Gekostet

Milch ist nicht gleich Milch

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Milchkanne

Susanne Brenner über schwierige Entscheidungen am Milchregal

Sie war nicht lila, sondern schwarz-weiß gescheckt, hieß „Flora“ und stand im Stall der Nachbarin. Jeden zweiten Abend ging’s mit dem Milchkännchen nach nebenan, bei Wind und Wetter und ohne Murren, denn dank „Flora“ war der Nachschub an allem gesichert, was ein Kindermagen damals zum Sattwerden brauchte: Milchreis, Grießbrei, heißer Kakao, der auch an trüben Regentagen wärmte und natürlich Pudding, den absoluten Seelentröster in allen Lebenslagen.
Die kulinarische Welt war einfach und dank „Flora“ war es der Einkauf dafür auch.
Kompliziert wurde es erst, als der Stall nebenan leer und das Regal im Supermarkt dafür gutgefüllt war. Milch war nicht mehr schlichtes Grundnahrungsmittel. Jetzt ging es um unterschiedliche Fettstufen, dazu kam die Qual der Wahl zwischen homogenisiert, sterilisiert, pasteurisiert. Und nicht zuletzt ging es um die Entscheidung: Tetra-Pack oder Glasflasche – oder doch lieber umgekehrt? Um nicht komplett verwirrt im Laden herumzuirren, half nur der schnelle Griff auf Augenhöhe.
Doch heutzutage wird es richtig schwierig. Denn wo gestern nur Milch stand, sind jetzt noch sogenannte Drinks aufgereiht. Also eine Art Milch, die aus Hafer, Soja, Reis, aus Nüssen oder Hülsenfrüchten bestehen kann. Keine Frage, das ist absolut super für alle, die keine Milch vertragen oder sie wegen der Milchtierhaltung, wegen Umwelt- oder Klimaschutzfragen nicht trinken wollen. Doch ohne „höggschde Konzentration“, wie es Ex-Fußballbundestrainer Löw ausgedrückt hätte, geht es nun nicht mehr vor dem Milchregal. Wie war das doch einfach,damals mit dem Milchkännchen bei „Flora“ von nebenan.

Susanne Brenner

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