Lohengrin in Neresheim und Heidenheim

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Die sechs Solistinnen und Solisten von d'accord in der Härtsfeldhalle Neresheim.

Das Ensemble d'accord bringt starke Musik mit Motiven von Richard Wagner in die Härtsfeldhalle.

Sechs Musikerinnen und Musiker trotzen mit einer Adaption der Wagner-Oper Lohengrin vor kleinem Publikum der Verwüstung des Konzertgeschehens. Die Aufführung wird zu einer glücklichen Stunde nicht nur für Enthusiasten. Und die spleenige Idee, eine dreieinhalb Stunden fordernde Komposition zu einem einstündigen "Paraphrase" zu verdichten, hat eine bewegend schöne kammermusikalische Suite hervorgebracht.

Das von Benjamin Beck eingerichtete Arrangement ist zunächst mal ein "Best of Lohengrin", eine Reihung der wichtigsten und schönsten Themen der Wagner-Oper, das sphärische Gralsmotiv der Ouvertüre, die Arie der Arien "Nie sollst Du mich befragen", die Auftritts- und die Abschiedsmusik des Incognito-Retters Lohengrin, der unverwüstliche Hochzeitsmarsch, den das Ensemble differenziert und dezent musiziert und so in seiner kompositorischen Schönheit und Raffinesse wie neu erlebbar macht.

Transparenz liefern die Geigen, Bratschen, Celli durchgängig, kompositorische Qualitäten werden erkennbar, die sonst meistens unter der Gewalt des 200-Personen-Orchesters verdrängt sind.

Die zwei Frauen und vier Männer des Ensembles sind Spitzenmusiker, aus deren individuellem Glanz wird ein harmonischer Ensembleklang, ein Sextett der besonderen und beglückenden Art, mit kluger Interpretation, exquisiter Technik, beweglicher Dynamik. So gespielt, kann das Lohengrin-Arrangement als unabhängige Suite bestehen und beeindrucken.

Die Nähe zur Wagner und seinem mythologischen Lohengrin-Cocktail hält einer der Musiker aufrecht mit kurzen, lockeren Erzählungen (z.B. "… im zweiten Akt bei Wagner ist immer Nacht und es gibt Ärger…").

Stephan Knies nutzt die hilfreiche Moderation zur literarischen und musikalischen Interpretation.

Die Aufführung in Neresheim am Samstag und zwei weitere Aufführungen am Sonntag in Heidenheim wurden präsentiert von den Opernfestspielen Heidenheim und unterstützt vom Land Baden-Württemberg. Das Entree war gratis, das Publikum bedankte sich mit herzlichem Applaus und einer üppigen Kollekte in den Geigenkasten.

Rainer Wiese

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