MVZ: ein Zukunftsmodell für die Patientenversorgung?

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Andreas Ladurner

Professor Dr. Andreas Ladurner von der Hochschule Aalen hat ein Gutachten über medizinische Versorgungszentren (MVZ) erstellt. Das sind die Ergebnisse.

Aalen

Wie wird die ambulante medizinische Versorgung in Deutschland in Zukunft aussehen? Wie wichtig diese Frage ist, zeigt die derzeitige Corona-Pandemie. Um die Versorgung gerade auch in ländlichen Regionen zu verbessern, wurde 2004 das medizinische Versorgungszentrum, kurz MVZ, als neuer Anbietertyp ins Leben gerufen. Auch das vor Kurzem erbaute Ärztehaus-West in Hofherrnweiler ist eines von mehreren MVZ im Kreis.

Professor Dr. Andreas Ladurner von der Hochschule Aalen hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ein Gutachten zu den MVZ in Deutschland erstellt. Ladurner ist Studiendekan des Studienbereichs Gesundheitsmanagement der Hochschule Aalen. Zum Bearbeiterteam gehören neben Ladurner Professorin Dr. Ute Walter, Fachanwältin für Medizinrecht in München, und Professorin Dr. Beate Jochimsen, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen und zugleich Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Dies geht aus einem Schreiben der Hochschule Aalen hervor.

Was ist ein MVZ? Ein MVZ ist – anders als die klassische Arztpraxis – eine Art ambulantes "Mini-Krankenhaus". Auf Initiative der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt führte der Gesetzgeber 2004 MVZ als Ergänzung zur herkömmlichen Arztpraxis ein. Während dort ein niedergelassener Arzt seinen Beruf als Selbstständiger in eigener Praxis ausübt, sind die Ärzte im MVZ überwiegend Angestellte. Inhaber eines MVZ müssen zudem nicht zwingend die dort tätigen Ärzte sein; so können etwa auch Krankenhäuser MVZ gründen und betreiben.

Im Großen und Ganzen hat sich das MVZ aber bewährt.

Professor Dr. Andreas Ladurner Studiendekan des Studienbereichs Gesundheitsmanagement der Hochschule Aalen

Wie können die MVZ weiterentwickelt werden? "Wir schlagen zahlreiche Änderungen im Detail vor – im Großen und Ganzen hat sich das MVZ aber bewährt", fasst Ladurner das 170 Seiten lange Gutachten zusammen. Das Gutachten unterbreitet etwa Vorschläge, die es Ärzten erleichtern würden, in die MVZ einzusteigen. Denkbar sei es, den für jedes MVZ bereits bislang vorgeschriebenen ärztlichen Leiter in seiner Unabhängigkeit weiter zu stärken. Außerdem schlagen die Gutachter eine Schilderpflicht für MVZ vor: Der Patient soll gleich am Eingang erkennen können, wer Träger der Einrichtung ist. Ebenfalls im Sinne der Transparenz sollen Träger vorhandener MVZ im sogenannten Arztregister erfasst werden. Schließlich schlagen die Gutachter eine Mindestgröße für MVZ gemessen an der Zahl der dort tätigen Ärzte vor. Damit, so die Gutachter, ließe sich das Profil des Anbietertyps MVZ im Vergleich zur ärztlichen Praxis schärfen.

Wie sieht die Zukunft des MVZ aus? "Die Zahl der angestellten Ärzte wird weiter zunehmen, denn die wirtschaftlichen Risiken der Praxisgründung und die hohe zeitliche Belastung, die eine eigene Praxis mit sich bringt, wollen viele Ärzte der jungen Generation nicht mehr auf sich nehmen. Insofern bietet die Anstellung im MVZ eine gute Alternative. MVZ dürften deshalb auch in Zukunft für die Sicherstellung der Versorgung wichtig sein", sagt Ladurner.

Welche Kritik gibt's am MVZ? MVZ haben sich etabliert: Zuletzt waren laut Schreiben deutlich mehr als 3000 MVZ in Deutschland zugelassen, in denen mehr als 18 000 Ärzte praktizieren. In manchen ärztlichen Fachgebieten erbringen demnach mittlerweile MVZ den Löwenanteil der Versorgung, so etwa im Bereich der Labormedizin. Gleichwohl gebe es aber auch Kritik an MVZ. Dabei werde vor allem beanstandet, dass sich mittels MVZ auch Nichtärzte, wie etwa Beteiligungsgesellschaften, in der ambulanten Versorgung finanziell engagieren können. Solche Investitionen gefährdeten die Unabhängigkeit der in MVZ tätigen Ärzte und damit letztlich das Patientenwohl, so die Kritik. Dass sich nichtärztliche Inhaberstrukturen negativ auf die Behandlungsqualität der Ärzte im MVZ auswirken, lässt sich laut Gutachten weder bestätigen noch entkräften. Grund für dieses Ergebnis sei die aktuell unzureichende Datenlage. Vor diesem Hintergrund halten die Gutachter die derzeitigen Schutzmechanismen an sich für ausreichend.

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