Neue Pflicht für Corona-Tests vor Altenheim-Besuchen sorgt für Irritationen

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Wer einen Angehörigen im Pflegeheim besuchen will, benötigt seit dieser Woche einen aktuellen Corona-Schnelltest. Viele Heime können den aktuell aber gar nicht selbst anbieten.Symbolfoto: pixabay
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Die neue Regelung sorgt auf allen Ebenen für Verwirrung. Ohne einen aktuellen Corona-Schnelltest bekommen Angehörige seit dieser Woche keinen Zutritt mehr in Alten- und Pflegeheime.

Aalen

Angehörige von Menschen in Pflegeheimen sind frustriert. Seit diesem Montag gilt die neue Coronaverordnung, die vor einem Besuch in solchen Heimen einen Corona-Antigenschnelltest verpflichtend vorsieht. Doch auch die Pflegeheime selbst hat diese Änderung relativ unvorbereitet erwischt. Im Aalener Landratsamt zeigt man sich ebenfalls irritiert.

Konkret heißt es unter Paragraf 1h, Absatz 1: "Der Zutritt von Besuchern und externen Personen zu Krankenhäusern und stationären Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf ist nur nach vorherigem negativem Antigentest und mit einem Atemschutz (...) (FFP2) (...) zulässig."

Das Problem: Viele Pflegeheime bieten solche Schnelltests vor Ort aktuell gar nicht an. Das bestätigt Susanne Dietterle, Pressereferentin im Landratsamt. Die Angehörigen werden relativ allein gelassen.

"Es herrscht große Verwirrung", sagt Dietterle. Erschwerend kommt hinzu, dass das Sozialministerium auf seiner eigenen Internetseite verspricht, dass diese Kosten übernommen werden, doch keiner weiß, wie genau. Im Landratsamt bat man dazu laut Aussage von Susanne Dietterle zunächst telefonisch im Sozialministerium um Auskunft. Bislang ohne Ergebnis. "Wir formulieren jetzt ein offizielles Schreiben an das Sozialministerium mit der Bitte um Auskunft", sagt Dietterle.

Es herrscht große Verwirrung.

Susanne Dietterle Pressereferentin im Landratsamt

Im Schwäbisch Gmünder Pflegeheim St. Ludwig der Stiftung Haus Lindenhof bestätigt Hausleiter Dominik Szypula, dass es relativ wenig Vorbereitungszeit gab. Er führe aktuell sehr viele Telefonate mit verärgerten Angehörigen. "Die Stiftung Haus Lindenhof arbeitet an einer Lösung", sagt er. Ab dem 27. Januar wolle man allen Besuchern jeden Mittwoch – nach vorheriger Anmeldung – einen Schnelltest ermöglichen. "Das bedeutet einen immensen Aufwand für uns", sagt er. Denn bereits jetzt müssen auch alle Mitarbeiter zwei Mal pro Woche ebenfalls getestet werden.

Auch im KWA Albstift in Aalen will man weiterhin Besuche ermöglichen. Stiftsdirektorin Andrea Schneider berichtet: "Da die Schnelltestmöglichkeiten in der Stadt äußerst begrenzt sind, haben wir in den vergangenen Tagen mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, die uns nun in die Lage versetzt, Angehörige unmittelbar vor dem Besuch direkt hier im Haus zu testen." Über diese Möglichkeit, das Prozedere und die Zeitfenster zur Testung werden die Angehörigen mit einem Schreiben informiert. Testen lassen könne sich –auf Wunsch dreimal pro Woche – wer von der zu pflegenden Person als fester Besucher benannt ist. Das extra dafür eingestellte Personal habe eine medizinische Ausbildung. Eine zusätzliche Aufgabe für die Mitarbeiter des Albstifts sollte es nicht werden. Laut Albstift seien pro Test etwa 20 Minuten Arbeitszeit anzusetzen.

Manche Ärzte verlangen, so habe Szypula gehört, zwischen 28 und 58 Euro für einen Corona-Schnelltest. Die Stiftung wolle zunächst nichts für diese Tests verlangen, allerdings sei die endgültige Kostenübernahme auch ihm noch nicht klar.

Auch Dietterle bestätigt, dass sich Angehörige in Arztpraxen melden und auch dort die Frage nach den vom Sozialministerium versprochenen kostenlosen Tests noch nicht geklärt seien.

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