Mahnfeuer lodern auf dem Marktplatz in Hohenstadt

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Steffen Weller (l.) bei seiner Ansprache auf dem Marktplatz in Hohenstadt.
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Veranstalter kritisieren „das politisch geduldete Sterben der Höfe“. Polizei überwacht Coronaauflagen.

Abtsgmünd-Hohenstadt. Der Christbaum leuchtet, aus einigen Fässern lodern Feuer, im großen Viereck rund um die Absperrung auf dem Marktplatz stehen die Leute – etwa 100 seien es, schätzt die Polizei. Immer wieder spenden sie Beifall, signalisieren lauthals Zustimmung. Denn Steffen Weller, der zusammen mit Gabriele Regele eingeladen hat zu diesem Mahnfeuer gegen das politisch geduldete Sterben der Höfe, spricht vielen aus der Seele. Viele sind, wie der Redner frustriert von der alten Bundesregierung und ebenso von der neuen. „Die haben“, findet Weller mit Bezug auf die inzwischen aufgedeckten finanziellen Verstrickungen, „keinen Ehrenkodex mehr, an den sie sich halten“.

Und dann erzählt er von frustrierenden Erfahrungen in Stuttgart und Berlin, wo er gemeinsam mit anderen Landwirten tagelang demonstriert hatte, ohne spürbare Wirkung; von Podiumsdiskussionen und Debatten am runden Tisch, bei denen auf „stichhaltige Argumente“ Zustimmung gekommen sei – „am nächsten Tag entschieden wurde aber genau das Gegenteil von dem, was uns zugesagt wurde“.

Immerhin gebe es vor Ort in der Region noch Landwirte, Handwerker oder kleinere Läden, deren Belange mit Mahnfeuern wie diesem in den Mittelpunkt gerückt werden sollen. Denn es sei zu beobachten, dass diese, in Europa bewährte Struktur systematisch zerstört werde. „Wer heute eine besondere Schraube sucht, muss nach Ulm oder Stuttgart fahren – oder bei Amazon bestellen. Früher hat man das alles hier im Dorf bekommen“, analysiert er und ärgert sich, dass die aus dem Kreis der Landwirte oder von anderen Branchen entwickelten Lösungsideen bei der Politik kein Gehör fänden. „Die Landwirte werden langsam abgeschafft“, fürchtet er zudem mit Blick auf die Auflagen für die Herstellung von Produkten – die durchaus ihren Sinn hätten – aber konkurrieren müssten mit Produkten aus Ländern, in denen es diese Standards nicht gebe. Das Geld, das die großen Ketten auf diese Weise verdienten, sei exakt die Summe, die den Bauern in ihren Bilanzen fehle.

Außerdem spricht der Redner auch Themen wie Masken- oder Impfpflicht an in seiner landwirtschaftlich dominierte Kritik an den Entscheidungen der großen Politik. Dabei kritisiert er etwa einen Abbau an Intensivbetten und erlebt eine einseitige Auswahl von Experten. Man solle, findet er, auch mal andere fragen und vor allem, vor einer Entscheidung, nicht im Hinterzimmer, sondern in der Öffentlichkeit diskutieren.

Frustrierend findet Weller, wie die überregionalen Medien über Demonstrationen berichten, wenn sie überhaupt berichten. Denn von den Aktionen in Berlin hätten sie gar nicht berichtet. Das sei bei den lokalen Medien anders, merkt er an. Enttäuscht ist er, dass die Gemeinde die Ankündigung des Mahnfeuers nicht im Amtsblatt gebracht hat, obwohl die Info rechtzeitig eingereicht worden sei.

Eine Zuhörerin aus Laichingen nutzt die freie Bühne und fordert alle Interessengruppen auf, sich zu verbünden.

Beobachtet wird die Veranstaltung, weil Feuer brennen, von den örtlichen Floriansjüngern. Vor Ort ist eine Vertreterin des Landratsamts, das als Versammlungsbehörde zuständig ist und die Polizei mit etwa zehn Beamten, darunter ein Anti-Konflikt-Team. Diesem geht es aber in erster Linie darum, dass die Corona-Vorschriften eingehalten werden. Die Veranstaltung dürfe keinen Weihnachtsmarkt-Charakter bekommen, machen die Beamten deutlich. Glühwein, Punsch, Würstchen und anderes, was regionale Anbieter gespendet haben, darf deshalb auch nur am Ende, To-Go, mitgenommen werden. Übrigens auch das Friedenslicht aus Bethlehem, das in gläsernen Leuchtern bereitsteht - worüber sich der anwesende Ortspfarrer Jürgen Kreutzer freut. Anke Schwörer-Haag

Steffen Weller (l.) bei seiner Ansprache auf dem Marktplatz in Hohenstadt.

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