Musikalische Schätze im Ries entdeckt

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Professor Dr. Hermann Ullrich beschäftigt sich seit etwa 30 Jahren mit der Musik im Ries. Seine Doktorarbeit hat er über den Augsburger Domkapellmeister Johann C. Drexel geschrieben.

Prof. Dr. Hermann Ullrich hat ausgegraben, was früher oft ins Altpapier gewandert ist. Werke von vergessenenen "Bestsellerkomponisten" aus der Region hat er auf CD gebrannt.

Wiederentdeckte Werke aus der Region sind auf der neuen CD "Musik vom Ries und rund drum rum" zu hören. Ausgegraben und rekonstruiert von Professor Dr. Hermann Ullrich von der PH in Schwäbisch Gmünd und seinen Studenten. SchwäPo-Mitarbeiterin Beate Krannich sprach mit dem Musikwissenschaftler über das Projekt.

Gibt es einen Anlass für die CD?

Prof. Ullrich: Ja, Franz Bühler hatte in diesem Jahr seinen 260. Geburtstag. Der Komponist wurde 1760 in Unterschneidheim geboren. Die Kulturstiftung Franz Bühler, Unterschneidheim unterstützt die Herstellung der CD.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Musik im Ries?

Seit etwa 30 Jahren. Ich hatte 1990 eine Anfrage für den Festvortrag über Franz Bühler in Unterschneidheim. Meine Doktorarbeit habe ich über den Augsburger Domkapellmeister Johann C. Drexel geschrieben, der Vorgänger von Bühler. Da stößt man auf viele Musikernamen unserer Gegend. Man wird aufmerksam und sucht gezielt in Bibliotheken und Archiven. Mich interessiert die Rolle der Musik auf dem Land, da gibt es schlechthin noch keine Untersuchungen.

Waren Sie überrascht von der Qualität der gefundenen Werke?

Sehr. Man sieht es den alten Noten nicht an, was an Musik drinsteckt. Deshalb sind sie oft ins Altpapier gewandert, wurden verbrannt und als Massenware abgetan.

Sie sprechen von Franz Bühler, Joseph Ohnewald und Johann Melchior Dreyer als drei "Bestseller-Komponisten" der Region. Können Sie das genauer erklären?

Sie waren Erfolgskomponisten der Haydn-Mozart-Beethoven-Zeit. Ihre Kirchenmusik wurde in großen Auflagen gedruckt und eingekauft. Nachweisbar ist ein riesiger Verbreitungsraum von Zagreb bis Birmingham, von Boston bis Moskau.

Sie sagen, diese Komponisten wurden häufiger als Mozart gespielt.

Das stimmt. Im Kapellmeisterbuch des Klosters Einsiedeln beispielsweise sind alle Aufführungen dokumentiert. Dort stehen um 1845 Bühler und Ohnewald an der Spitze.

Ihre Musik war manchem Kleriker zu heiter, zu tänzerisch, zu prachtvoll.

Prof. Dr. Hermann Ullrich Musikwissenschaftler

Warum geriet diese Musik in Vergessenheit?

Sie war manchem Kleriker zu heiter, zu tänzerisch und zu prachtvoll und wurde gegen viel Widerstand abgeschafft.

Wie wurde vor 200 Jahren auf dem Dorf geistliche Musik gemacht?

Die praktische Musikpflege spielte eine größere Rolle als heute. Das hing von den Schulmeistern ab, die haben ganze Orte geprägt, haben Kindern und Erwachsenen Singen und Instrumentalspiel beigebracht. Im Dorfchor und -orchester war jeder drin, den man brauchen konnte.

Ein Wort zum Arsatius Consort?

Die Absicht war, die Musik mit einem authentischen Instrumentarium wiederzugeben. Das Arsatius Consort spielt auf historischen Instrumenten. Authentisch ist auch die Besetzung der Sopranarien mit Dr. Robert Crowe. Im 18. Jahrhundert sind etwa in Ellwangen männliche Soprane nachgewiesen, sogenannte Diskantisten.

Wie haben Sie Ihre Studenten bei dem CD-Projekt mit einbezogen?

Vieles, was auf der CD zu hören ist, geht auf studentische Arbeit zurück. Von den meisten Werken fanden sich nur die Einzelstimmen. Die Studierenden haben daraus Partituren erstellt. Außerdem waren sie bei der Einstudierung mit dem Bettringer Chor aktiv und bei der Aufführung dabei.

Die  CD "Musik vom Ries II" ist erhältlich per Mail an Poststelle@unterschneidheim.de sowie unter Telefon (07966) 181-21 und kostet 15 Euro.

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