielstrebig nach möglichen Unterkünften gesucht. Ein erster Überblick.

Im vergangenen Jahr wurde es geschlossen, jetzt rückt das ehemalige DRK-Pflegeheim in Bopfingen in den Blickpunkt, wenn es um die Unterbringung von aus der Ukraine geflüchteten Menschen geht. Entsprechende Pläne bestätigt der DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner.  Hintergrund: Im vergangenen Jahr war beschlossen worden das Pflegeheim aufzugeben, stattdessen wurde ein Neubau geplant. Das Heim in Bopfingen könne jetzt dazu genutzt werden, Menschen aus der Ukraine zu beherbergen, sagt Wagner.  Wann die ersten Flüchtlinge dort ankommen, ist noch unklar. „Wir gehen aber davon auch, dass das in den nächsten Wochen geschehen wird“, berichtet Wagner. Immerhin gebe es in Bopfingen im ehemaligen Pflegeheim 66 Bewohnerzimmer in denen, so Wagner, bis zu 100 Personen untergebracht werden könnten. Das Heim eigne sich gut, weil der Rückbau – das Heim soll abgerissen werden - noch nicht begonnen wurde. Es ist auch nicht völlig auf Null heruntergefahren: Tagespflege und Wäscherei seien ja noch in Betrieb, wenn auch in einem anderen Gebäudetrakt. Vom Prinzip her laufe es so, dass das DRK die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, im Boot sind das Landratsamt und die Stadt Bopfingen. „Eigentümer sind wir, bekommen dann eine Miete“, erläutert Wagner - darum, um die Miete, gehe es dem DRK aber nicht. „Wir wollen die Leute auch betreuen und versorgen“, betont der DRK-Chef. Es gehe in allererste Linie „um die Not der Leute, darum dass diese Menschen menschenwürdig untergebracht sind, mit einer gewissen Privatsphäre“, so Wagner. Unter den Kriegsflüchtlingen seien viele Frauen mit kleinen Kindern, eine zusammengewürfelte Gemeinschaft. „Wir wollen eine gemeinschaftliche Unterkunft schaffen, eigentlich ein Gästehaus, denn für uns sind das Gäste“, sagt Wagner.  

Aalen. Die Stadt Aalen habe ein zentrale Koordinierungsstelle für Unterstützungsangebote für die Menschen aus der Ukraine eingerichtet. Das berichtet Pressesprecherin Karin Haisch. Per E-Mail an integration@aalen.de und unter Tel. (07361) 52 2851 können Spendenaufrufe oder Hilfsangebote weitergeleitet werden. Die Stadt will diese Anfang nächste Woche unter www.aalen.de/hilfefürdieukraine veröffentlichen. Dort würden auch die Anworten zu häufig gestellten Fragen stehen und die Kontaktdaten der Ansprechpersonen zu ausländerrechtlichen Fragen und Wohnraum angegeben. "Zudem planen wir einen Wohnraum-Aufruf in Abstimmung mit der städtischen Wohnungsbau", sagt Haisch.

Abtsgmünd. "Wir gehen davon aus, dass in Kürze die ersten Flüchtlinge zu uns kommen", sagt der Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel. Es hätten sich bereits die ersten Bürgerinnen und Bürger bei der Verwaltung gemeldet und signalisiert, dass sie Wohnraum zur Verfügung stellen könnten. "Dieses Engagement freut mich sehr", betont der Schultes - vor allem im Hinblick darauf, dass die kommunalen Unterkünfte von Flüchtlingen aus anderen Krisenregionen belegt seien.  Er stehe im Kontakt zum Landratsamt, um abzustimmen wie viele ukrainische Flüchtlinge zunächst in privaten Unterkünften in Abtsgmünd aufgenommen werden können. Kiemel rechnet damit, dass noch viele Flüchtlinge in die Region kommen werden, zumal hierher zahlreiche verwandtschaftliche und freundschaftliche Kontakte bestünden.

Oberkochen. Wie seine Bürgermeister-Kolleginnen und Kollegen hat auch Peter Traub in einer Video-Konferenz mit dem Landratsamt Hilfe zugesichert. "Wir sind bereit, entsprechend Wohnraum zur Verfügung zu stellen", sagt der Oberkochener Stadtoberhaupt. Neben der Bitte um private Initiativen werde die Stadt so schnell wie möglicht derzeit nicht bewohnte städtische Wohnungen so zu renovieren, dass "es dort warm ist, Licht gibt und man kochen kann". Doch das Oberkochener Hilfe-Engagement reicht bis nach Ungarn. "Ich habe am Dienstag eine E-Mail an Mátészalka geschickt und Hilfe angeboten", erzählt Bürgermeister Traub. Oberkochens ungarische Partnerstadt liegt 30 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und ist Ziel vieler Flüchtlinge. Noch warte er auf Antwort von dort. Zudem steht Peter Traub noch in Kontakt zu einem ukrainischen Bürgermeister - über dessen in Giengen lebenden Sohn. "Die Bitte um militärische Unterstützung können wir nicht erfüllen, das ist Aufgabe des Bundes", betont der Schultes. Weitere Hilfe sichert der Oberkochener Bürgermeister aber auch dem Katastrophenschutz zu. "Hier werden wir je nach Bedarf Hilfsgüter liefern", sagt er und nennt als Beispiel Notstromaggregate. Priorität hat für Traub allerdings die Unterbringung der geflüchteten Menschen.

