Mit Disziplin und blindem Gehorsam ins Verderben

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Die Klasse macht den Gruß, den sie für ihre Organisation "Die Welle" ausgesucht hat.

Spielclub 2 des Theaters der Stadt Aalen bringt gekonnt "Die Welle" im Corona-Modus auf die Bühne.

Minimalistisches Bühnenbild, Protagonisten auf Abstand und ein eindringliches Thema – der Spielclub 2 des Theaters der Stadt Aalen hat "Die Welle" nach dem Buch von Morton Rhue und der Theateradaption von Reinhold Tritt trotz aller Widrigkeiten gekonnt auf die Bühne gebracht. Es ist die letzte Aufführung im WiZ in Aalen, bevor es im Kulturbahnhof weitergeht.

Wegen Corona ist "Die Welle" unter besonderen Umständen von Regisseur Arwid Klaws eingeprobt und aufgeführt worden. Am Eingang werden die rund 30 Gäste instruiert, wie sie sich verhalten sollen. Masken müssen bis zum Sitzplatz aufgelassen werden. Per Funkgerät verständigt sich das Theater-Team. Gäste werden auf ihre Plätze gewiesen, die im Abstand auseinander stehen. Selbes gilt für die 15 Darsteller, die eine Schulklasse bilden.

Wie auch die Aufführung unter Corona-Auflagen ein Experiment darstellt, geht es im Stück um ein Experiment. Eingebettet in die Szenerie einer Highschool nimmt Lehrer Ben Ross (Jens König) mit seiner Klasse den Nationalsozialismus durch. "Und die Bevölkerung hat einfach zugesehen?", fragt ein Schüler erstaunt, als sie bei der Judenvernichtung angelangt sind.

Ross wagt daraufhin ein Experiment mit seiner Klasse: Können sich die Ereignisse aus der Nazizeit wiederholen? Auf dem Plan steht das Einhalten von Disziplin: "Wenn ich von Disziplin rede, rede ich auch von Erfolg." Bei Fragen müssen sich die Schüler neben den Stuhl stellen, aufrecht, die Hände hinter dem Rücken. Das Konzept kommt an: "Wir werden zu einer Einheit", merken die jungen Leute.

Zur Disziplin kommt ein Slogan, zum Slogan ein Symbol: die Welle. "Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft", skandieren die Schüler im Chor.

Trotz der Warnungen von Ben Ross' Tochter Christie (Moira Friebel), scheint die Situation dem Lehrer aus den Händen zu gleiten. Der unterdrückte Schüler Robert (Finn Besch) macht eine Wandlung durch, vom Versager zum Tonangeber. Wer die Welle nicht unterstützt, wird angefeindet. Allein Laurie (Clara Brüggemann) merkt, was hier geschieht und versucht zu warnen. Doch nach einem Artikel in der Schülerzeitung über die Welle steht auch sie im Fadenkreuz der Mitschüler. Die Situation spitzt sich zu.

Trotz widriger Umstände schafft es der Spielclub eine Inszenierung auf die Beine zu stellen, die unter die Haut geht. Wenn die Schüler den originalen Audioaufnahmen vom NS-Parteitag lauschen und man sieht, wie sie sich immer mehr einem totalitären System unterordnen, stellen sich dem Besucher die Nackenhaare auf.

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