Der Blog vom Naturfotografen

Tipps vom Naturfotografen: Haubentaucher – mit ihnen begann alles

+
Tobias Gärtner bloggt für diese Zeitung über sein Hobby: Naturfotografie.

Tobias Gärtner ist Hobby-Naturfotograf. Sein Revier ist die Ostalb. In unserem Blog „Tobias‘ Naturfotografie“ berichtet er von seinem Hobby und gibt nützliche Tipps, was bei der Wildtier- und Naturfotografie zu beachten ist.Im ersten Teil geht es um den Haubentaucher.

Der erste Kontakt zur Vogelfotografie ergab sich im Mai 2019. Von einem – zwischenzeitlich gut befreundeten – Naturfotografen erhielt ich einen Tipp. Circa 20 Autominuten entfernt von mir, am Uferbereich eines Sees, befand sich ein Nest eines brütenden Haubentauchers. 

Damals noch sehr unerfahren, machte ich mich mit Kamera, Stativ und entsprechender Kleidung auf zu dieser Location. Noch in der Dämmerung wollte ich dort sein, um möglichst nicht aufzufallen, die Vögel nicht zu stören und um mir in Ruhe einen Platz hinter etwas Schilf zu suchen. 

Die Wetterbedingungen waren zum Fotografieren nicht besonders gut. Zu viel Nebel befand sich auf dem See und es boten sich, trotz des trockenen Wetters, keine guten Voraussetzungen, um kontrastreiche und scharfe Bilder aufnehmen zu können. So versuchte ich zumindest so gut wie es ging die Nebelstimmung einzufangen. 

Das Motiv, der Haubentaucher auf seinem Nest inmitten der grünen Schilfansätze und mit dem vielen Nebel, hatte durchaus Potenzial. 

Der Haubentaucher inmitten der grünen Schilfansätze.

So wirklich gelungen sind mir die Bilder damals leider nicht. Meine Unerfahrenheit, sowie der noch frische Umgang mit meiner Nikon D500 und dem damaligen Objektiv, einem Sigma 150-600mm Contemporary, dürften die Gründe dafür gewesen sein, dass ich nicht mehr aus dieser Gelegenheit machen konnte.

Rund vier Wochen später tat sich glücklicherweise eine erneute Gelegenheit auf. An einem Gewässer, fast direkt vor meiner Haustüre, fand ich einen brütenden Haubentaucher. 

Ein brütender Haubentaucher.

Da der Anfahrtsweg so kurz war, konnte ich nahezu täglich dorthin. Die Gegebenheiten dort vor Ort waren auf jeden Fall besser wie bei den ersten Versuchen im Mai. Die fotografische Distanz zum Motiv und das Wetter ließen darauf hoffen, dass die Aufnahmen dieses Mal besser ausfallen könnten. 

Mir gelangen die ersten sehenswerten Bilder dieses tollen Vogels. Am Ufer sitzend versuchte ich, mit der Kamera auf dem Stativ eine möglichst tiefe Position einzunehmen, um mit den Haubentauchern auf Augenhöhe zu sein. Dadurch war es mir auch möglich die Spiegelung des Haubentauchers einzufangen. 

Weiter Motive des Haubentauchers.
Weiter Motive des Haubentauchers.

Um nicht nur immer in den Morgenstunden vor Ort zu sein, wollte ich mein Glück zur Abwechslung an einem Spätnachmittag versuchen. 

Wie sich schnell herausstellte, schien es damals die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Die Lichtstimmung eine komplett andere, im Vergleich zu den sonst frühen Morgenstunden. 

Die langsam im Westen untergehende Sonne strahlte die Bäume und Sträucher auf der gegenüberliegenden Uferseite an, die sich dadurch im Wasser spiegelnden Farben waren unbeschreiblich. 

Eine ganz besondere Lichtstimmung, die damals nicht schöner hätte sein können. 

Der Haubentaucher in einer besonderen Lichtstimmung.

Die Krönung des Ganzen war anschließend noch der Nachwuchs, welcher zwischenzeitlich geschlüpft war und sehr unsicher und unbeholfen wirkte. Das waren ganz besondere Momente, zu sehen wie sich die kleinen Küken auf den Rücken der Eltern kämpften und sich dort unter deren Federkleid versteckten, auf der Suche nach Schutz und Sicherheit. 

Küken verstecken sich unter dem Federkleid der Eltern.

