Mobilitätspakt kommt in Bewegung

  • Weitere
    schließen
+
Der Verkehr in der Region soll neu organisiert werden. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Achse zwischen Aalen und Heidenheim mit Oberkochen und Zeiss im Mittelpunkt.
  • schließen

Warum der Kreistag dem Zwölf-Punkte-Positionspapier noch nicht zustimmen konnte und was die Fraktionen zur Zukunft der Mobilität in der Region sagen.

Aalen

Es geht um nichts Geringeres als um die Mobilität der Zukunft in der Region. Doch eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Auf einem Mobilitätskongress für den Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Aalen und Heidenheim hätte im März der Mobilitätspakt für die Region gegründet werden sollen. Unter reger Beteiligung aus der Bürgerschaft. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann wäre an diesem Tag dabeigewesen. Doch dann kam Corona und der Kongress musste ausfallen.

Deshalb hat Landrat Klaus Pavel aus den Zielvorgaben des Kongresses ein Positionspapier erarbeitet. Und falls es gelingt, dass der Ostalbkreis, der Landkreis Heidenheim, die Großen Kreisstädte Aalen und Heidenheim, die Stadt Oberkochen, die Gemeinde Königsbronn und der Regionalverband Ostwürttemberg mit einer Stimme sprechen, dann wäre dies eine starke Stimme, die Chance hat im Land und Bund gehört zu werden.

An diesem Dienstag sollte der Kreistag mit einer Zustimmung dafür ein Signal setzen. Doch auch das kam anders. Vor allem die Grünen hatten noch Detailfragen, die nun im Ausschuss am 16. Juni geklärt werden sollen. Dann aber soll am 30. Juni der Kreistag mit größtmöglicher Mehrheit dafür stimmen. "Ich will alle mitnehmen", sagte der Landrat. Das scheint zu gelingen.

Entscheidet sei für ihn auch der erste Satz von Punkt zwölf: "Ein Zukunftskonzept soll unter Wegfall von Denkverboten ganz neue Wege und Möglichkeiten aufzeigen."

Wolfgang Steidle (CDU) setzte sich ebenfalls dafür ein, ohne Denkverbote das Konzept zu erarbeiten und betonte die Wichtigkeit des Brenzbahnausbaus.

Ich will alle mitnehmen.

Klaus Pavel Landrat

Gabriele Ceferino (Grüne) geht das Positionspapier noch nicht weit genug und erinnerte an die Möglichkeiten des autonomen Fahrens. Auch Radwege kämen zu kurz, ebenfalls die Brenzbahn. Es sei außerdem wichtig, die Bürger mit ins Boot zu holen – wie ursprünglich angedacht – sodass es nicht nur Vorschläge der Verwaltung seien.

Thilo Rentschler (SPD) appellierte dafür, dass der Kreistag ein klares Signal setze für das Papier, das nun seine Reise durch die Gremien antrete. "Nur eine klar abgestimmte Raumschaft kann etwas erreichen", sagte er.

Peter Traub (Freie Wähler) sprach sich für den Ausbau der Ebnater Steige aus. Die Hauptverkehrsachsen seien zeitweise an ihrer Belastungsgrenze. "Es macht kein Sinn ein totes Pferd – der Variante 6f – noch toter zu reiten", sagte er in Bezug auf eine alternative Trassenführung.

Roland Hamm (Die Linke) erinnerte auch an die wirtschaftlichen Folgen des ökologischen Wandels. "Existenzfragen sind für Menschen wichtiger als Ökologiefragen", sagte er. Es brauche auch Alternativen zur bisherigen Arbeit, sagte er mit Bezug auf die automobilgeprägte Industrielandschaft in der Region. Sonst gelinge es nicht, die Menschen mitzunehmen.

Susanne Mützel (AfD) kritisierte das Positionspapier in einzelnen Teilen und Manuel Reiger (FDP) signalisierte Zustimmung.

Diese Vorschläge stehen in dem diskutierten Positionspapier

1. Der Mobilitätsraum Aalen – Heidenheim soll sich zu einem Umweltverbund entwickeln und organisieren. (...) Die Kommunen sollen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten, um die strikte Trennung von Wohnen und Arbeiten zu lockern und damit belastende Verkehre vermeiden.

2. ÖPNV und SPNV (also Bus- und Bahnverkehr) sind auszubauen und die bestehenden Verkehrsverbünde und Tarifstrukturen Ostalb und Heidenheim sind zu vernetzen (...). Ziel ist die Weiterentwicklung zu einem Mobilitätsverbund.

3. Die Lage der B 19, insbesondere zwischen Oberkochen und Königsbronn, ist hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklungspotenziale zu überprüfen.

4. Die Brenzbahn muss zumindest zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und die Taktverdichtung sowie systematische Anschlüsse zu den Fern- und Nahverkehren verbessert werden.

5. Eine durchgängige, leistungsfähige, sichere und ganzjährig nutzbare Fahrradverbindung einschließlich der seitlich zuführenden Verbindungen ist zu planen und umzusetzen.

6. Modelle für autonomes Fahren im Individualverkehr, im ÖPNV und SPNV sollten entwickelt werden. (...)

7. Ein zusätzlicher Bahnhaltepunkt zwischen Oberkochen und Königsbronn wird angestrebt, um die hohe Zahl der Berufspendler aufnehmen zu können. Direktbusverbindungen zwischen den Siedlungsflächen für Wohnen und Gewerbe sowie den Bahnhaltepunkten in Verbindung mit einem betrieblichen Mobilitätsmanagement (z.B. Werkbusverkehr) können die Attraktivität von ÖPNV/SPNV erheblich steigern.

8. Eine Prüfung hinsichtlich Bedarf und Wirtschaftlichkeit für Industriegleisanschlüsse einschließlich der Logistikketten für die Verlademöglichkeiten entlang der Bahninfrastruktur in gewerblichen Standorten ist zu beauftragen.

9. Eine ergebnisoffene Prüfung einer zusätzlichen ortsdurchfahrtsfreien Straßenverkehrsbindung zwischen der B19 (Oberkochen – Königsbronn) zur Autobahn A 7 ist zeitnah zu beauftragen. Diese Maßnahme kann die hohe verkehrliche Belastung (insbesondere Schwerlastverkehr) in den Ortslagen von Unterkochen, Königsbronn, Schnaitheim und Aufhausen erheblich verringern.

10. Eine sofortige Baufreigabe und Ausschreibung für die Ortsumfahrung Aalen – Ebnat muss endlich umgesetzt werden.

11. Der seit Jahren diskutierte Albaufstieg Unterkochen Richtung Ebnat muss dringend realisiert werden. Die in der Tallage von Unterkochen vorgesehene Troglösung soll mittels eines überspannenden "grünen" Daches Lärm, Natur und Landschaftsschutz berücksichtigen.

12. Ein Zukunftskonzept soll unter Wegfall von Denkverboten ganz neue Wege und Möglichkeiten aufzeigen. Eine schnelle Seilbahnverbindung von Heidenheim nach Aalen ist dabei ebenso eine Option wie eine öffentlich getragene Mitfahrzentrale über eine benutzerfreundliche App. Dem Regionalverband kann dabei eine verbindende Handlungsfunktion zukommen.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL