Landratsamt: Anzahl der Soldaten soll verdoppelt werden

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Vor zwei Wochen sind 20 Soldatinnen und Soldaten auf die Ostalb gekommen, um das Landratsamt zu unterstützen.

Landrat Bläse zieht erste Bilanz nach zweiwöchiger Unterstützung durch die Bundeswehr und informiert über die Systemumstellung bei den Kontaktaufnahmen. Wo aktuell die Schwierigkeiten liegen.

Aalen. Seit Montag vergangener Woche sind 20 Soldatinnen und Soldaten des Transporthubschrauber-regiments 30 aus Niederstetten für den Ostalbkreis im Einsatz. Anlass für Landrat Dr. Joachim Bläse, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen und die Öffentlichkeit über die damit einhergehende Änderung der Abläufe bei der Landkreisverwaltung und im Gesundheitsamt zu informieren. Das teilt das Landratsamt in einer Pressemeldung am Freitag mit.

Anzahl der Soldaten verdoppeln: Nach der ersten Woche des Teil-Lockdowns sei im Ostalbkreis erwartungsgemäß noch kein signifikanter Rückgang der Neuinfektionen spürbar. Auf den Weg gebracht werde deshalb ein erweiterter Amtshilfeantrag, um die Kräfte der Bundeswehr zu verdoppeln und die Einsatzzeiten zu verlängern. 

Zwischenbilanz nach Woche 1:  "Seit Anfang Oktober dieses Jahres bis heute haben sich rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger neu mit dem COVID-19-Virus infiziert", berichtet Bläse. "Da die meisten Menschen bis zum 2. November, also dem Beginn des erneuten Teil-Lockdowns, einem weitgehend uneingeschränkten Alltag nachgegangen sind, hatte jeder und jede Neuinfizierte durchschnittlich zwischen zehn und 20 Kontaktpersonen 1. Grades." Alle Infizierten und all diese Kontaktpersonen galt es zu erreichen, zu informieren und mittels einer förmlichen Verfügung zur häuslichen Isolation bzw. zur Quarantäne zu verpflichten. "Eine Herkulesaufgabe, die das Gesundheitsamt und auch die Landkreisverwaltung allgemein trotz personeller Querverstärkung kaum mehr bewältigen konnte. Vor allem in der letzten Oktoberwoche hat sich eine Bugwelle aufgebaut", so der Landrat. 

Verstärkung bei der Kontaktnachverfolgung: Neben den 20 Soldatinnen und Soldaten arbeiten aus dem Gesundheitsamt und anderen Bereichen der Kreisverwaltung im Schichtbetrieb mittlerweile 60 Beschäftigte sowie zwei Unterstützungsteams mit Beschäftigten aus Kommunen, Kliniken und Kreissparkasse an der Information der Neuinfizierten, in der Kontaktpersonennachverfolgung, in der Entisolierung, in Abstrichteams und für die Terminvergaben der Abstrichstelle in Aalen.

Weitere 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamt bedienen im Schichtbetrieb die Corona-Hotlines. Naturgemäß sind die Kräfte der Bundeswehr und die große Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die inzwischen aufgewachsen ist, dezentral räumlich untergebracht.

Neue Softwaren: "Um mittel- und langfristig den Workflow möglichst effizient zu gestalten, waren wir in der Hochphase der zweiten Pandemiewelle nun gezwungen, eine neue Software einzuführen, um alle notwendigen Verfahrensschritte möglichst weitgehend automatisieren zu können", erläutert Bläse weiter. "Da es bislang nach wie vor kein landes- oder bundesweit einheitliches System gibt, haben wir uns für die Software SORMAS entschieden. Gemeinsam mit der Bundeswehr arbeiten wir jetzt mit Hochdruck daran, die Workflows einzurichten. Gleichzeitig müssen wir aber auch unseren bisherigen Datenbestand in SORMAS überführen, was nicht automatisiert möglich ist. Dazu gehören neben den Daten von über 3000 Infizierten auch Daten von mehreren Tausend Kontaktpersonen. Erst wenn wir mindestens die Daten der Fälle der vergangenen zwei Wochen im System haben, können wir wieder gemeindegenau Infiziertenzahlen publizieren. Wir wollen Ihnen ganz bestimmt keine Zahlen vorenthalten, dies versichere ich Ihnen! Vielmehr arbeiten wir parallel daran, Ihnen so schnell wie möglich die Infektionslage im Kreis wieder so transparent wie möglich zu machen."

Soldaten unterstützen bei der Kontaktaufnahme: Die Kontaktaufnahme mit Infizierten erfolgt neuerdings nicht mehr ausschließlich durch Personal des Gesundheitsamts. Ab kommender Woche werden also alle Neuinfizierten sowie deren Kontaktpersonen - mit Ausnahme von Fällen in Schulen, Kitas und Pflege- sowie Behinderteneinrichtungen - von den Kräften der Bundeswehr kontaktiert. Dadurch kann sich das ärztliche Personal des Gesundheitsamts mehr auf die Betreuung der Gemeinschaftseinrichtungen fokussieren. Verwaltungsteams werden sich dann um den "hoheitlichen" Bereich kümmern, um die Isolations- und Quarantänebescheide mit den Kommunen auf den Weg zu bringen. 

Grund für verspätete Schreiben: "Angesichts des enormen Arbeitspensums können wir trotz erheblichen Personaleinsatzes leider nicht definitiv ausschließen, dass wir alle Altfälle in zufriedenstellendem Umfang erfasst und bearbeitet haben. Immer wieder kann es deshalb bis auf Weiteres vorkommen, dass Einzelfälle bekannt werden, die mehrere Tage auf einen Kontakt mit uns warten mussten. Es kann in nächster Zeit auch vorkommen, dass Schreiben und Bescheide versandt werden, obwohl die Isolations- und Quarantänefristen bereits abgelaufen sind. Dafür bitte ich alle Betroffenen um Verständnis und gleichzeitig bitte ich Sie aber auch darum, sich bei einem positiven Corona-Test oder als enge Kontaktperson auch ohne behördliche Anordnung in Isolation bzw. Quarantäne zu begeben. Wir alle tun unser Möglichstes, um die Flut zu bewältigen, und sowohl die Bundeswehr-Kräfte als auch die Beschäftigten des Gesundheitsamts geben ihr Bestes", bittet der Landrat um Unterstützung. 

Zahlenabweichung durch Meldeverzug: Die tägliche Meldung der Infiziertenzahlen an das Landesgesundheitsamt sei von dieser Systemumstellung allerdings nur bedingt betroffen, da dies über ein anderes System namens Octoware erfolgt. Dass die vom Ostalbkreis gemeldeten Gesamtzahlen und damit auch die 7-Tage-Inzidenz von denen abweichen, die das Landesgesundheitsamt und das Robert-Koch-Institut täglich melden, liege hauptsächlich im Meldeverzug. Dieser entstehe aufgrund der hohen Zahl an Neuinfektionen, die landes- und bundesweit von den Landkreisen gemeldet, von den Landesgesundheitsämtern geprüft und wiederum weitergeleitet werden müssen. "Wir geben laufend Daten zu Neuinfektionen ein. Dennoch kann es natürlich sein, dass Teile unsere Meldungen erst mit dem Update des nächsten Tages im Landes- und Bundessystem landen", räumt Landrat Dr. Bläse ein.

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