Multiple Voices: ein wahres Klang-Erlebnis

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Countertenor Terry Wey (links) und Bariton Ulfried Staber singen die 40-stimmige Motette über acht Stunden ein.

Terry Wey und Ulfried Staber verschmelzen authentischen Gesang und "Konserve".

Ein achtstündiger Gesangsmarathon lag vor den beiden Sängern Terry Wey und Ulfried Staber in einem Konzert, das trotz später Stunde am Samstag gegen 22 Uhr im Münster alle 100 corona-möglichen Plätze füllte. Diese Klang-Live-Installation im Heilig-Kreuz-Münster war ein außerordentliches Erlebnis im Programm des Festivals Europäische Kirchenmusik.

Die 40 Abschnitte der Motette "Spem in Alium" (In nichts sonst setze ich die Hoffnung, außer in dich, Gott Israel) wurden nicht nur gesungen, sondern auch inszeniert: 40 Kerzen wurden eine nach der anderen auf der Altarstufe entzündet, vor dem Pult wurde der Fortschritt der Erarbeitung sichtbar gemacht.

Für die sechs Textzeilen komponierte Thomas Tallis um 1573 in England 40 Stimmen für acht Chöre. Wie es im Programmheft heißt, entsteht das Gesamthörwerk in acht Stunden "nicht vertikal, sondern horizontal". Von 2 Uhr am Samstagmittag bis in die Nacht war die Entstehung der Motette aus einzelnen Chorstimmen durch einen der beiden Sänger zu verfolgen. Ein Moment, der die Besucherinnen und Besucher schon während der Aufnahme unmittelbar in "Multiple Voices", also in viele Stimmen eintauchen ließ.

Aus 16 Lautsprechern erklangen die übereinander gelagerten Einzelstimmen und entführten das Auditorium unmittelbar in den Kompositionsprozess. Der Klangregisseur nahm jede Stimme auf und spielte sie für jeden Zugang live zu. Der authentische Gesang und die "Konserve" verschmolzen nahtlos miteinander. Die brillante technische Umsetzung verantworteten Aufnahmeleiter Lorin Wey und Markus Wallner, Tontechnik.

Am Ende ein überwältigendes Ergebnis: Chorgesang ertönt überzeugend lebendig und harmonisch klangvoll, wie es bei einem 40-Stimmen-Chor nicht möglich wäre. Countertenor Terry Wey und Bariton Ulfried Staber verfügen gemeinsam über dreieinhalb Oktaven Stimmumfang. Jeder übernimmt zwei der fünf Stimmen des Chores, die mittlere Stimme teilen sie untereinander auf. "Das Resultat ist frappierend: Eine weitestgehende stimmliche Homogenität", beschreibt Terry Wey die Interpretation.

Die Aufführung war ein überzeugendes Beispiel, wie Technik und Originalstimmen ein außerordentliches Klangerlebnis schaffen können. Die Besucher empfanden sich vom Gesang der Chorstimmen eingehüllt.

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