Nach Sexualstraftaten in Aalen und Gmünd: So wehrt man sich gegen Angreifer

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Sexualstraftat: So wehrt man sich richtig gegen Angreifer.
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Warum man Täter siezen sollte, was es mit dem Taschenalarm auf sich hat und weshalb die Polizei von dem Einsatz von Pfefferspray abrät.

Aalen. Nach der Sexualstraftat am Donnerstagabend im Bereich der Limes-Thermen wird noch immer nach den unbekannten Tätern gesucht. Dabei kann sexuelle Gewalt auch von Personen aus dem Umfeld ausgeübt werden – diese Form der Gewalt ist sogar häufiger. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich bei Angriffen wehren kann und wie Opfer handeln sollten – egal ob es sich um einen Fremden, einen Bekannten oder den eigenen Partner handelt. Auch in Gmünd kam es am Freitagabend zu einer versuchten Vergewaltigung.

Sich gegen Angriffe wehren

Die Polizei rät davon ab, bei einem Angriff Tierabwehrspray zu verwenden – auch wenn es sich dabei um eine legale Waffe handelt. "Das muss man hundertprozentig beherrschen", so Polizeihauptkommissar Otto Kruger vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Aalen. Im schlimmsten Falle könne der Angreifer die Waffe an sich reißen – oder das Opfer verletzt sich aufgrund der Zerstäubung selbst.

"Unsere Empfehlung ist, dass man Taschenalarme mitführt", so Kruger. Dabei handelt es sich um eine Art Notfallknopf, der etwa am Schlüsselbund befestigt werden kann. Wenn man ihn aktiviert, gibt er ein Alarmsignal von sich, das bis zu 140 Dezibel laut ist. "Ob jemand darauf reagiert, kann man nicht sagen, aber das weiß der Täter genauso wenig." Zudem richte sich die Aggression des Angreifers dann nicht auf das potenzielle Opfer, sondern auf das Gerät. Denn der Täter möchte seine Tat selbstverständlich möglichst unauffällig begehen.

In erster Linie sei aber wichtig, es dem Täter so schwer wie möglich zu machen. Erscheint eine Situation bedrohlich, sollte man sie verlassen, also eventuell einen Umweg gehen. Gerät man doch in eine gefährliche Situation, rät Kruger: "Einfach rennen." Wenn das nicht funktioniert, solle man versuchen, auf sich aufmerksam zu machen – etwa durch Schreien oder die Aktivierung des Taschenalarms.

Wenn all das nichts hilft, solle man sich körperlich wehren. "Und auch in den übelsten Situationen sollte man die Täter noch mit 'Sie' ansprechen", rät der Polizist. Dadurch könne man auch sprachlich die Distanz wahren. "Wir empfehlen einfach, sich so lang wie es geht zu wehren", so der Polizeihauptkommissar. Die Erfahrung zeige, dass das betroffene Personen eher davon abhält, zum Opfer zu werden.

Und auch, wenn es nicht zu einer Konfrontation kommt: Kruger empfiehlt ausdrücklich, sich dennoch bei der Polizei zu melden. "Dann können wir schauen, ob jemand unterwegs ist, der solche Verbrechen verübt."

Im Falle eines Übergriffs

Wer Opfer einer Sexualstraftat wurde, sollte in jedem Fall die Polizei alarmieren und die Straftat anzeigen. Auch wenn der oder die Täterin aus dem persönlichen Umfeld stammt. Opfer können sich dabei von einer Person ihres Vertrauens oder einem Rechtsbeistand begleiten lassen.

Auch wenn es schwer fällt, sollten sich Opfer einer Sexualstraftat bis zu einer ärztlichen Untersuchung nicht waschen, sodass Spuren gesichert werden. Kleidung, die zum Zeitpunkt des Übergriffs getragen wurde, sollte ebenfalls nicht gereinigt werden. Wenn möglich, sollten die Kleidungsstücke einzeln in Tüten verpackt werden. Auch der Tatort sollte nicht verändert werden.

Wenn zudem vermutet wird, unter dem Einfluss von sogenannten K.O.-Tropfen Opfer einer Straftat geworden zu sein, ist es wichtig, sofort einen Arzt oder die Polizei aufzusuchen – die Tropfen sind nur kurzzeitig im Urin nachweisbar.

In jedem Fall betont die Polizei: Egal unter welchen Umständen die Straftat stattgefunden hat – das Opfer ist niemals schuld! Weitere Informationen für Opfer und Angehörige gibt es hier.

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