Kunst auch in Zeiten des Lockdown

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Valeria Waibel präsentiert Werke des 2019 verstorbenen Künstlers Eckhart Dietz. Darunter auch viele Arbeiten, die bis jetzt kaum zu sehen waren.

Werke des 2019 verstorbenen Gmünder Künstlers Eckhart Dietz sind zwischen Geburtstag und Todestag zu sehen. Zunächst geht das nur online.

Die Kunst von Eckhart Dietz wiedersehen und auch neu entdecken: Das erlaubt die erste Ausstellung nach dem Tod des Schwäbisch Gmünder Künstlers im Januar vergangenen Jahres. Sie sollte an seinem Geburtstag, dem 31. Oktober, eröffnet werden und bis zu seinem Todestag am 2. Januar dauern. Jetzt müssen sich Kunstfreunde gedulden. "Wir bereiten eine virtuelle Präsenz in Facebook vor", sagt Valeria Waibel, langjährige Lebensgefährtin des Künstlers. Damit soll die Zeit des Lockdown überbrückt werden.

Eckhart Dietz prägte wie nur wenige außer ihm die Künstlerszene der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Stadt zählte er in den 1960er-Jahren zu den "Jungen Wilden", war dabei, als die Gruppe um Walter Giers, Hans Kloss, Arnulf Letto und Ed Sommer den Protest in den Gmünder Kunstverein trug. Eckhart Dietz ließ sich aber nie vereinnahmen, machte sein Ding und erfand seine eigene Formensprache.

Viele wird das in der Ausstellung erstaunen: Die Skulpturen der 1960er-Jahre sind zu seinen Lebzeiten kaum aufgetaucht. In Ausstellungen spielten vor allem die "Tanzenden" der späteren Jahre eine Rolle. "Rädchen" nannte der Künstler die frühen Arbeiten, die Industrieästhetik, Bewegung und vielleicht sogar Tanz vereinen. Dazu versuchte sich Eckhart Dietz um 1965 erstmals mit dem damals neuen Werkstoff Styropor als Gussvorlage.

Die Inhalte änderten sich in den 1970er-Jahren. Er beschäftigte sich mit Kunsttheorien, erklärte in zwei Bänden "Das Schiefe und das Rechte" und fand in der Bewegung der Figur seine neue Aufgabe.

Meister der Bewegung

Die ersten "Tanzenden" entstanden nach Besuchen in Gmünder Diskotheken, im "Centrum" und im "Candy". Valeria Waibel erinnert sich an Erzählungen Eckhart Dietz', wie sehr der Psychedelic Rock diesen Tanzstil beeinflusst hat, wie die jungen Leute schwebten. Später saß der Künstler mit Zeichenblock und Stift oft in den Tanzstudios Sabine Widmann, unzählige Blätter entstanden, die er fein säuberlich sortierte, die bis heute einen Großteil seines Werks ausmachen. Parallel dazu formte Eckhart Dietz zahlreiche Skulpturen, deren Produktion er in der Gießerei Gatter selbst verfolgte.

Wir bereiten eine virtuelle Präsenz in Facebook vor.

Valeria Waibel

Kaum einem Künstler gelang es wie ihm, extreme Gegensätze in der Skulptur zu vereinen. Die fließenden Tanzbewegungen auf der einen, die schroffen und kantigen Linien auf der anderen Seite. Die Figuren aus Aluguss, oft nur spärlich entgratet, sind Ausdruck fortwährender Bewegung. Gefällige Kunst überließ er anderen, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Erfolge. Die waren ihm schlicht egal.

Dietz war Lehrbeauftragter an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste, gab Seminare an den Pädagogischen Hochschulen in Gmünd und Ludwigsburg und war gefragter Redner, wenn es an der Hochschule für Gestaltung um dreidimensionales Gestalten ging.

Als der Künstler 2019 starb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Die Bearbeitung seines Nachlasses fand im Verborgenen statt. "Um seiner Kunst wieder einen Platz im öffentlichen Leben zu geben", hat Valeria Waibel in den Räumen der ehemaligen Kreissparkassen-Filiale in der Buchstraße in Schwäbisch Gmünd einen temporären Projektraum eingerichtet.

Die Ausstellung "Projektraum Eckhart Dietz" geht bis zum 2. Januar. Wegen der Corona-Beschränkungen sollen Werke demnächst online zu sehen sein. Gezeigt werden Skulpturen und Zeichnungen.

Die Zeichnung war für Eckhart Dietz immer bedeutend.
"Rädchen" nannte der Künstler frühe Technik-Werke.

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