Neuer Bio-Lieferdienst "Frisch vom Acker" aus Hüttlingen

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In den Kocherwiesen in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hariolf Erhardt hat den Bio-Lieferdienst gegründet. Mittlerweile hat er rund 100 Kundinnen und Kunden.
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Seit Juni gibt es den Bio-Lieferdienst „Frisch vom Acker“ mit seinem Sitz in Hüttlingen. Wie dort gearbeitet wird und worauf man dort besonderen Wert legt.

Hüttlingen

Spinat aus Eigenzell. Ditta-Kartoffeln vom Lauterhof in Engelhardsweiler. Bioapfelsaft, gemacht mit Früchten aus dem Ostalbkreis. Dazu ein paar Eier von Eberts Hühnermobil aus Abtsgmünd. Und ein paar Scheiben Bio-Pfeffersalami von den Honhardter Demeterhöfen. Das alles aus einer Hand? Nein, das alles aus einer Kiste. Besorgt und zusammengestellt von Hariolf Erhard und seinem „Frisch vom Acker“-Team in Hüttlingen.

Erschöpft, aber zufrieden sieht Erhardt aus, als er an einem Freitag vor der „Acker“-Lagerhalle steht, in der noch 48 Stunden zuvor reges Treiben herrschte. Noch sind es vor allem seine Partnerin, Freunde und Familie statt eigenem Personal, die mithelfen, die Biokisten für die Kunden zusammenzustellen. So geht das seit Juni. 3000 grüne Kisten stapeln sich mittlerweile in der Lagerhalle.

Montagmittag ist Bestellschluss, dann wird die Ware bestellt und geliefert, Mittwoch werden die Kisten in einer Art Produktionsstraße gepackt und übernachten im Kühlhaus, donnerstags wird an die „Acker-Kunden“ ausgeliefert, freitags werden die Reste vor der Lagerhalle verkauft.

Übrig bleibt nicht viel. Diesmal sind es Tomaten und Mangos. „Wir kaufen nur das, was die Leute bestellt haben und vermeiden Abfälle“, sagt Erhardt. Lebensmittel, die aber aus Gebinden kommen, von denen man einfach mehr als bestellte Waren abnehmen muss, sollen auf keinen Fall schlecht werden. „Aber ich will keinen Laden machen“, sagt er. Und so sind es vor allem Leute aus dem Ort, die auf gut Glück vorbeikommen, um zu sehen, ob sie noch spontan was kaufen können.

Das Angebot wächst beständig

Alle anderen bestellen im Online-Shop. Beispielsweise die Probier-Kiste, Büro-Kiste oder die selbst zusammen gestellte „individuelle Kiste“. Bio ist alles. „Ich schaue mir die Ware zudem vor Ort an und teste auch“, erklärt Erhardt. „Und es kommt immer mehr dazu.“

Was es hier nicht gebe, bestelle er bei einem Großhändler, der auch nur Bio im Angebot habe. Flugware bezieht das „Ackerteam“ nicht. Zitrusfrüchte beispielsweise, die die Kunden eben auch gerne bestellen möchten, wachsen in der Region eben einfach nicht. „Und die Ware muss ja irgendwie herkommen“, sagt Erhardt.

Etwas über 100 Kunden hat der Lieferdienst mittlerweile. Sogar aus dem Gießener und dem Dinkelsbühler Raum, Schwäbisch Gmünd ist außen vor. Dort gebe es einen anderen Lieferdienst, dem man nicht in die Quere kommen möchte. Trotzdem: Um zu überleben, brauche er langfristig mindestens doppelt so viele Kunden, sagt Erhardt. Wohlwissend, dass sein Lieferdienst nicht für jeden gleichermaßen etwas ist. „Aber die bisherigen Kunden haben oft selbst einen Garten und wissen, wie es ist, wenn man alle zwei Tage mit der Hand Kartoffelkäfer abklaubt“, erklärt er. „Da funktionieren 90 Cent nicht.“ Bio kostet. Auch deshalb feilsche er selbst nicht mit seinen Zulieferern um den Preis. „Fair handeln, statt verhandeln“, so das Motto. Jeder solle genug verdienen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Nur regional-saisonal geht nicht

