Mit Glaskunst das Leben beleuchten

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Alkie Osterland in ihrem Atelier.
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Alkie Osterland arbeitet seit mehr als 30 Jahren mit Glas in Schwäbisch Gmünd. Sie erklärt, wie ihre Werke entstehen und was ihr neues Projekt mit der Pandemie zu tun hat.

Schwäbisch Gmünd

Mit Glas arbeiten, Kunstwerke gestalten: Mit dem Ziel ist Alkie Osterland im Winter 1989/90 von Heidelberg nach Schwäbisch Gmünd gezogen. In der Glaswerkstatt von Magdalena Maihöfer konnte sie als Praktikantin und später Assistentin erste Erfahrungen im Kunsthandwerk sammeln.

Seither hat Alkie Osterland ihren Lebensmittelpunkt in Schwäbisch Gmünd. Der Arbeit mit Glas ist sie treu geblieben. Mehr noch: „Es gibt kein anderes Material, das ich so entsprechend finde wie Glas“, erklärt die 54-Jährige. „Das Material an sich hat schon eine Aussage. Da ist alles drin, was ich sagen will.“

Wir treffen uns im Atelier von Alkie Osterland am Rand der Gmünder Innenstadt. In der Dreizimmer-Wohnung hat sie seit 1992 ihre Arbeitsplätze eingerichtet. Zum Beispiel steht dort ihre Goldschmiedetisch, an dem besondere Schmuckstücke aus Glas entstehen.

Von Licht durchflutete Reliefs aus verschmolzenem Glas

Vor allem aber benötigt die Künstlerin viel Raum des Ateliers für ihre Wandarbeiten: um von großen Glasplatten kleine Scheiben abzuschneiden, um daraus Reliefs zu entwerfen. Und um diese Reliefs dann auf einer Schamottplatte in den wuchtigen Schmelzofen zu schieben, der in einem der Atelierzimmer installiert ist. Zwei Tage lang, bei 700 bis 750 Grad schmelzen die Glasscheiben zum Relief, einem „Wandbild“, zusammen. Dann muss das Kunstwerk langsam abkühlen.

Alkie Osterland deutet auf eines ihrer Reliefs, das sie an einer Atelierwand mit dicken Dübeln und Schrauben aufgehängt hat. Zu sehen ist ein Landschaftsbild aus Glas, mit blauem Himmel, grünem Gras, abstrakten Häusern und dem Gmünder Wahrzeichen, dem Rechberg, am Horizont. Die Künstlerin zählt auf, was sie bei der Arbeit mit Glas und dem Anblick dieses Reliefs empfindet: „Glas ist so wunderbar, ist so zerbrechlich, so fragil und trotzdem verletzend. Jeder scheut davor zurück. Glas macht aber auch Licht, Licht macht die Farbe, etwas Immaterielles, etwas Lichtes. Licht hat etwas mit Sehnsucht zu tun.“

Massiv gegossene Plastiken, schwerer als Beton

Glas sei aber auch schwer, schwerer als Beton, erklärt die 54-Jährige. Sie zeigt auf ihre massiven Glasplastiken, die in einer anderen Verfahrenstechnik entstanden sind. „Dafür schaffe ich positive Formen, zum Beispiel aus Ton, und gieße dahinein Glaspellets oder -platten“, erklärt sie.

In dem Fall müsse sie den 11-Kilowatt-Ofen schon mal auf 820 Grad einheizen, eine ganze Woche lang. „Diese massiven Sachen sind dann sehr heiß und saumäßig schwer“, betont die gebürtige Würzburgerin, die - abgesehen von diesem „saumäßig“ - übrigens kaum mal schwäbisches Vokabular verwendet.

Wenn die Kunstwerke aus dem Schmelzofen gekommen und abgekühlt sind, müsse sie Dank ihrer vielseitigen Erfahrung nur noch wenig daran schleifen, sagt Alkie Osterland mit aller Bescheidenheit. Die Künstlerin legt aber auch Wert auf beste Qualität ihrer „Zutaten“. Das hochwertige Bullseye-Glas aus Seattle in Amerika, das sie für ihre Reliefs verwendet, habe einen hohen Bleianteil. „Deshalb leuchtet es so brillant, wie Bleikristall.“

Unterwegs, um die Facetten des Glashandwerks zu studieren ...

Ihren Erfahrungsschatz im Glashandwerk hat sich Alkie Osterland nicht nur bei Magdalena Maihöfer in Schwäbisch Gmünd angeeignet. „Ich habe auch im Heißglasstudio am Ofen von Villeroy + Boch geblasen“, erzählt sie. Das Glasmuseum Sars-Poteries in Frankreich zähle ebenfalls zu ihren Ausbildungsstationen.

... und um zwei Mal zwölf Wochen Kunststudenten zu lehren

Auch im „Centre de Vidre“, dem Glaszentrum in Barcelona, habe sie sich beworben, um zu lernen. Stattdessen sei sie dort zur Dozentin geworden. „Ich bekam das Angebot, Kunststudenten in einem Aufbaustudium in Glasverschmelzung zu lehren.“ Barcelona als Stadt sei schon immer ihr Ziel gewesen. Das Angebot habe sie natürlich angenommen.

„Wenn du jenseits des schönen Zufalls etwas aus Glas produzieren und von dieser Arbeit leben möchtest, musst du richtig Geld in die Hand nehmen. Oder du musst jeden Tag am Ofen stehen“: Das weiß Alkie Osterland nach diesen Lehrjahren.

Glasbilder aus Geschichten, die gehört werden wollen

Ganz aktuell hat sie sich selber eine Aufgabe gestellt. Sie hat Interviews mit Menschen geführt, die an neuralgischen Punkten der Pandemie arbeiten, darunter eine Pfarrerin, eine Ärztin aus der LEA (Landeserstaufnahme von Flüchtlingen), eine Mitarbeiterin in der Psychiatrie und Landrat Bläse. Die Fragen: Welche Wunden werden „nach Corona“ bleiben? Wo waren die Momente der Ohnmacht? Nun verarbeitet Alkie Osterland das Gesagte in Glasbilder. Die möchte sie an öffentlichen Orten präsentieren. „Mittendrin. Denn das sind Geschichten, die gehört werden wollen“, sagt sie.

Cordula Weinke erzählt, was Flüchtlinge und Zugereiste bewirken können

Alkie Osterland in ihrem Atelier mit einem Relief über "Corona-Geschichten".
Alkie Osterland in ihrem Atelier am Goldschmiedetisch.
Im Atelier von Alkie Osterland: Im Ofen ist das Wandbild tagelang bei hohen Temperaturen geschmolzen worden. Dann musste es langsam abkühlen.
Im Atelier von Alkie Osterland. Sie verwendet für ihre Reliefs hochwertiges Glas.

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