Mit dem Handy auf Schatzsuche

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Am "Stairway to the Stars" wird's knifflig. Geocacherin Dagmar Oltersdorf peilt die Sternwarte auf der Schillerhöhe an und sucht eine halbe Stunde lang in der prallen Sonne.
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Wie man beim "Geocaching" direkt vor der Haustüre versteckte Gegenstände finden kann und warum man immer Handschuhe dabei haben sollte.

Aalen

Diesmal liegt es tatsächlich fast genau vor meiner Haustüre – mein nächstes Mikroabenteuer. Geocaching wollte ich schon immer mal ausprobieren. Jetzt gibt es quasi einen dienstlichen Auftrag dafür.

Geocaching, das ist eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene. Mit dem Ziel, in einem unbekannten Gelände ein Versteck zu finden. Das ist der Cache. Meist ist es ein kleiner Behälter, ein Döschen, in dem ein Logbuch ist. Und wenn man Glück hat, auch ein kleines Geschenk. Geocaching, erfahre ich, ist ein wenig eine eigene Welt für sich. Etwas, was sich im Verborgenen abspielt. Denn die Caches werden unbemerkt versteckt und sollten von den "Owner", also denjenigen, die das gemacht haben, auch gepflegt werden. Etwa, wenn das Logbuch vollgeschrieben ist oder die Dose lädiert. Etwa drei Millionen Geocaches gibt es nach einer Statistik von 2017 weltweit, um die 300 000 allein in Deutschland.

Was man dazu braucht? Nicht viel, erfahre ich bei meiner Internetrecherche. Für meine Zwecke nicht mal ein GPS-Gerät, sondern nur eine App auf dem Handy. GPS-Ortung hat es ja. Ich lade mir die App "Geocaching" runter und tue es damit über 12 000 Menschen nach. Als ich sie öffne und das GPS einschalte, staune ich. Es sind Dutzende von Caches in Aalen versteckt. Sichtbar an den kleinen grünen Kistchen auf der Karte.

Erst mal einarbeiten

So einfach die App aufgebaut ist – sie ist genial. Neben der Karte zum Navigieren gibt es den Punkt loggen. Heißt, hier darf ich drauf drücken, wenn meine Schatzsuche erfolgreich war. Zudem gibt sie Infos über die Schwierigkeit, den Cache zu finden, seine Größe und das Gelände, wo er sich befindet. Doch dazu später.

In geheimer Mission unterwegs

Die Karte zeigt: auch in der Innenstadt gibt es einige Geocaches. Ich beschließe, direkt vom Aalener Marktplatz aus zu starten. Dort ist ganz schön viel Trubel, doch keiner weiß ja, was ich vorhabe. Aufs Handy gucke nicht nur ich permanent. Ich wähle ein Kistchen gleich in der Nähe. "D'r Olamer Schpio" heißt der Cache. Schwierigkeitsstufe 2, mikroskopisch klein. Egal. Warum kleckern, wenn man klotzen kann, finde ich. Und folge dem Strich, der mich zum Ziel führt. Dass ich Heimvorteil habe, merke ich schnell. Ich weiß, wo der seine Heimat hat und nehme die Richtung auf. Irgendwo dort in der Nähe muss der Cache versteckt sein. Bloß wo?

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Ich lese die ausführliche Beschreibung zu meinem Geocache. Dort steht die ganze Geschichte des Spions. Klasse, besonders für Ortsfremde. Zudem werde ich im Text darauf hingewiesen, dass die "Muggelgefahr" um diesen Geocache herum extrem ist. Mein rudimentäres Harry-Potter-Wissen ploppt auf. Das sind doch die, die keine Ahnung haben, meine Wege kreuzen und sich wundern, wenn sie mein Treiben beobachten. Was sie dann besser nicht sollen.

Ich folge dem Navi und bin demnach ganz nach dran. Nur drei Meter trennen mich von meinem Ziel. Dann wieder vier, fünf. Heiß, kalt, wieder kälter – das Spiel, ich sehe was, was Du nicht siehst. Mehrmals drehe ich mich um meine eigene Achse – und habe keine Ahnung. Der Hinweis: "Hinter der Marienkirche", den man anklicken kann, scheint mir da nicht so hilfreich. Die ist doch ganz woanders. So viel zum Heimvorteil.

Als ich die Beschreibung noch einmal lese, habe ich eine Eingebung. Schaue mich um, und ziehe den Cache mit schnellem Griff unbemerkt hervor. Eine Frau, die ein paar Meter entfernt konzentriert in ein Schaufenster schaut, dreht sich nicht einmal um nach mir.

Der Geocache ist nicht mal so breit wie mein Handy. Ich ziehe das Logbuch hervor und trage mich mit Datum und Kürzel ein. Nicht ohne Stolz. Das ging ja jetzt doch ganz zackig, denke ich. Ebenso bei meinem zweiten Geocache, wo mir wieder ganz klar mein Heimvorteil zugutekommt. Diesmal ist das Logbuch ein Papierstreifen, den man aufrollen muss. Das Döschen so groß wie in Kronkorken. Nichts für Grobmotoriker, aber irgendwie fummel ich alles hin.

Mitten im Grünen

Meine beiden Erfolge beflügeln mich. Auch der zweite Geocache hatte Schwierigkeit 2. Doch die "Muggels" stören. Mein nächster liegt auf der Schillerhöhe, wo hoffentlich ungestörtes Suchen möglich ist. Den Weg dorthin finde ich auch ohne Navi. Ich freue mich auf die Ruhe und ein wenig Natur. Erst als ich ankomme, öffne ich die App wieder. Schwierigkeit 1,5, der Name kryptisch: "CfA: 5 + 1 ist 6 – Park, aber kein Platz". Ich klicke den Hinweis auf: "Stairway to the stars" – und peile die vermutete Örtlichkeit, die Sternwarte, an. Eine halbe Stunde suche ich in der prallen Sonne bei 32 Grad den Geocache, bin mal einen Meter davor, dann wieder drei entfernt. Ich finde: nichts. Und gebe auf. Diesmal kann ich den Geocache nicht "loggen" und bekomme keinen Smiley auf meiner Karte statt der Kiste.

Motivationslos am Gehweg

Noch bin ich nicht entmutigt. Zurück in der Stadt suche ich einen weiteren Cache und werde einen Kilometer stadtauswärts geleitet. An der Stuttgarter Straße soll mein "Schatz" liegen. Bei Steinen. Die finde ich am Gehweg. Suche eine halbe Stunde. Mit Widerwillen. Die Hitze plus Steine am Gehweg verursachen in der Summe den Geruch einer Gassistrecke. Dazu liegt jede Menge Müll im Gebüsch und ich habe keine Gummihandschuhe. Meine Motivation schwindet. Dann eben kein Smiley, dafür das Corona-Desinfektionsmittel gezückt. Spaß hat meine Schnitzeljagd trotzdem gemacht: Für das Abenteuer Geocaching gibt es einen Smiley. Mindestens.

Gefunden: den Aalener Spion. Die Belohnung: Ein Smiley.
Der erste Cache samt Logbuch ist gefunden.
Noch ein Cache mit meinem Eintrag.
Ausgangspunkt: der Aalener Marktbrunnen.
Nutzte leider nichts. Dieser Geocache wurde nicht gefunden.

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