Marienlob aus verschiedenen Epochen

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Die Sopranistin Katrin Küsswetter und der Organist Dr. Joachim Roller beim Konzert in der Ellwanger Stadtkirche.

Katrin Küsswetter und Dr. Joachim Roller in der Ellwanger Stadtkirche.

"Salve regina" – diesen Gruß an die Gottesmutter Maria in einer evangelischen Kirche zu hören ist zwar nicht revolutionär, zumindest aber sehr reizvoll. Ein Blick an die Deckenfresken in der Ellwanger Stadtkirche zeigte die Symbiose zwischen dem Kirchenraum und dem Programm, das die Sopranistin Katrin Küsswetter und der Organist Dr. Joachim Roller kreiert hatten.

Marienlob aus verschiedenen Epochen und Ländern und in wechselnder musikalischer Akzentuierung hatten die beiden Musiker ausgewählt. Während das "Exsulta filia" von Monteverdi noch nicht stringent auf Maria verwies, sondern das himmlische Jerusalem hymnisch besang, war in den drei Komponisten des Spätromantikers Max Reger Maria Mittelpunkt und Anker.

"Ich sehe dich in tausend Bildern" intonierte Katrin Küsswetter innig und Dr. Joachim Roller malte sensibel einen Hintergrund, der unterbewusst Regers seelische Drangsal fühlen ließ. Ebenso scheuten beide Interpreten auch im "Meine Seele ist still zu Gott" keine Dissonanzen und harmonischen Brüche.

Ein sehr bekanntes Werk hatte Roller mit der "Prière à Notre Dame" von Léon Boëllmann als Orgelsolo gewählt. Warme Schattierungen – wie Sonnenstrahlen durch bunte gotische Scheiben – gelangen ihm durch geschickte Registrierung und unaufgeregtes Legato. Reinstes Barock war mit Händels Solo-Motette in vier Sätzen "Salve Regina" zu erwarten. Im frischen Allegro rief Roller barocke Strahlkraft hervor. Die Sopranistin intonierte mit sehr viel Verve und gab insbesondere bei den Intervallsprüngen ihrer Darbietung eine opernhafte Emphase, die sie mit zum Teil starkem Vibrato noch zusätzlich steigerte.

Der modernste, aber auch der am wenigsten bekannte Komponist des Abends war Richard Trunk. Mit "O Palme, Sonnenklare" hätte man sicher nicht auf Anhieb Maria assoziiert. Musikalisch vernahm man ein leicht modifiziertes Strophenlied: Hier agierte die Orgel scheinbar unprätentiös, forcierte durch fanfarenartige Interpolationen aber ein ums andere Mal.

Hätte man Mozarts "Alleluja" aus "Exsultate, jubilate" eigentlich als Amuse-gueule erwartet, so erklang es in weitgehend stimmiger Intonation und mit viel musikalischer Begeisterung.

Susanne Robitschko

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