Nach Corona-Pause: wieder normale OPs an Ostalb-Kliniken

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Auch an der Virngrundklinik in Ellwangen soll der Normalbetrieb Zug um Zug erreicht werden.
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Hüfte, Knie und Leistenbruch: Wie an den Ostalb-Kliniken wieder Operationen möglich sein sollen, die wegen der Pandemie verschoben worden sind.

Aalen

Die Kliniken im Ostalbkreis kehren zum Klinikalltag zurück – zumindest schrittweise. Vor allem planbare, nicht dringend notwendige Operationen waren wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben worden. Diese Phase ende jetzt, wie Landrat Klaus Pavel und der Chef der Kliniken Ostalb, Professor Dr. Ulrich Solzbach, am Dienstag bekanntgaben. Gleichzeitig werde die Zahl der Intensivbetten, die für Corona-Patienten im Ostalbkreis vorgehalten werden, schrittweise reduziert auf dann neun Betten. Jetzt sind es knapp 40.

In den elf Corona-Wochen im Ostalbkreis wurden insgesamt 1200 Operationen nicht gemacht, weil die Klinikkapazitäten für mögliche Corona-Patienten reserviert worden waren. Zwar wurde in dringenden Fällen – etwa bei einem Herzinfarkt oder einem Unfall operiert. Doch eine geplante Knie-Operation, die neue Hüfte oder ein Leistenbruch: Das alles wurde verschoben, wenngleich "auch während dieses Ausnahmezustandes die Kliniken und Notaufnahmen allen Bürgerinnen und Bürgern an 365 Tagen an 24 Stunden zur Verfügung standen", wie Pavel und Solzbach versicherten. Jedoch waren 50 Prozent der Klinik-Betten für Corona-Patienten vorgehalten worden. Übrigens wurden, Stand Dienstag, insgesamt 155 an Covid-19 erkrankte Patienten seit Beginn der Corona-Pandemie auf den Isolierstationen behandelt, 28 benötigten eine Intensivbetreuung. Auch vier Kinder waren unter den Erkrankten, sie hatten aber nur leichte bis mittlere Krankheitsverläufe.

Jetzt entspanne sich die Corona-Situation im Landkreis zusehends. Am Dienstag seien nur noch 270 aktiv Erkrankte bekannt. Die Konsequenz: "Der Anteil der Klinikbetten, der für Corona-Patienten freigehalten wird, soll nun ab dieser Woche nach und nach reduziert werden", kündigte Landrat Pavel an. Im Landkreis orientiert man sich an den Vorgaben von Bund und Land. Diese schlagen vor, stufenweise immer mehr Betten für planbare Eingriffe zur Verfügung zu stellen. "Somit sind wieder Behandlungen von Patienten mit planbaren Eingriffen wie etwa Hüft- oder Knieoperation möglich", sagte Professor Dr. Solzbach – und betonte: "Durch die Abstands- und Hygienebestimmungen in den Kliniken ist weiterhin eine höchstmögliche Sicherheit für alle Patienten gewährleistet."

Täglich werde mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Fälle die Situation überprüft. Der Klinikbetrieb werde "im Bedarfsfall an den einzelnen Standorten in Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd" angepasst. Dies alles seien Schritte zurück zur Normalität, "von der die Kliniken Ostalb allerdings noch ein gutes Stück entfernt sind", so Solzbach.

Trotz der ersten Lockerungen habe es in der vergangenen Woche "erfreulicherweise nur 35 Neuinfektionen gegeben" erklärte Pavel, auf die Frage, ob er sich sorge wegen der aktuellen Lockerungen. Er sei daher "zuversichtlich, dass das schrittweise Hochfahren der Kliniken trotz der geforderten Flexibilität, bei Bedarf wieder umzusteuern, unproblematisch ist".

Nach wie vor sollen im Ostalbkreis zudem die ärztlichen Notfallzentren in der Aalener Greuthalle und der Schwäbisch Gmünder Großsporthalle eingerichtet bleiben, auch wenn sie bislang nicht aktiviert werden mussten. Wie es mit diesen weitergeht, soll laut Pavel bis zu den Pfingstferien entschieden werden: wenn abzusehen ist, wie sich die Infektionsraten entwickeln. Über die Perspektive für die Fieberambulanzen, die in Aalen und Schwäbisch Gmünd als Anlaufstelle für Patienten mit fieberhaften Infekten fungieren, will Pavel in den nächsten Tagen mit den Vertretern der Kreisärzteschaften sprechen. "Der Versorgungsauftrag hat für die Kliniken Ostalb nach wie vor den allerhöchsten Stellenwert", betonten Pavel und Solzbach abschließend und weiter, an die Bürgerinnen und Bürger gewandt: "Bitte zögern Sie nicht, sich bei einem medizinischen Notfall an unsere zentralen Notaufnahmen zu wenden!"

Wie werden Eingriffe bei Patienten, deren Operation aufgeschoben wurde, nachgeholt?

Wie Professor Solzbach ausführt, geht es nach medizinischen Faktoren: Wie stark leidet der Patient? Welche Erkrankungen hat er sonst? Dies entscheide der ärztlicher Leiter in der jeweiligen Klinik vor Ort. Es spiele dabei "keine Rolle", ob ein Patient gesetzlich oder privat versichert ist.

Wie sieht es mit Besuchen in den Kliniken aus?

Das Besuchsverbot in den Häusern werde noch weiter gelten, "da sich diese Maßnahmen bisher als sehr wirksam erwiesen haben", so Solzbach. Ausnahmen seien "natürlich weiterhin in Absprache mit der jeweiligen Station möglich", verspricht er. Auch werde täglich geprüft ab, "wann eine Lockerung der Besucherregelung möglich ist".

Wie lange dauert es, bis die in den elf Wochen ausgefallenen 1200 Operationen nachgeholt werden?

Professor Solzbach rechnet damit, dass sich dies noch mindestens das ganze Jahr über zieht.

Welche finanziellen Einbußen haben die Kliniken Ostalb wegen der ausgefallenen Operationen?

Allein wegen der nicht durchgeführten Operationen rechnet Landrat Pavel mit einem Fehlbetrag von 2,9 Millionen Euro.

Wie sieht es mit den Notfallzentren in Schwäbisch Gmünd und Aalen aus?

"Wir bauen sie noch nicht ab", sagt Landrat Pavel. Zwar habe man bislang "noch kein Bett" dort gebraucht. Aber es sei klug, abzuwarten, wie sich die ersten Lockerungen auswirken auf die Infektionsrate. Dann sei man vorbereitet für den Fall der Fälle, der hoffentlich nicht eintrete.

Wie viele Untersuchungen gab es in den Fieberambulanzen?

Stand Dienstag waren es seit 4. April in Aalen 1029 Untersuchungen, und in Schwäbisch Gmünd, wo die Fieberambulanz drei Wochen später geöffnet worden ist, waren es 352.

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