Leuchttürme für die Ostalb-Zukunft

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Der Hochschulcampus auf dem Burren: Das Wissen dort, etwa über Künstliche Intelligenz (KI), in er einer KI-Werkstatt für den Mittelstand in die Wirtschaft transferieren, ist ein Projekt.
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Im Ostalbkreis will man mit nachhaltigen Innovationen den Herausforderungen von Digitalisierung und Klimawandel begegnen – drei Projekte stechen dabei besonders heraus.

Aalen

Das Ziel ist schlicht formuliert – und doch die Herausforderung, vor der die Ostalb steht: Zukunft heißt dieses Ziel. Landrat Dr. Joachim Bläse zurrt den Rahmen fest zu Beginn einer Veranstaltung in der Reihe Kreisentwicklungsdialog, in dem es um nachhaltige Innovationen im Ostalbkreis geht, um Zukunftsideen "für Mensch und Umwelt". Drei dieser Ideen sind die "Leuchtturmideen" des Ostalbkreises, "für die wir auf eine Prämierung durch die Regio-Win-Jury hoffen", wie Landrat Bläse sagt. Eingereicht werden sollen alle drei Vorschläge. Am 18. Dezember will der Landkreis die Bewerbung einreichen – allerdings mit einer Priorisierung. Und, so lässt sich vermuten, je höher die einzelnen Projekte eingestuft werden, desto eher werden sie gefördert.

Im Kreisentwicklungsdialog, wegen Covid-19 virtuell abgehalten, wurden die Leuchttürme am Montag vorgestellt.

Leuchtturm Nummer 1: In diesem Projekt, vorgestellt von Professor Dr. Heinz-Peter Bürkle, Prorektor der Hochschule Aalen, geht es um Künstliche Intelligenz (KI) und darum, wie diese den Unternehmen in der Region helfen kann. Dazu soll, so die Projektidee, eine "KI-Werkstatt Mittelstand" gegründet werden. Basis dafür sei die "starke KI-Forschung an der Hochschule Aalen", auf die Bürkle verweist. Ziel sei es, mehr von diesem Wissen von der Hochschule an die Wirtschaft und in den Ostalbkreis insgesamt zu bringen. Dies soll über Transfermanager geschehen, die in Unternehmen und Start-ups im ersten Schritt Innovationspotenziale aufspüren. Im nächsten Schritt sollen Experten mit KI-Kenntnissen technische Machbarkeiten überprüfen und Prototypen erstellen. Dann kommen die Business-Spezialisten der Hochschule und prüfen die Marktchancen – und schließlich geht's um die Umsetzung des Produktes. Flankiert wird das Projekt einer KI-Mittelstandswerkstatt von einer "KI-Erlebniswelt", die helfen soll, der ganzen Gesellschaft, Schülern, Jugendlichen, Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmern und Politikern das Thema KI näher zu bringen, eventuell in Kooperation mit dem Explorhino-Science-Center. Umgesetzt werden soll dies am "Digital Innovation Space" auf dem Campus in Aalen, das in Kürze gebaut wird.

