Nach Tornado in den Wäldern um Abtsgmünd: Jetzt wird das Sturmholz beseitigt

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Trafen sich vergangenen Freitag vor Ort, um das weitere Vorgehen bei der Aufarbeitung der Sturmschäden zu besprechen (v. l. n. r.): Marco Wieland (im Harvester), Tilman Pfeifle, Johann Reck, Armin Kiemel, Nico Hinderer, Anita Dolderer, Peter Kommander, Johannes Gugel.

Waldbesitzer, Kreisforstverwaltung und die Gemeinde Abtsgmünd packen die Aufarbeitung der Sturmschäden vom 20. Mai an.

Am Freitag, 20. Mai, wütete ein kurzer und heftiger Tornado in den Wäldern zwischen Fachsenfeld, Abtsgmünd und Schechingen. Wie das Landratsamt am Dienstag mitteilt, koordiniert das Forstdezernat des Ostalbkreises jetzt Gemeinsam mit der Gemeinde Abtsgmünd die Beseitigung des Sturmholzes.

Peter Kommander, der zuständige Forstrevierleiter des Landratsamts Ostalbkreis berichtet: „Das Forstunternehmen Müller war am nächsten Samstagmorgen gerade in der Nähe im Gemeindewald Abtsgmünd tätig und hat gleich die von Bäumen blockierten Wege freigemacht. Da wurde das erste Ausmaß des Schadens schon sichtbar und bei mir klingelte das Telefon. Inzwischen gehe ich von 18.500 Kubikmetern Sturmholz aus. Das ist fast zweimal so viel Holz, wie sonst in einem Jahr nachhaltig in meinem ganzen Revier geerntet wird. Auf rund 30 ha, einer Fläche so groß wie 50 Fußballfelder, sind die Bäume wie Streichhölzer abgeknickt und umgeworfen worden. Der Anblick war und ist immer noch erschütternd.“

Forstdezernent Johann Reck beschreibt, wie es weiterging: „Weil die Forstunternehmer schon in der Nähe waren, haben bereits am Tag eins nach dem Sturm die Aufräumarbeiten begonnen. Besser hätte es gar nicht laufen können. Uns war gleich klar, dass nun alle an einem Strang ziehen müssen, damit die Waldbesitzer die größtmögliche Hilfe bekommen.“

Am vergangenen Dienstag, 31. Mai, fand daher ein wichtiges Abstimmungsgespräch im Rathaus Abtsgmünd statt, um die Aufarbeitung des Sturmholzes zu koordinieren. Bürgermeister Armin Kiemel zeigte sich sofort solidarisch mit den Waldbesitzern: „Wir haben gemeinsam mit den Förstern vom Landratsamt ein gutes Hilfspaket geschnürt. Wir müssen alle Hürden aus dem Weg räumen, die einer zügigen und geordneten Aufarbeitung des Sturmholzes entgegenstehen könnten. Dafür übernehmen wir als Gemeinde eine Garantenstellung, wenn zum Beispiel eine Zwischenfinanzierung der Aufarbeitungskosten notwendig sein sollte.“

Vor Ort verschafften sich dann vergangenen Freitag, 3. Juni, alle Beteiligten noch einmal ein Bild von der größten Schadfläche am Laubach. Hauptbetroffene ist dort die Waldbesitzerin Anita Dolderer. „Wir haben - oder ich muss sagen - hatten hier sieben Hektar Wald. Noch vor acht Wochen habe ich mit meinem Sohn einen Motorsägenkurs gemacht, weil wir unseren Fichtenwald in den nächsten Jahren sukzessive in Richtung Laubholz umbauen wollten. Jetzt ist der Wald weg – und das für die nächsten 80 Jahre. Ich bin sehr mit dem Wald verbunden und nach dem ersten Schock versuche ich, die Situation jetzt anzunehmen und nach vorne zu schauen. Klar ist für mich: Ich will den Wald wieder aufforsten - verkauft wird nicht“, so die Waldbesitzerin. Mit Entschlossenheit richtet Anita Dolderer daher schon ihren Blick auf die Frage, welche Baumarten in Frage kommen und welche Fördermöglichkeiten es gibt. Sie holt sich dafür den Rat der Förster, hat aber auch ganz klare eigene Vorstellungen: „Wuchshüllen aus Plastik kommen mir zum Beispiel nicht in den Wald“, ist ihre klare Ansage, „da muss es andere Lösungen geben.“

Neben Dolderer sind weitere 80 Waldbesitzer betroffen. Alle wurden von der Kreisforstverwaltung identifiziert und mit jedem wurden Einzelgespräche geführt. „Kleinere und größere Katastrophen im Wald habe ich schon viele mitgemacht“, beschreibt Förster Kommander, „aber noch nie habe ich so viel Dankbarkeit bei den Waldbesitzern für die Unterstützung bei der Bewältigung der Herausforderungen erlebt.“ Und von diesen Herausforderungen gibt es mehr als genug. „Das beginnt schon beim Feststellen der Grenzen im Wald“, so Kommander. „Das Betreten der Flächen, in denen die Bäume kreuz und quer liegen, ist lebensgefährlich! Deshalb ist es am besten, wenn die beiden Waldbesitzer rechts und links einer Grenze sich vor Ort einigen, welcher Baum wem gehört.“

Die Forstunternehmen Wieland, Haas und Müller arbeiten sich aktuell mit Holzvollerntern durch das Baummikado, schneiden die Stämme kurz und sortieren das Holz dabei. Holz, das im Bereich der Bruchstellen Risse hat, kann nicht für Holzprodukte verwendet werden. Aber zumindest noch für die Energiegewinnung. „Ich muss von der Fahrerkabine des Harvesters aus einschätzen, wie weit die Risse ins Holz gehen und die Abschnitte entsprechend ablängen“, beschreibt Forstunternehmer Marco Wieland.

Helmut Stanzel von der Holzverkaufsgemeinschaft kümmert sich unterdessen um die bestmögliche Vermarktung des Holzes, um den wirtschaftlichen Schaden für die Waldbesitzer so gering wie möglich zu halten. So wird das Energieholz z.B. nicht vor Ort gehackt, sondern die Bruchstücke abgefahren. Allein durch diese kleine Maßnahme können bis zu 4 Euro je Kubikmeter mehr erzielt werden.

Peter Kommander, der seit zwei Wochen rund um die Uhr als Ansprechpartner zu Verfügung stand, tritt nun erst einmal seinen geplanten Urlaub an, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Die Kollegen Tilman Pfeifle, Johannes Gugel und Christoph Veile kümmern sich während seiner Abwesenheit um alles. „Wenn du in zwei Wochen zurückkommst, sind wir hier fertig“, scherzen die Kollegen. Aber alle wissen, dieser Tornado wird noch viel Arbeit nach sich ziehen.

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