Mit dem Kanu auf dem Kocher

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An zwei Staustufen muss man das Kanu umsetzen und eine kurze Flachwasserzone überwinden.
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Bei der Paddeltour zwischen Braunsbach und spielt die Natur die Hauptrolle. Wer dabei nass wird, hat etwas falsch gemacht.

Braunsbach. Wer den Kocher zwischen Aalen und Hüttlingen kennt, der blickt verwundert auf die breite Wasserfläche, in die wir jetzt unser Kanu setzen sollen: das ist ja ein richtiger Fluss! Kanuguide Joschka von Hohenlohe Aktiv Tours hat die Schwimmwesten verteilt und alle mental auf dieses Abenteuer vorbereitet: "Mit beiden Händen am Bootsrand festhalten, wenn es wild wird", sagte er und als ich mich im Heck unseres Dreierkanus platziere, ("der Schwerste sitzt immer hinten") denke ich noch: "Das schaukelt aber ganz schön." Dann treibt unser Boot auch schon auf der fast 20 Meter breiten Wasserfläche gemächlich dahin, die Aufregung ist vorbei und ein Glücksgefühl erfasst mich. Um mich das Wasser, über mir der blaue Himmel und überall ist Natur pur. Mit leichten Paddelschlägen bringen wir das Boot voran, der Blick fällt auf die hoch bewachsenen Ufer und die steilen Hänge des Kochertals, an denen Kühe grasen und Männer mit Motorsägen Holz schlagen.

Kanufahren ist eigentlich nicht schwierig: Jeder hat ein Paddel und man sollte versuchen, damit halbwegs gleichzeitig zu hantieren, damit das Boot geradeaus fährt. Um die Richtung zu korrigieren, kann der, der im Heck sitzt, sein Paddel wie das Steuerruder eines Schiffes einsetzen, etwas länger im Wasser halten und so ausrichten, dass sich das Boot in die gewünschte Richtung bewegt. Die Korrektur bei jedem Paddelschlag bewirkt so, dass man halbwegs die Richtung hält.

Auf dem Kocher bei Braunsbach artet das Kanufahren nicht in Stress aus, denn der Fluss fließt ruhig dahin. "Das ist Natur pur", denke ich. Das nächste Boot ist schon fast außer Sichtweite. Die rund 60 Personen, die an diesem Samstag dieselbe Idee hatten wie wir, verteilen sich zeitlich und räumlich schnell. Dabei sah es anfangs so aus, als wären gar nicht genug Kanus da. So vielen Gruppe, darunter ein Junggesellinnenabschied und eine komplette Fußballmannschaft, wollten im Kanu flussabwärts.

Der Kocher hat heute bei Braunsbach eine Wassertiefe von 50 Zentimeter, ein eher niedriger Pegelstand, wie man uns erklärt. Das Wasser trägt das Boot fort, man kann sich einfach treiben lassen. Zum Einschlafen ist jedoch nicht zu raten, denn immer wieder ragen Steine aus dem Wasser, die zu umschiffen sind, wenn man nicht aufsetzen will. Bei einer Kollision kann das Kanu auch umkippen. Wir haben auf Anraten des Veranstalters die Wertsachen in einen wasserdichten Sack gepackt. Das war sinnvoll, denn immer wieder spritzt und schwappt das Wasser um uns hoch.

Auch als nach ein paar Kilometern die Strömung stärker wird und kleine Wellen steinigen Untergrund anzeigen, bleiben wir gelassen. Der Kocher ist kein Wildwasser, jedenfalls nicht heute. Dass er auch ganz anders kann, erkennt man an dem Treibgut, das über uns in den Bäumen hängt. Da muss der Wasserstand weit über zwei Meter gewesen sein, vielleicht sind manche Stoff- und Plastikfetzen sogar noch von 2016, als Braunsbach von einer Flut heimgesucht wurde. Die Schäden sind bis heute nicht komplett beseitigt, die Kocherbrücke wird momentan erneuert, nur eine Behelfsbrücke ist nutzbar.

Das Abenteuer Kocherpaddeln sieht für jeden etwas anders aus: Ein Viererkanu hat uns eingeholt, das müssen die Fußballer sein, die da offenbar einen Wettkampf abhalten. Wir machen gerne Platz und lassen sie vorbei, müssen dann aber auch gleich wieder gegensteuern, weil das Pärchen vor uns deutlich langsamer unterwegs ist. Sie genießt am Bug den Fahrtwind, er paddelt am Heck wie ein Gondoliere in Venedig. Manche unterbrechen die Tour für ein kurzes Bad, geeignete Stellen dafür gibt es immer wieder. Die Wasserqualität scheint gut zu sein, das zeigen Fische und Wasserpflanzen an.

Zwei Staustellen sind zwischen Braunsbach und Kocherstetten zu überwinden. Mit Joschkas Anweisungen im Ohr fällt es nicht schwer, das Kanu umzusetzen. Die Boote sind nicht schwer, haben Griffe, an denen man sie schleppen kann. Ein paar Meter über Land, wieder ins Wasser setzen und so einsteigen, dass das Kanu nicht umkippt, weiter gehts. Nach knapp zwei Stunden haben wir die Endstelle erreicht, die durch eine Schwimmweste im Baum angezeigt wird. Wir ziehen unser Boot ans Ufer, wo Joschka schon bereitsteht, um uns mit dem Auto zum Ausgangspunkt zurückzufahren.

"Mit beiden Händen am Bootsrand festhalten, wenn es wild wird"

Joschka, Kanuguide
  • Der Weg zum Mikroabenteuer Kocherpaddeln
  • Nach Braunsbach fährt man von der Ostalb am Besten über Schwäbisch Hall. Wer bei der Anfahrt Zeit hat, kann die Strecke durch das Bühlertal nehmen und eine herrliche Landschaft genießen. Die Kanukurztour von Braunsbach nach Kocherstetten ist 9 Kilometer lang und dauert circa zwei Stunden. Mit Einweisung und Rücktransport sollte man drei Stunden Gesamtzeit kalkulieren. Für zwei Personen im Zweier-Kanadier mit Schwimmwesten, Gepäcktonne und Gewässerkarte kostet der Spaß bei Aktiv Tours Hohenlohe 56 Euro. Kontakt: www.hohenlohe-aktiv-tours.de
Eine Kanutour auf dem Kocher von Braunsbach nach Kocherstetten: das ist Ruhe und Natur pur.

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