Motorradunfälle im Ostalbkreis - das sagt die Polizei

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Wie sich die Zahl der Unfälle und die Zulassungszahlen im Laufe der Jahre verändert haben. Eine ADAC-Studie ermittelt Hintergründe.

Aalen

Bis Mitte Juni dieses Jahres haben sich im Ostalbkreis 53 Motorradunfälle ereignet. Diese Zahl nennt die Polizeidirektion Aalen auf Anfrage dieser Zeitung. Das sind relativ viele, kurz vor Ablauf der Hälfte der Saison. Eingerechnet wurden dabei nur Maschinen mit einem Hubraum von mehr als 125 Kubikzentimeter. Nicht mitgerechnet ist, aber wegen des Datums, demnach der schwere Unfall vor 14 Tagen bei Weiler in den Bergen. Dort wurde der Motorradfahrer schwer, seine Sozia leicht verletzt.

Schaut man sich die Polizeistatistik der letzten zehn Jahre an, fällt auf, dass sich 2010 nur 75 Motorradunfälle ereignet haben. 2012 waren es 107.

Zwar ist der Zusammenhang nicht untersucht worden, aber die Zahl der Unfälle hängt offensichtlich zusammen mit der Anzahl der Schönwetter-Wochenenden während der Motorradsaison von April bis Oktober. Bei schönem Wetter verunglücken mehr Motorradfahrer als bei schlechtem. Aus dem einfachen Grund, weil bei schlechtem Wetter nur diejenigen auf dem Zweirad unterwegs sind, die nicht auf ein Automobil als Fortbewegungsmittel ausweichen können. Die hauptsächlichen Unfallursachen sind nicht angepasste Geschwindigkeit, Vorfahrtsverletzungen (beim Einbiegen in eine oder beim Kreuzen einer Straße) sowie Missachtung des Vorrangs (beim Abbiegen), schildert ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Diese Ursachen haben sich in den vergangenen zehn Jahren nicht verändert.

Unverändert ist auch die Tatsache, dass vor allem junge Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verunglücken.

"Senioren ab 65 Jahren sind unauffällig", so der Polizeisprecher. Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass der Anteil der über 60-Jährigen unter den Motorradfahrern steigt. Die sprichwörtliche Vorsicht des Alters scheint also hier etwas zu nützen.

Thema nicht angepasste Geschwindigkeit: Eine ausführliche Studie des ADAC zu Motorradunfällen von 2015, aktualisiert im Jahr 2019, nennt in 31 Prozent aller Unfälle das (alleinbeteiligte) Abkommen von der Fahrbahn als Unfallursache. Also fast jeder Dritte.

Senioren ab 65 Jahren sind unauffällig.

Sprecher des Polizeipräsidiums

Und wenn dann ein Unfall passiert ist, welche Verletzungen kommen am häufigsten vor? "Knochenbrüche an Armen und Beinen, Rippen- und Wirbelbrüche", sagt Marc Sachsenmaier, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK-Kreisverband Aalen. Wobei Wirbelbruch nicht unbedingt gleichzusetzen sei mit einer Querschnittslähmung. Auch Kopfverletzungen seien noch häufig, von der leichten Gehirnerschütterung bis hin zum schweren Hirntrauma.

Nichts verändert habe sich über die Jahre an der Art der Verletzungen, denn: "Die Sicherheitsaspekte der Motorräder sind weitgehend gleichgeblieben", so Sachsenmaier. Er macht dabei zwei Ausnahmen: Moderne Motorräder sind mit Antiblockiersytemen (ABS) ausgerüstet. Auch die Schutzkleidung der Fahrer sei besser geworden.

Weniger Unfälle je Kilometer

Zurück zu den Unfallzahlen. Zählt man die Jahre 2010 bis 2019 zusammen und teilt die Zahl durch zehn, kommt man auf die statistische Zahl von durchschnittlich knapp 92 Motorradunfällen jedes Jahr. Wirft man nun einen Blick auf die Zulassungszahlen der Krafträder im Ostalbkreis, dann sieht man, dass diese in den Jahren seit 2010 kontinuierlich gestiegen sind. 2010 waren 18 127 Motorräder im Landkreis angemeldet, 2019 waren es 22 826. Eine Steigerung um fast 4700 Motorräder; umgerechnet ein Zuwachs von knapp 26 Prozent. Unter diesem Gesichtspunkt liegt die Vermutung nahe, dass die Zahl der Unfälle je gefahrener Motorradkilometer nicht gestiegen, sondern erkennbar gesunken ist.

ADAC-Studie "Motorradunfälle": www.adac.de/-/media/pdf/rund-ums-fahrzeug/auswertung_motorradunfalle_1005kb.pdf?la=de

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