Mit allen Sinnen das Alphabet erfahren

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Gemeinsam lernen die Teilnehmenden des Kurses der Offenen Hilfen lesen und schreiben - auf kreative Art, die alle Sinne anspricht.

Im Kurs der Offenen Hilfen lernen Menschen mit Behinderung Lesen und Schreiben.

Aalen. Wer lesen kann, ist im Vorteil. Nur nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Häufig sind es Menschen mit kognitiver Behinderung, die weder lesen noch schreiben können. Die Offenen Hilfen der Samariterstiftung Behindertenhilfe Ostalb bieten deshalb einen entsprechenden Kurs für Menschen mit Beeinträchtigung an. Ziel ist es, den Teilnehmenden zu größerer Selbstständigkeit zu verhelfen.

„Wir fahren mit dem Zug, lesen ganz selbstverständlich ein Bahnhofsschild und wissen, dass wir an dieser Station aussteigen müssen“, sagt Ingrid Gottstein von den Offenen Hilfen. „Viele Menschen mit kognitiver Behinderung können nur leider nicht lesen. Sie wissen oft nicht, in welcher Straße sie wohnen.“ Die Verwaltungsangestellte betreut in ihrer Freizeit den Lese-Rechtschreib-Kurs, der jeden Donnerstag in der Tagesbetreuung in der Gartenstraße Aalen stattfindet. Zusammen mit Alexandra Schill, Erzieherin, diplomierter Legasthenietrainerin und zertifizierter Nachhilfelehrkraft, erarbeitet sie mit sechs Teilnehmenden im Alter zwischen 34 und 66 Jahren Schritt für Schritt das Alphabet. Die Inhaberin des Mögglinger Nachhilfeinstituts „LearnSolution“ erklärt: „Die Teilnehmenden erfahren die einzelnen Buchstaben mit allen Sinnen, beispielsweise durch Fühlen von Buchstaben aus Chenilledrähten oder selbstgemachten Knetbuchstaben, hören gelernte Buchstaben durch gezielte Hörübungen und sehen Buchstaben auf speziellen Wortbildkarten“.

Mit 66 Jahren die Älteste im Kurs ist Gertrud Mraczny. Sie ist froh, dass sie dabei sein kann. „Ich kann das nachholen, was ich früher verpasst habe“, sagt sie. In ihrer Schulzeit sei sie im Deutschunterricht zum Spielen nach draußen geschickt worden. Graziella Bartoletta, 38 Jahre, verpasst keinen einzigen Kurstermin. Es sei schön, dass sie lesen und schreiben lerne, meint sie.

Jede Stunde hat ihren festen Ablauf. Auf spielerische Weise machen sich die Teilnehmenden mit dem Alphabet vertraut. Sie sortieren Wörter aus einer Wörtersammlung aus, die sie bereits gelernt haben. „Suppe“ oder „Tomatensalat“ etwa. Aus Buchstaben, welche sie kennen, formen sie Wörter. Mit jeder weiteren Stunde vergrößert sich der Wortschatz der Teilnehmenden. Ab April bieten die Offenen Hilfen einen weiteren Kurs an, in dem Zahlen und Uhrzeiten vermittelt werden. Auch dies ist ein wichtiger Baustein, der Menschen mit Behinderung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert.

Leiterin Selina Dietel sucht "permanent weitere ehrenamtlich Engagierte, die Lust und Zeit haben, unsere Freizeitangebote zu begleiten und somit Menschen mit Behinderung Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen“. Weitere Informationen zum Freizeitprogramm der Offenen Hilfen finden sich im Internet unter www.samariterstiftung.de/behindertenhilfe/offene-hilfen.

Gemeinsam lernen die Teilnehmenden des Kurses der Offenen Hilfen lesen und schreiben - auf kreative Art, die alle Sinne anspricht.

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