Nur regional-saisonale Bio-Ware anzubieten, das allerdings funktioniere als Geschäftsmodell nicht. „Die Leute wollen eben auch im Winter ihren Paprika“, erklärt Erhardt dazu. Wer nur Lebensmittel aus der Region möchte, könne einfach die Regionalkiste bestellen. In der liegen dann eben Äpfel, Spinat und Zwiebeln. Wenn es sie gerade gibt. Selbst Salat sei schon ein Problem gewesen, weil es vor einiger Zeit wochenlang geregnet habe, sagt Erhardt. Käse aus der Region aber geht immer. Um ihn abzupacken, ist ein extra Käseraum Vorschrift. Nach genauen Richtlinien und Grammangaben der Bestellungen wird er bereits am Dienstagabend verpackt und im Kühlschrank gelagert, bis er mit einem Kühlakku an der Seite in der grünen Kiste ausgeliefert wird.

Backpulver für den Kuchen

Bestellen kann man neben den regionalen Produkten mittlerweile aus einem stattlichen Sortiment von anderen Bioprodukten. „Wenn ich einen Zwetschgenkuchen backen will und dann noch extra für das Backpulver in einen anderen Laden fahren muss, ist das nicht gerade klimafreundlich“, erklärt Hariolf Erhardt dazu. Und so sind Nudeln, Mehl, aber auch Drogerieartikel oder Süßigkeiten in den mindestens zwei Meter hohen Regalen in der Halle gelagert. Bio-Rotwein aus Spanien ebenso wie Leinöl aus Ruppertshofen oder der Edelkastanienhonig vom Zusenhof in Waldstetten.

Zum Biokonzept gehört auch, dass für Gläser kein Pfand erhoben wird. Das Joghurtglas etwa wird mit einem „Bäbber“ gekennzeichnet und soll mit der leeren Biokiste einfach wieder zurückgehen, wenn die nächste geliefert wird. Das funktioniere gut. Kunststoff sei die letzte Wahl, so Erhardt.

Noch arbeitet Erhardt fast rund um die Uhr. Das kennt er schon. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte er als Gründer des Kultur- und Veranstaltungsmagazins „Xaver“ bereits einmal. Dort fing er auch Feuer für regionale Produkte - als er für das Buch „Heimatliebe“ recherchierte, das „49 Menschen und Manufakturen der Ostalb“ vorstellt. „Das war der Initialzünder“, erzählt Erhardt. Zwar habe er den Lieferdienst da noch nicht „auf dem Plan gehabt. Aber durch Pandemie habe der „Xaver“ als Veranstaltungsmagazin erst mal nicht mehr funktioniert. Da habe er dann die Idee wieder herausgekramt und weiterentwickelt. Bis zur ausgelieferten Biokiste aus einer Hand.

Lieferdienst und die „Heimatliebe“

Frisch vom Acker hat seinen Sitz in Hüttlingen in den Kocherweisen 3. Tel.: (07361) 8908686. Den Onlineshop findet man unter www.frischvomacker.de Dort sind auch alle Lieferanten aufgeführt. Mittlerweile gibt es rund 2000 Artikel im Angebot. Wer will, kann seine Ware auch Donnerstagvormittag direkt in Hüttlingen abholen. Das „Heimatliebe“-Buch gibt es online unter www.heimatliebe-buch.de zum Preis von 29,90 Euro zzgl. Event. Versandkosten zu kaufen.

In den Kocherwiesen, in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hier werden die Kisten für die Kunden gepackt und anschließend ausgeliefert.
Gut 2000 Produkte hat der Lieferdienst mittlerweile im Angebot. Auch Bio-Backpulver gehört dazu.
In den Kocherwiesen, in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hier werden die Kisten für die Kunden gepackt und anschließend ausgeliefert.
In den Kocherwiesen, in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hier werden die Kisten für die Kunden gepackt und anschließend ausgeliefert.
In den Kocherwiesen, in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hier werden die Kisten für die Kunden gepackt und anschließend ausgeliefert.
In den Kocherwiesen, in Hüttlingen hatte das Unternehmen Frisch vom Acker seinen Standort. Hier werden die Kisten für die Kunden gepackt und anschließend ausgeliefert.
Der Lieferdienst Frisch vom Acker
Die Ware wird gewogen und verpackt.
Die Ackertüte kommt ohne Plastik aus.

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