Ellwangen. "Bisher sind uns circa 15 Personen bekannt, die privat bei Familien oder Freunden Unterkunft gefunden haben", sagt Ellwangens Pressesprecher Olaf Thielke. Kommende Woche würden sich die ersten Flüchtlinge im Bürgerbüro der Stadt anmelden. Vorrang habe zunächst eine private Unterbringung bei Verwandten oder Freunden. Ist dies nicht möglich, sollen öffentliche Unterbringungsmöglichkeiten in Anspruch genommen werden. 

Zudem sei ein Aufruf geplant, eventuelle Leerstände der Stadtverwaltung zu melden. "Wichtig ist zunächst, dass die Flüchtlinge eine Unterkunft erhalten", so Thielke. "Wir gehen aber davon aus, dass sich Ellwanger Bevölkerung sehr solidarisch zeigen wird", ist der Sprecher der Stadt überzeugt. Die Stadt Ellwangen zudem habe einen Krisenstab eingerichtet, der sich erstmals in der nächsten Woche treffen werde. Zur Vorbereitung wurde bereits ein "Arbeitskreis Flüchtlingskoordination" installiert, um die zu erwartenden Anrufe und Nachfragen aus der Bevölkerung zentral zusammenzuführen.

Es sei zudem davon auszugehen, dass die Flüchtlinge stark psychisch und körperlich belastet sind. Das weitere Vorghen solle auch hier zeitnah abgestimmt werden. "Die Stadt Ellwangen wird hier sicher Verantwortung übernehmen", betont Olaf Thielke. Sei es für die Geflohenen oder die Menschen, die diese derzeit unterstützen. "Nähere Details und Verfahrensweisen müssen aber noch festgelegt werden."

Neresheim. "Aktuell führen wir Gespräche, damit wir Wohnraum zur Verfügung stellen können", sagt der Neresheimer Bürgermeister Thomas Häfele. Die städtischen Flüchtlingsunterkünfte bereits belegt. So konzentriere sich seine Bitte auf jene Neresheimerinnen und Neresheimer die Räume und Wohnungen zur Verfügung stellen können. "Wir suchen auch einen Übersetzer oder eine Übersetzerin für Ukrainisch", sagt Häfele und nennt als Kontakt-Adresse das städtische Ordnungsamt.

Die Taskforce des Landratsamtes

Was bislang geschah: Die Task-Force Ukraine unter Leitung von Landrat Dr. Bläse habe am Montag ihre Arbeit aufgenommen, teilt das Landratsamt mit. Am Dienstag fand eine Abstimmungsrunde mit den 42 Städten und Gemeinden des Landkreises statt. Das wichtigste Thema ist das Generieren von Wohnraum für ukrainische Kriegsflüchtlinge. Es wurde vereinbart, dass die Städte und Gemeinden zunächst selbst Aufrufe zur Wohnraumsuche starten und diese Angebote sammeln. Zusätzlich unterstützt die Task-Force Ukraine des Landkreises mit der eingerichteten E-Mail-Adresse, unter der auch Meldungen angenommen werden: wohnraum-ukraine@ostalbkreis.de.

Landrat sucht Möglichkeiten zur Unterbringung von Geflüchteten

„Abzuwarten bleibt die Klärung der rechtlichen Lage“, heißt es weiter aus dem Landratsamt. Am Donnerstag steht die Entscheidung, ob die Massenzustrom-Richtlinie EU-weit aktiviert wird, auf der Tagesordnung der EU-Innenministersitzung in Brüssel. Die Richtlinie besagt eine EU-weit koordinierte Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen außerhalb des individuellen Asylverfahrens und des Dublin-Verfahrens. „Wir wären froh, wenn diese Richtlinie aktiviert wird und wir alle zügig eine rechtliche Sicherheit hätten wie es weitergehen kann“, so Landrat Dr. Joachim Bläse und weiter: „Bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten seitens der Städte und Gemeinde sind wir als Kreis auch an größeren Liegenschaften oder Gebäuden interessiert“, sagt Bläse. Damit würde eine gewisse Flexibilität entstehen. Eine entsprechende Meldung könne über Kommunen oder das Portal des Landratsamtes erfolgen.

Derzeit seien einige Privatinitiativen wie am Schönblick in Schwäbisch Gmünd gestartet bzw. geplant. Wichtig sei, dass solche Überlegungen vorab und frühzeitig mit den Kommunen abgestimmt werden, damit die wichtigen Punkte wie Unterbringung und Unterstützung vorab besprochen werden können. Dies habe sich gerade auch bei der Initiative des Schönblick gezeigt.

Im Bereich Sach- und Geldspenden haben sich die Kommunen und der Landkreis darauf geeinigt, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Spenden über den Kreis oder die Kommunen gesammelt werden, da im Landkreis aktuell noch keine ukrainischen Flüchtlinge untergebracht sind, weshalb aktuell Spenden noch nicht zweckgerecht verwendet oder eingesetzt werden können. Viele der Geflüchteten befinden sich aktuell noch in Nachbarländern und auch Menschen in der Ukraine benötigen Hilfe.

Es gibt zahlreiche Spendenaufrufe von großen Organisationen und auch Privatpersonen, die unterstützt werden können. Zu einem späteren Zeitpunkt kann es sein, dass die Kommunen und der Kreis einen Spendenaufruf starten werden. Dies wird dann öffentlich bekannt gegeben.

 Die Task-Force Ukraine des Landkreises tagt am Freitag erneut nach der EU-Innenministersitzung, um weitere Schritte zu besprechen.

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Aus dem SchwäPo-Archiv: Blick in den Speisesaal des ehemaligen DRK-Pflegeheims in Bopfingen.

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