Anschließend machte sich leider etwas Ernüchterung breit, als mich mein befreundeter Fotograf bei einem gemeinsamen Ansitz darauf hinwies, dass wenn die Kleinen geschlüpft sind, das Nest im Regelfall innerhalb von wenigen Tagen relativ schnell aufgegeben wird. 

Ein Umstand, der mir damals noch nicht bewusst und auf den ich überhaupt nicht eingestellt war. Irgendwie hatte ich gehofft, etwas mehr Zeit damit verbringen zu können den Nachwuchs zu beobachten. 

Im darauffolgenden Jahr war an diesem Gewässer erneut ein Haubentaucher-Paar vertreten. Das Nest aber dieses Mal gut versteckt und zum Fotografieren völlig ungeeignet. Meine Pläne, 2020 erneut Haubentaucher fotografieren zu können, gab ich somit schnell wieder auf.

Im frühen Verlauf diesen Jahres suchte ich das Gewässer ebenfalls regelmäßig auf, in der erneuten Hoffnung Haubentaucher anzutreffen. Die ersten Eindrücke waren bedauerlicherweise sehr ernüchternd. Ein Paar war mit Brüten beschäftigt, allerdings zum wiederholten Male in keiner fotografisch interessanten Lage. Wer kann‘s den Vögeln verdenken, wenn ich die Möglichkeit hätte würde ich vermutlich ebenfalls versuchen für mein Nest einen möglichst ruhigen und gut geschützten Platz zu finden.

Die Freude war umso größer, als ich von meinem befreundeten Jäger erfuhr das ein weiteres Paar an dem See brütet. Das Nest in erneut gut geschützter und nicht gleich einsehbarer Lage. Doch dieses Mal in einer Entfernung, die fotografisch durchaus Möglichkeiten bot und man vom Ufer aus hätte bequem fotografieren können. 

Vor zwei Jahren hätte ich mich mit der Kamera wahrscheinlich auch direkt ans Ufer gesetzt und versucht Fotos zu machen.Heute jedoch ist mein Vorgehen meist ein anderes. Man hat oftmals bereits eine konkrete Bildidee im Kopf und die Erfahrungen der letzten beiden Jahre helfen einem, diese eher umsetzen zu können. 

Wenngleich immer noch Glück dazu gehört. Selbst wenn man beim richtigen Wetter, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sitzt, heißt das noch nicht, dass die Tiere mitmachen und genau dort erscheinen, wo man sie gerne hätte.

So machte ich mich Anfang Juli, an einem Freitagmorgen, auf an den See. Im Gepäck meine Nikon Z6 II, das 500mm Teleobjektiv, mein Rollei-Stativ und eine Wathose. Vom Ufer aus wäre ich nicht auf die Höhe der Wasseroberfläche gekommen, sondern hätte aus einer leicht erhöhten Perspektive fotografieren müssen. Mein Plan war aber, einen Haubentaucher auf Augenhöhe abzulichten und möglichst mit der aufgehenden Sonne in meinem Rücken. Es war schnell klar, dass ich dafür ins Wasser musste.

Da der See im Winter abgelassen und ich immer mal wieder dort war, wusste ich wie tief er ungefähr ist und dass es durchaus möglich sein sollte im Wasser stehend fotografieren zu können. Die Kamera ließ ich vorerst am Ufer zurück, mit Wathose und meinem Stativ ausgestattet lief ich an einer eher flachen Stelle erst mal vorsichtig ins Wasser, auf der Suche nach einem stabilen Stand für das Stativ. 

Brusttief im Wasser stehend fand ich einen geeigneten Platz, bei einem am Ufer wachsenden Strauch. Er bot mir etwas natürliche Deckung und der feste Boden eignete sich ideal um das Stativ aufzustellen. Nachdem die Rahmenbedingungen geschaffen waren lief ich zurück zum Ufer, um meine Kamera zu holen und anschließend aufs Stativ zu montieren.

Naturfotografie in Deckung.

Tipp: Die Kamera nur noch wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche, sollte man keine hektischen Bewegungen mehr machen und jeden Handgriff mit Bedacht wählen. Ist nur eine Schraube am Stativ nicht richtig angezogen, sackt die Kamera mit dem schweren Objektiv schnell nach vorne oder hinten ab und die Technik würde ein unfreiwilliges Bad nehmen. Eine Erfahrung die ich leider bereits mehr wie einmal machen musste...

