Durchgekaut

Moggabrei für die Nordhessin

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Cordula Weinke erzählt von einer Überraschung beim ersten "Durenander".

Kennen Sie Moggabrei, auch Kratzete genannt? Das hat mich kürzlich Siegfried Wiedemann aus Onatsfeld gefragt. Der ehemalige "Bänker" und gebürtige Unterkochener ist zu Lesungen schwäbischer Gedichte und Geschichten häufig in der Region unterwegs und hat sogar schon ein altschwäbisches und ein französisch-schwäbisches Lexikon erarbeitet. Immer wieder bereichert er auch das "Schwäbisch als Ratespiel" auf Freitagsseiten dieser Zeitung.

Aber "Moggabrei" oder "Kratzete"? Beide Ausdrücke hatte ich bis dato noch nie gehört. Und das konnte nicht nur daran liegen, dass ich "reigschmeckt" bin. Denn auch in meiner Umgebung in Schwäbisch Gmünd hatte niemand, den ich fragte, eine Erklärung parat.

Doch Siegfried Wiedemann hilft gerne weiter: "Mogga", sagt er, "ist ein in der Pfanne zerstückelter Eier-Mehlkuchen." Der werde im Badischen eher Kratzete genannt, auf Schriftdeutsch Eierhaber und in Österreich Kaiserschmarren. Jetzt gehen bei mir alle Glühbirnen auf einmal auf, nun wird mir klar: "Moggabrei" ist genau das, was ich in Bettringen als "Durenander" kenne. "Gewiss", stimmt Siegfried Wiedemann zu: "Hier hat wohl jede Region ihren eigenen Namen gefunden." Und er erzählt weiter: "Das ist ein Essen, das meine Mutter immer mit Grombierasalat machte. Meine Frau mag es süß mit Apfelmus."

Was mir in dem Moment wieder einfällt: Als mir vor Jahren eine schwäbische Hausfrau mein erstes "Duranander" servierte, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Denn als gebürtige Nordhessin hatte ich ein völlig anderes Essen erwartet: ein "Durchenanner", wie es meine Oma immer nannte. Das ist – frisch "reigschmeckt" erklärt – die nordhessische Variante des "Gaisburger Marsch". Heute weiß ich es besser: Für echte Schwaben hat das nordhessische "Durchenanner" nicht viel mit "Grombieraschnitz ond Spätzla" gemeinsam. Denn da fehlen die Spätzle. Stellen Sie sich vor: Da gesellt sich Reis zu Suppenfleisch, Karotten und Kartoffeln.

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