Mit Lolli-Tests gegen Coronainfektionen im Ostalbkreis - Pilotprojekt startet

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Lutschtest in Klassen.
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Lolli lutschen und sicher sein: Die Kreisverwaltung organisiert mit Gesundheitsamt und Schulträgern ein Pilotprojekt. Sechs Fragen und sechs Antworten.

Aalen. Daheim vor dem Laptop büffeln. Das Schulgebäude nur noch aus Erinnerungen kennen. Freundinnen und Freunde kaum sehen. Das könnte für Schülerinnen und Schüler im Ostalbkreis passé sein. "Wir wollen in eine neue Normalität", sagte Landrat Dr. Joachim Bläse am Dienstag. Der Weg zum Ziel: Lolli-Tests an Schulen im Kreis. Vom 4. bis 29. Oktober startet eine Pilotphase mit zehn Schulen und 2600 Schülerinnen und Schülern, um die PCR-Pooltests zu erproben. Beteiligt sind die Kreisverwaltung, das Gesundheitsamt und die Schulbetreiber. Quarantäne für ganze Schulklassen soll es dadurch weniger geben.

Lolli-Pool-Test - was verbirgt sich dahinter?

Stäbchen tief in die Nase stecken ist nicht mehr nötig, 30 Sekunden an einem Tupfer lutschen reichen aus, wie Manuela Rathgeb, die als Ansprechpartnerin der Kreisverwaltung mit den Schulträgern das Projekt vorbereitet, erklärt. "Die Teststäbchen der gesamten Klasse, also der Pool, werden gesammelt in einem Behälter an ein Labor transportiert und dort ausgewertet. Die Ergebnisse werden noch am selben Tag digital vom Labor an die Schule übermittelt." Zweimal in der Woche sollen die Klassen getestet werden. "20 000 Tests werden wir in vier Wochen durchführen", bilanzierte Manuela Rathgeb.

Wie geht's mit den Ergebnissen weiter?

"Ist ein Pool positiv, werden die Poolteilnehmenden am nächsten Morgen in der Schule mit einem Schnelltest und einem PCR-Einzeltest getestet." Positiv getestete müssen in Quarantäne, dies gelte auch für nicht immunisierte Haushaltsangehörige. Alle negativ Getesteten müssen laut Manuela Rathgeb an fünf aufeinander folgenden Schultagen einen Antigen-Schnelltest durchführen.

Was sind Vorteile der PCR-Pool-Tests?

"Sie sind der Goldstandard", sagte Gesundheitsamtsleiterin Dr. Anna Rohr. Die Tests seien zuverlässig und falsch positive Ergebnisse seien selten. "Für Kinder sind sie angenehmer und einfacher zu handhaben", sagte sie.

Gibt's Nachteile?

Der logistische Aufwand sei hoch, sagte Dr. Anna Rohr. Zudem sei die Auswertung zeitaufwendiger und es brauche dafür ein Diagnostiklabor.

Die Sache mit den Finanzen - wie viel kostet der Test?

"Die Pooltests zahlen die Schulen und das Land erstattet pro Kind und Test maximal 3,50 Euro", bilanzierte Manuela Rathgeb. Die Auswertung eines Pools, der maximal 25 Lollis beinhalten könne, koste 70 Euro. Bei größeren Klassen müssten zwei Pools ausgewertet werden.

Was erhoffen sich Gesundheitsamt, Schulbetreiber und Kreisverwaltung von dem Pilotprojekt?

Es werde erprobt, ob Labore die Kapazität haben, die Tests auszuwerten und wie Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler mit den Tests klar kommen, sagte Bläse sinngemäß. Nach den Herbstferien könnten, bei erfolgreicher Testphase, die Pooltests an allen Schulen im Kreis angeboten werden. "Falls das Land auf diese Variante umstellt, haben wir bis dahin Erfahrung gesammelt." Übrigens: In Bayern und Thüringen werden Lolli-Tests flächendeckend an Schulen durchgeführt. Bei Freiburg und Stuttgart gebe es Schulen, die diese ebenfalls anbieten. "Wir sind der einzige Kreis, der die Tests strukturiert im Dreiklang mit Gesundheitsamt, Schulbetreiber und Landkreisverwaltung durchführt", betonte Bläse.

Diese Schulen nehmen teil: Aalen: Kappelbergschule, Rombachschule, Greutschule, Grauleshofschule, Schubart-Gymnasium; Gschwend: Heinrich-Prescher-Grundschule, Grundschule Frickenhofen; Schwäbisch Gmünd: Adalbert-Stifter-Realschule, Friedensschule; Waldstetten: Franz-von-Assisi-Schule.

Das sagen die Schulträger und Bürgermeister zum Projekt

„Ich erwarte, dass wir durch die Vorsorgemaßnahmen die Situation im Griff haben“, sagte Aalens Bürgermeister Karl Heinz-Ehrmann. Von der Kreisverwaltung wünschte er sich einen gestuften Schulbeginn und verstärker Busse für die Aalener Schulen.

Unentdecktes Infektionsgeschehen entdecken, dies ist die Hoffnung von Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold für das Pilotprojekt. Für Gmünds Bürgermeister Christian Baron sind Schulen mehr als Häuser, an denen Wissen vermittelt wird. Kinder und Jugendliche könnten dort ihre Persönlichkeit ausbilden und Orientierung finden. Viele Schülerinnen und Schüler seien im Lockdown verloren gegangen, Quarantäneregeln seien nun kontraproduktiv. „Wir müssen mit Corona leben und brauchen einen neuen Umgang.“ Christoph Hald, Bürgermeister in Gschwend, schloss sich seinen Vorrednern an. „Ich bin froh über diese Möglichkeit.“

Karl Kurz, Dezernent für Finanzen, Schulen und Verkehrsinfrastruktur, machte auf die Lernrückstände bei Schülerinnen und Schülern aufmerksam. Nun sei es wichtig, dass diese gefördert werden. Das Projekt „Lernen mit Rückenwind“ starte demnächst. Schulleitungen könnten sich über dieses und weitere Förderprojekte im Landratsamt informieren.

  • Das gilt für Schulen, die nicht am Pilotprojekt teilnehmen
  • Für nicht-immunisierte Beschäftigte an Schulen gilt laut Landkreisverwaltung eine tägliche Testpflicht. Nicht-immunisierte Kinder müssten sich bis 29. Oktober dreimal statt zweimal in der Woche testen lassen. Die Maskenpflicht bleibe bestehen. Der Umgang mit positiv getesteten Kindern und Jugendlichen ist neu: Schülerinnen und Schülern im Umfeld einer positiv getesteten Person müssten nicht mehr in Absonderung, sondern sich fünf Tage testen, so die Kreisverwaltung. "Die jeweilige Schulklasse bleibt in dieser Zeit, z. B. in den Pausen, im Klassenverband zusammen und mischt sich nicht mit anderen Klassen. Sonderregelungen gelten auch für den Sport- und Musikunterricht." Nur der Primärfall werde für 14 Tage in Quarantäne geschickt. „Erst wenn ein relevantes Ausbruchsgeschehen und eine hohe Infektionsdynamik vorliegen, prüft das Gesundheitsamt, für welche Schülerinnen und Schüler oder gegebenenfalls die ganze Klasse Quarantäne angeordnet werden muss", sagte Anna Rohr.
Lutschtest in Klassen.

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