Museum in den Startlöchern

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Werke von Reinhold Nägele sind erst mal nur online zu sehen, später wieder im Original. Im Bild Dr. Max Tillmann und Joachim Haller (l.).

Zwei große Ausstellungen in Schwäbisch Gmünd. Zunächst nur ein Blick in die Schaufenster und nach dem Lockdown in die Sammlung.

Die Planungen stehen, die Vorbereitungen laufen, die Pandemie ist die große Unbekannte: Das Gmünder Museum steht vor einem ambitionierten Jahresprogramm mit einer großen Ausstellung des Lebenswerks von Herzogin Diane von Württemberg. "DxDiane zu Gast in Gmünd. Kunst über Grenzen" soll vom 23. Mai bis 3. Oktober zu sehen sein.

Doch bis dahin müssen sich Kunstfreunde gedulden. Aktuell bietet sich ein Blick in die Sammlung des Museums an – wegen Corona nur online – und da speziell auf eine Sonderpräsentation zu Reinhold Nägele. Dafür, sagt Museumsleiter Dr. Max Tillmann, "griff das Museum in seine Schatzkammer und gruppierte um ein zentrales Werk des Künstlers Reinhold Nägele, die ‘Gefallenendenkmalweihe 1935 auf dem Gmünder Marktplatz', weitere aussagekräftige Arbeiten des aus Murrhardt stammenden Malers".

Für Dr. Max Tillmann, Leiter des Gmünder Museums, ist er der "Chronist aktuellen Zeitgeschehens und Interpret heimatlicher Landschaft". Die nächtliche Gefallenendenkmalfeier beunruhigt den Betrachter. Eine dämonische Stimmung liegt über Schwäbisch Gmünd und Reinhold Nägele ist dabei Chronist und politischer Maler zugleich. Eine Arbeit, die das Museum gerne dauerhaft zeigen möchte. "Wir bemühen uns derzeit mithilfe von Sponsoren um den Erwerb der Arbeit", sagt der Museumsleiter.

Nägele bekommt seine Ablehnung gegenüber den Nazis damals zu spüren. Sie haben ihn im Visier, dessen jüdischstämmige Ehefrau bekommt als Ärztin bald ein Berufsverbot auferlegt. Gerade noch rechtzeitig gelingt die Flucht über Paris und London nach New York. Es folgen Jahre, in denen Nägele nicht glücklich wird. In der neuen Gesellschaft und der Stadtlandschaft findet er sich nur schwer zurecht. Dennoch kehrt er erst 1956 zurück nach Murrhardt. Die weiteren Arbeiten in der kleinen Sonderschau des Museums offenbaren Reinhold Nägeles Welt mit skeptischem Blick hinter die Kulissen auf der Suche nach dem Hintergründigen und Hintersinnigen. Seine Bilder können skurril oder befremdlich wirken. Vor allem rufen sie durch ihre Kleinteiligkeit nach einem genauen Blick.

Wir bemühen uns derzeit um den Erwerb.

Dr. Max Tillmann Museumsleiter

Max Seiz in den Schaufenstern

Kunstfreunde müssen zunächst Verzicht üben. Die Ausstellung des Künstlers Joseph Stephan Wurmer "Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik" fällt Corona zum Opfer. Dafür sehen Passanten der Innenstadt in den Schaufenstern des Predigers an der Bocksgasse und im Predigergässle Skulpturen des vor einem Jahr verstorbenen Gmünder Künstlers Max E. Seiz. Tochter und Galeristin Andrea Seiz hat dafür Werke ausgesucht, die markante Stationen im Leben des Plastikers zeigen. Darunter sind frühe Arbeiten aus den 1970er-Jahren, als Max Seiz den rundlichen Formen, überdimensionalen Handschmeichlern gleich, näher tritt. Bekannt wird er durch seine Stein-Skulpturen, später genehmigt sich Max Seiz zunehmend Bronze und spielt dabei mit den Oberflächen, die er mitunter akribisch fein bearbeitet. Der Künstler ist schon 85, als er 2012 die "Abendstimmung" formt, eine fast kubisch in sich verschlungene Skulptur, deren Blick zum Himmel ragt.

Museumsleiter Dr. Max Tillmann hofft nun auf die nächste Ausstellung "Lechaim – Auf das Leben!", die am 25. April öffnen soll. Zu sehen gibt es zum Jubiläum "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland" Kiddusch-Becher und andere Judaica aus Gmünder Produktion. Seit dem 18. Jahrhundert gehörte die Fertigung von Judaica zum Repertoire der Gmünder Edelmetallindustrie. In den 1920er Jahren beispielsweise zählten ein Besamim-Turm sowie zwei Varianten eines Chanukka-Luchters zur Produktpalette der Firma Pauser, die von 1928 bis zur Stilllegung der Fabrik 1979 von Emil Pauser geführt wurde und heute Museum ist.

Schaufenster und Museen

Skulpturen von Max E. Seiz zeigt das Museum in den Schaufenstern entlang – unabhängig von Öffnungszeiten. Wenn es die Corona-Regeln erlauben, hat die Galerie im Museum Villa Seiz von Freitag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Sammlung des Museums im zweiten und dritten Obergeschoss des Predigers ist wegen Corona erst mal nur online "geöffnet". Zu sehen ist unter anderem die Sonderschau Reinhold Nägele.

Ott-Pausersche Fabrik: Die nächste Ausstellung wird vermutlich am 25. April eröffnet. Im Mittelpunkt stehen Judaica aus Gmünder Produktion.

Prediger-Museum: Die Ausstellung DxDiane zu Gast in Gmünd soll am 23. Mai im Museum beginnen.

Isis, die Sonnengöttin, eine Arbeit von 1995.
Die Formensprache von Max Seiz im Jahr 1989, "Europa" nannte der Künstler die Skulptur.

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