Das Nest des Haubentauchers war aus dieser Position heraus nicht mehr richtig einsehbar, ein großer Ast befand sich davor. In diesem Moment war mir das aber auch nicht wichtig, ebenso wie die Entfernung zum Nest. Mein Plan war, einen Haubentaucher zu fotografieren, wenn er (hoffentlich) regelmäßig seinen brütenden Partner besucht und ihn mit Nahrung oder Nistmaterial versorgt.

Die ersten 1 - 1,5 Stunden passierte so gut wie nichts. Außer einem Blässhuhn und einem einzelnen Zwergtaucher hatte ich keinen Besuch. 

Ein Blesshuhn.

Da diese aber bereits in aussichtsreicher Position an mir vorbei schwammen, wusste ich zumindest, dass die Tarnung mit dem Strauch ihren Zweck erfüllt und die Tiere mich nicht sofort wahrnehmen. 

Wie so oft war erneutes Warten angesagt. Nach einer weiteren halben Stunde sah ich erstmals, in weiter Entfernung, den Partner des brütenden Haubentauchers. 

Zum Fotografieren noch viel zu weit weg, war ich zumindest schon mal froh ihn zu sehen und hoffte darauf, dass er sich langsam annähert. Er hatte es nicht eilig, man konnte aber erkennen dass er sich langsam aber sicher in Richtung des Nestes bewegt. 

Jetzt hieß es sich bereitzuhalten. An der Kamera sicherheitshalber die Verschlusszeit, Blende, ISO-Zahl und Belichtungskorrektur prüfen, ebenso vorsorglich auf den Bereich des Nestes vor fokussieren. 

Der Haubentaucher kam immer näher, zwischenzeitlich bewegte er sich sehr zielstrebig und nahm direkten Kurs auf das Nest. 

Zu meinem Bedauern schwamm er aus Westen auf das Nest zu, eine Richtung welche mir keine vernünftigen Bilder ermöglichte. 

Meine Hoffnung war nun, dass wenn er sich wieder vom Nest entfernt, er in eine andere Richtung schwimmt wie von der aus welcher er gekommen ist. 

Nachdem er drei, vier Minuten am Nest verharrte und seinem Partner das Nistmaterial etwas herrichtete, bewegte er sich wieder weg. 

Richtung Osten ziehend kam er tatsächlich direkt an mir vorbei. Entfernung ca. 15 Meter. Mein Glück konnte ich kaum fassen, als er dann sogar anhielt und für ein paar Sekunden verharrte. 

Es war die perfekte Möglichkeit. Nun hieß es, bei der ganzen Aufregung und Freude, möglichst keine Fehler zu machen. 

Den Haubentaucher bereits im Sucher verfolgend seit er sich vom Nest weg bewegte, musste ich nur noch darauf achten das der Fokuspunkt der Kamera möglichst auf dem Auge sitzt. 

Den Rest musste nun die Kamera erledigen. Dank des elektronischen Verschlusses und der schnellen Serienbildfunktion der Nikon Z6 II aber normalerweise kein Problem. 

Ein Blick auf das Display der Kamera sorgte für erste Glücksgefühle. Bereits hier war zu erkennen, dass genau die Aufnahmen entstanden sind wie ich sie mir zuvor erhofft hatte. 

Endlich entstehen die erhofften Aufnahmen.
Endlich entstehen die erhofften Aufnahmen.

Ein nicht unbedingt selbstverständlicher Moment, dass man genau die Bilder erhält, wie man sie im Vorfeld plant.

Es waren auch nur diese paar Sekunden die ich hatte, als der Haubentaucher innehielt, sich etwas von links nach rechts bewegte und dann wieder weiterzog. 

In der darauffolgenden halben Stunde kam er leider nicht mehr zum Nest zurück. Die Sonne schob sich nun langsam zwischen den Wolken durch und sorgte für hartes Licht und zu viele Reflektionen auf dem Wasser. 

Für mich der Zeitpunkt mein Equipment zusammenzupacken und sehr zufrieden und vor allem dankbar nach Hause zu gehen. 

Für diese Fotos kamen zum Einsatz:

Technik: Nikon Z6II + Nikon 500mm f4 G ED VR + 1,4x Telekonverter + Stativ 

Kleidung / Tarnung: Kleidung in gedeckten Farben + Wathose + Gesichtsmaske + Handschuhe

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema