Podcast: Ein Glas mit Lars - Folge 23

Matthias ist freiwilliger Helfer beim Weltklimagipfel

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Matthias Kapfer (25) ist Freiwilliger beim Weltklimagipfel in Glasgow.
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25-Jähriger weist den Delegierten beim Umweltgipfel in Glasgow den richtigen Weg.

Ostalbkreis/Glasgow.

Der Vater schafft in Aalen, der Sohn kümmert sich um den Weltklimagipfel im schottischen Glasgow. Matthias Kapfer (25) ist Freiwilliger (Volunteer) auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Er arbeitet zwar an keinen Beschlüssen mit, kennt aber den Weg zu den Tagungsräumen.

Matthias Kapfer lebt seit dem 29. Dezember 2020 in Glasgow und studiert dort Internationales Management. Als die Vereinten Nationen Freiwillige für die Klimakonferenz gesucht haben, hat er sich sofort gemeldet. Seine Aufgabe: den Delegierten den richtigen Weg weisen. „An den großen Bahnhöfen in Glasgow stranden während der Konferenz Tausende Menschen“, sagt er. 1000 Freiwillige kümmern sich darum, dass jeder den Weg zu den großen Messehallen findet. Einer von ihnen ist eben der junge Deutsche.

Kapfer ist Teil eines ausgeklügelten Wegweiser-Teams. Die Konferenz findet im größten Kongresszentrum Schottlands, im Scottish Exhibition and Conference Centre in Glasgow statt. Der Tagungsort liegt direkt am Fluss Clyde. Delegierte oder ganze Gruppen werden von den Freiwilligen entlang des Flusses zur nächsten Übergabestation und damit an einen weiteren Freiwilligen übergeben. Das geht so lange, bis die Teilnehmer schlussendlich im Kongresszentrum angekommen sind.

Bezahlt wird Kapfer für seine Dienste nicht. Es gibt zwar Kapuzenpullover und wetterfeste Kleidung für alle Freiwilligen, ansonsten „ist es auf der Insel bei solchen Aktionen mehr die Regel, dass aus dieser Mitarbeit ein großes Event gemacht wird“, sagt er. „Neben der Kleidung gibt es pro Schicht noch Aufmerksamkeiten von Unternehmen, die den Weltklimagipfel unterstützen.“ So befindet sich neben dem blau-grünen Pullover mit dem Logo der Weltklimakonferenz inzwischen auch ein nachhaltiger Kaffeebecher in seinem Besitz.

"Es gibt hier immer tolle Gespräche."

Matthias Kapfer, Freiwilliger beim, Cop26

Kapfer selbst genießt aber auch den Austausch. Es gibt Treffpunkte für die Freiwilligen. „Da gibt es immer tolle Gespräche, weil sich die Freiwilligen aus wirklich allen Altersklassen zusammensetzen, von 16 bis 70 Jahre. Zudem sind fast alle Nationen hier vertreten.“

Kapfer zeichnet übrigens für die Green Zone (grüne Zone) verantwortlich. Auf direkte Tuchfühlung mit den großen Regierungschefinnen und -chefs kommt er nicht. Für diese Blue Zone (blaue Zone) hätte er diverse Sicherheitscheck über sich ergehen lassen müssen. Wer sich übrigens in der Blue Zone bewegt, befindet sich für die Dauer der Konferenz, also bis zum 12. November, nicht mehr auf schottischem Staatsgebiet. Für die Konferenz wurde diese Fläche Teil der UN.

Leonardo di Caprio, Matt Damon und der US-Präsident vor Ort

Trotzdem stand er an der Straße, als etwa der US-Präsident mit seiner Wagenkolonne zum Kongresszentrum fuhr. Das Netzwerk der Freiwilligen bekommt natürlich eine ganze Menge mit. Die US-Schauspieler Leonardo di Caprio und Matt Damon sind in Glasgow, „da versucht man natürlich mehr Details zu bekommen“. Etwas gelästert wird auch. Viele Delegierte sind mit Privatjets angereist. Der Flughafen von Glasgow erlebt gerade ein unglaubliches Aufkommen. Selbst zwischen den beiden Flughäfen in Glasgow würden die Jets fliegen, heißt es. „Da ist mit Blick auf einen Klimagipfel schon fragwürdig.“ Gleichwohl seien die Bewohner Glasgows sehr stolz, dass so eine wichtige Konferenz bei ihnen und nicht, wie sonst üblich, in London stattfindet. Für manche Glasgower rentiert sich der Gipfel auch. Die Preise für Zimmer sind explodiert. Eine Nacht in einem Zimmer kostete bis zu 1500 Pfund. „Aber der Bierpreis im Pub ist stabil“, weiß der 25-Jährige.

Angst vor Terroranschlägen hat er übrigens nicht. „Wir haben im Freundeskreis einmal darüber gesprochen, aber die Polizeipräsenz hier ist schon enorm“, sagt er. Permanent kreisen zudem Helikopter über der Stadt. Ob er glaubt, dass der Gipfel Ergebnisse bringt? „Ja, das denke ich schon. Ich bin da schon optimistisch gestimmt.“

Tipp: Nebenbei, Glasgow ist für Matthias Kapfer eine sehenswerte Stadt. Sein Tipp für einen Besuch nach dem Gipfel: „Vom East End der Stadt zum West End Richtung Universität und Kelvingrove Park schlendern. Dort gibt es neben dem botanischen Garten die besten Restaurants und schönsten Pubs.“ Von Lars Reckermann

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