Leuchtturm Nummer 2: Hoch hinaus wollen die Fürsprecher des Projektes eines Albturmes. Nichts weniger als den höchsten Holzturm Deutschlands wollen die Heubacher bauen – und nicht nur das: Angeflanscht an den Turm wird ein Zukunftsforum, eine "Plattform zum gesellschaftlichen Diskurs zum klimaneutralen Wandel von Energie, Ressourcen, Landnutzung und Urbanisierung" sowie "zur Vernetzung der Pioniere des Wandels aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft" in Gebäuden "mit einer besonderen Architektur am Albtrauf bei Heubach", wie es in der Projektbeschreibung heißt. Wie das aussehen könnte, das stellten der Heubacher Bürgermeister Frederick Brütting und seine Mitstreiter, die Professoren Dr. Jürgen Graf und Ralf Dringenberg, vor. Der Albturm wird um einen ehemaligen Richtfunkturm herum gebaut. Der steht auf dem Utzenberg – und wird seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr genutzt, weswegen die Stadt Heubach das gesamte Gelände dort von der Bundeswehr abgekauft hat, wie Brütting erklärte. Der Albturm wird aus acetyliertem Buchen-Furnierschichtholz gebaut und ist mit 61,5 Meter Höhe der höchster Holzturm Deutschlands. Er soll durch ein zu 100 Prozent in "zirkulärer Wertschöpfung" entwickeltes Zukunftsforum komplettiert werden. Im Albturm und im Zukunftsforum sollen "Transformationsstrategien digital vermittelt" werden. Zielgruppen sind Betriebe aus der Bauwirtschaft, Kommunen und Bauämter, sowie Wissenschaftler, Architekten, Ingenieure, Bauherrn und interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Leuchtturm 3 ist das Transferzentrum für Effizienz, Klimaschutz und Klimaanpassung Ostalb, kurz Tekko, ein Projekt, das Professorin Dr. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen vorstellte. Die Folgen des Klimawandels, so ihre These, würden "sowohl die Kommunen als auch die Unternehmen, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen", kurz KMU, "mit besonderer Härte treffen". Sie benötigten daher "dringend Unterstützung durch lokale Dienstleister, um die Anforderungen der Klimaanpassung stemmen zu können". Da dies "sehr stark" mit den Themen erneuerbare Energien, Ressourceneffizienz und Digitalisierung verknüpft sei, biete sich "die Bündelung von regionaler Kompetenz" zur Bildung eines Transferzentrums "Effizienz, Klimaschutz und Klimaanpassung", kurz Tekko, an. Der besondere Mehrwert des Transferzentrums werde durch die Kombination aus Beratung, Weiterbildung und Netzwerkbildung, der Erhöhung der Sichtbarkeit und Nachvollziehbarkeit von aktuellen technischen Lösungen und der "Stimulierung von neuen Geschäftsideen" erreicht. Im Fokus stehen dabei Start-ups, KMU und Kommunen. Neue Geschäftsmodelle und verbesserte Abläufe in Produktion und Logistik, unterstützt durch Wissenschaft und Forschung, sollen für einen "marktorientierten Klima- und Umweltschutz stehen und dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen". Zudem soll in der Bürgerschaft ein Bewusstsein für die Themen Klimaschutz, Klimafolgenanpassung, Umweltschutz und Ressourceneffizienz geschaffen werden. Das Tekko soll ein Transferzentrum "im Netzwerk der schon bestehenden regionalen Akteure" werden – und da passt es gut, dass sich Martina Hofmann als Sitz des Tekkos eine ehemalige Fabrikanlage wünscht, um so den nachhaltigen Wandel auch architektonisch auszudrücken.

Es geht um Zukunftsideen für Mensch und Umwelt.

Dr. Joachim Bläse Landrat

Der Wettbewerb: Der Wettbewerb Regio-Win steht für "Regionale Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation und Nachhaltigkeit". Es handelt sich dabei um einen Wettbewerb des Landes Baden-Württemberg zur Ausgabe von Strukturfördermitteln der EU und des Landes. Regionen, die sich an diesem Wettbewerb beteiligen wollen, müssen dafür ein regionales Entwicklungskonzept und darauf aufbauende Projekte erarbeiten.

Bisherige Erfolge: Der Wettbewerb wurde bereits 2014 zum ersten Mal aufgerufen. Damals hat sich der Ostalbkreis erfolgreich beteiligt und eine Förderung für die Leuchtturmprojekte "Zentrum Technik für Nachhaltigkeit (ZTN)" an der Hochschule Aalen – dessen Eröffnung aktuell am 2. November war – und "Europäische Ausbildungs- und Transferakademie (EATA)" in Ellwangen erhalten.

Der aktuelle Wettbewerb: Der Ostalbkreis beteiligt sich aktuell mit der Innovationsstrategie NiO an dem aktuell ausgerufenen Wettbewerb. NiO steht für "Nachhaltige Innovationen im Ostalbkreis – Zukunftsideen für Mensch & Umwelt". In diesem Zusammenhang werden Leuchtturmprojekte gefordert – die am Montag vorgestellt worden sind. Jetzt erarbeitet der Landkreis ein Bewertungsschema, um die Projekte so zu priorisieren, dass sie gut zu dem passen, was sich das Land von den Regio-Win-Projekten wünscht. Bedeutet: Das Projekt, von dem der Landkreis am ehesten erwartet, dass es die Kriterien erfüllt, wird höher priorisiert als ein anderes. "Gut sind die Projekte alle", sagte Landrat Bläse.

So soll er aussehen, der Albturm in Heubach, der noch durch ein Zukunftsforum ergänzt wird. Montage: Stadt Heubach
In einer alten Fabrik soll Tekko unterkommen. Archivfoto: opo

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