Mobilitätswende – sechs Standpunkte

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Wie können wir das ehrgeizige Ziel der Klimaneutralität bis 2035 erreichen? Darüber diskutierten online sechs Landtagskandidatinnen und Landtagskandidaten.

Aalen

Er wüsste es schon, wie es funktionieren könnte. Wie sich das Klimaziel erreichen ließe und der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen sei: Jobst Kraus, ehrenamtlicher Landesbeauftragter für nachhaltige Entwicklung des BUND Baden-Württemberg ist Mitbegründer der Allianz-Mobilitätswende für Baden-Württemberg. Als Basis für die Online-Diskussion "Mobilitätswende auf der Ostalb!?" mit sechs Landtagskandidatinnen und -kandidaten aus Aalen und Schwäbisch Gmünd nannte er provokante Zahlen und Ziele. Eine reine Antriebswende allein werde nicht reichen. Nur eine grundlegende Verkehrswende schaffe 40 Prozent CO2-Minderung. Das bedeute eine 180-Grad-Wende in der Verkehrspolitik. "Wir müssen im Ostalbkreis von derzeit 206 000 Fahrzeugen auf 35 000 Pkws runterkommen."

Unter der Moderation von Winfried Nann, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Ostalb (keb) und Stefan Weiland von der Kontaktstelle für Umweltmanagement der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) diskutierten die Landtagskandidaten neue Mobilitätsstrukturen und Alternativen zum privaten Pkw. "Letztlich aber beginnt die Mobilitätswende im Kopf. Dafür braucht es ganz viele Überzeugungsarbeit", stellte Martina Häusler, Grünen-Landtagskandidatin in Gmünd, abschließend fest.

Alexander Asbrock (Bündnis 90/Grüne), Landtagskandidat in Aalen, ist der Meinung, "dass wir in Baden-Württemberg alles können". Auch neue klimaneutrale Mobilität. Sein Vorschlag: Die Gründung einer Start-up-Agentur im Land, um Zukunftsinvestitionen – auch in die Mobilität – zu fördern. "Auf diese Weise können wir für die Wirtschaft neue Geschäftsfelder aufzeigen." Dass man mit dem Thema erneuerbare Energiesysteme weiterkomme, sei wichtig. "Das ist der Markt, in dem wir neue Arbeitsplätze gewinnen können."

Tim Bückner (CDU), Landtagskandidat in Schwäbisch Gmünd, kennt die Herausforderungen der Mobilität sowohl in der Stadt als auch im ländlichen Gebiet. Vor zweieinhalb Jahren ist Bückner von Schwäbisch Gmünd nach Untergröningen umgezogen und weiß: "Es gibt keine Mobilität und keine Mobilitätswende, die für alle richtig ist." Die große Chance für die Transformation sieht er weniger in einer verordneten Reduzierung der Autos, vielmehr in alternativen Antriebsformen wie E-Mobilität, Wasserstoff und Brennzelle. "Es wird eine Automobilindustrie der Zukunft geben. Es geht um Menschen, die dort arbeiten. Sie sollte man nicht aus dem Blick verlieren!" Bückner sagt: Selbst ein kostenloses Angebot würde die Busse nicht füllen. "Denn ein Umstieg auf den ÖPNV ist für die Leute keine wirtschaftliche, sondern eine kulturelle Frage."

Letztlich beginnt die Mobilitätswende im Kopf.

Martina Häusler Landtagskandidatin der Grünen

Sonja Elser, SPD-Kreisvorsitzende, in Vertretung von Landtagskandidat Jakob Unrath in Schwäbisch Gmünd, fordert eine Mobilitätsplanung, die alle mitnimmt. "Denn man sieht, wie im ländlichen Raum der Individualverkehr zunimmt, weil die alternativen Angebote nicht ausgebaut sind." Nicht jede Kommune habe einen Bahnhof und oft seien die Busfahrpläne nicht an die Bahnfahrpläne angepasst. Der Umstieg vom Auto funktioniere nur dann, wenn alle anderen Angebote gut vernetzt sind – barrierefrei, geschlechterneutral und alterssensibel. Elser warnt davor, die Menschen beim Umstieg auf den ÖPNV moralisch unter Druck zu setzen. "Das wäre der falsche Weg."

Martina Häusler (Bündnis 90/Grüne), Landtagskandidatin in Schwäbisch Gmünd möchte, dass der Ostalbkreis Vorreiter wird mit der Einführung eines Mobilitätspasses. "Es gilt, ein Netz an Knotenpunkten zu schaffen, an denen man bequem umsteigen kann." Ziel sei eine Verdoppelung des ÖPNV bis 2030. Vor allem für den ländlichen Raum brauche es neue Ansätze, beispielsweise eine Mobilitäts-App. Künftig, so Häusler, werden andere, neue Arbeitsplätze durch eine neue Mobilitätskultur entstehen. Was das für die Automobilindustrie bedeute: "Nur wer ressourcenschonende und energiesparende Produkte anbietet, wird in der Welt von morgen bestehen können."

Winfried Mack (CDU), Landtagskandidat in Aalen ist sehr skeptisch, ob es gelingt, bis 2035 die Klimaneutralität zu schaffen. Dennoch sei es wichtig, dass die Antriebstechnik für die Autos der Zukunft aus Baden-Württemberg kommt. "Wir müssen eher auf Wasserstoff und Brennstoffzelle setzen." Inzwischen werbe auch der Ministerpräsident dafür, dass man mit synthetischen Kraftstoffen schneller die Klimaziele erreichen könne. Zudem wolle die CDU den Schienenverkehr ausbauen, Umgehungsstraßen bauen, wo nötig. Nötig sei auch eine schnelle Radwegeverbindung zwischen Aalen und Heidenheim. In der nächsten Legislaturperiode wolle man darauf bestehen, "ganz schnell" die Bahnstrecke zwischen Aalen und Ulm zu elektrifizieren. "Wir müssen hier die Kapazität erhöhen." Dank CDU-Initiative seien auch bereits Doppelstockwagen für die Strecke Aalen-Stuttgart bestellt worden.

Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD), Landtagskandidatin in Aalen stellt fest, dass der Verkehrsbereich künftig viel mehr zum Erreichen der Klimaziele beitragen müsse. "Da sind wir uns parteiübergreifend einig." Es gelte, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen. Nötig sei der Ausbau der Oberen Jagsttalbahn und der Brenzbahn. "Dazu brauchen wir neue Mobilitätsformen. Wir müssen die Förderung von E-Autos und die Batteriezellenforschung nach vorne bringen." Zudem fordert Merk-Rudolph eine Verkehrs-App, 365-Euro-Tickets für den ÖPNV und Share-Modelle. Die Mobilität der Zukunft müsse bedarfsorientiert sein und angepasst an die Siedlungs- und an die Altersstruktur der Bewohner. "Wir brauchen flexible Bürgerbusse, Werksbusse, Taxikombinationen, und, und, und." Wenn man aber Mobilität neu denken wolle, funktioniere das nicht ohne Bürgerbeteiligung.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Veranstaltet wurde die Online-Diskussion von der katholischen Erwachsenenbildung Ostalb (keb), der evangelisch-methodistischen Kirche, der Allianz Mobilitätswende in Baden-Württemberg und dem Klimabündnis Ostalb.

Das Pariser Klimaabkommen hat zum Ziel, den Anstieg der Erderwärmung durch weitere Maßnahmen idealerweise auf 1,5 Grad zu begrenzen. Zudem sollen die Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden

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